Immobilien Baupreise steigen langsamer als bisher

Düsseldorf · Ein Plus von 8,8 Prozent bedeutet noch immer eine hohe Belastung für Verbraucher. Manche Materialien sind nach wie vor knapp. Und auch derFachkräftemangel bleibt ein großes Problem für die Branche.

 Ein eigenes Haus ist für manche unerschwingich geworden.

Ein eigenes Haus ist für manche unerschwingich geworden.

Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Manche Entwicklungen sind allen Verbesserungen zum Trotz noch kein wirklicher Trost für die Betroffenen. Dazu gehört auch die aktuelle Entwicklung der Baupreise. Die sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Mai dieses Jahres um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Damit hat sich der Anstieg gegenüber dem Februar stark verlangsamt – damals waren die Preise im Vergleich mit dem zweiten Kalendermonat 2022 um 15,1 Prozent gestiegen. Im Mai des vergangenen Jahres wiederum hatte es mit einem Plus von 17,6 Prozent gegenüber Mai 2021 den stärksten Anstieg seit mehr als 50 Jahren gegeben.

Deutlich bessere Bedingungen also jetzt für Bauwillige als vor drei Monaten. So gering wie jetzt war der Preisanstieg zuletzt im zweiten Quartal 2021 gewesen. Aber ein Plus von 8,8 Prozent ist beileibe noch kein Grund zur Entwarnung. Zumal im Mai 2022 nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Preise wie oben beschrieben deutlich gestiegen waren und damit der Basiseffekt schon sehr hoch ist.

Vermutlich haben die deutlich gestiegenen Zinsen die Nachfrage gedämpft und damit auch einen Beitrag geliefert für die geringere Preissteigerung. Das gilt sowohl für jene, die privat Häuser bauen wollten, als auch für Entwickler, die ihre Projekte wegen hoher Finanzierungs- und Materialkosten abgesagt haben.

Trotzdem ist der Baupreisanstieg noch beträchtlich. Und solange dies noch im aktuellen Ausmaß der Fall ist, darf man umgekehrt nicht mit deutlich wachsenden Fertigstellungszahlen in Deutschland rechnen. Nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts werden in diesem Jahr nur rund 245.000 und im kommenden Jahr sogar nur 210.000 Wohnungen in neuen Gebäuden fertiggestellt. Zum Vergleich: Das Neubauziel der Bundesregierung liegt immer noch bei 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Das erscheint zwar gegenwärtig illusorisch, aber die Ampelkoalition hält unvermindert daran fest. „Wir unterstützen die Branche weiter mit Bürokratieabbau, Digitalisierung und verlässlicher Förderung“, sagte jüngst Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD).

Teurer geworden ist es nach Angaben der Statistiker im Mai in vielen Bereichen: Die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden seien um 5,4 Prozent gestiegen, für Dachdecken und -abdichten seien fast elf Prozent mehr fällig geworden, Erdarbeiten seien um 9,4 Prozent teurer geworden, Ausbauarbeiten um 11,7, Wärmedämmung um 12,7, Instandhaltungsarbeiten um 11,7 Prozent. Verbilligt hätten sich Zimmer- und Holzbauarbeiten (minus 2,7 Prozent).

Die Gründe dafür, dass Bauen auch im Mai noch einmal deutlich teurer geworden ist, haben sich nicht verändert. Die Materialknappheit, die mit gestörten Lieferketten während der Corona-Lockdowns begonnen und sich nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine fortgesetzt hat, ist nur in Teilen entschärft. Importbeschränkungen der Europäischen Union und Naturkatastrophen haben dazu beigetragen, dass vor allem mineralische Rohstoffe wie Sand, Ton und Kalkstein fehlen, deren Preis entsprechend gestiegen ist. Einer Umfrage der Europäischen Kommission zufolge wollen etwa 40 Prozent der Anbieter von Beton, Zement und Ziegeln ihre Preise weiter erhöhen. Zwar ist diese Preisschleife nicht endlos, und bei einigen Materialien wie beispielsweise Dachziegeln und Bauholz gab es zuletzt auch schon Entspannung.

Dafür bereitet der Baubranche aber der Personalmangel weiterhin große Probleme. „Die Arbeitskräftereserven auf dem deutschen Bauarbeitsmarkt sind nur noch begrenzt vorhanden“, heißt es auf der Website der Bauindustrie. Es fehlt sowohl an Ingenieuren als auch an gewerblichen Fachkräften, jede(r) dritte Auszubildende bricht die Ausbildung ab, und auch die Zahl derer, die erst einmal eine Lehre am Bau beginnen, ist um knapp sieben Prozent gesunken. Auch das hemmt einen möglichen Rückgang bei den Baupreisen.

Also lässt die Entspannung bei den Baupreisen wohl noch eine Weile auf sich warten. Die Neubaupreise für Bürogebäude sind jedenfalls zuletzt um neun Prozent gestiegen, bei gewerblichen Betriebsgebäuden betrug das Plus acht Prozent, im Straßenbau 10,5 Prozent.

In Nordrhein-Westfalen lag der Anstieg zuletzt übrigens unter dem Bundesdurchschnitt: Etwa 7,7 Prozent Preisauftrieb für Bauleistungen im Wohnungsbau meldete das Statistische Landesamt zuletzt für den Mai. Seit 2015, so haben die Statistiker jüngst festgestellt, haben sich die Baupreise in NRW damit um die Hälfte erhöht.

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