1. Wirtschaft

Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt: Carola Gräfin wird Chefin

Düsseldorf : Trinkaus-Bank bekommt erste Chefin

Carola Gräfin von Schmettow wird Anfang Juni Vorstandssprecherin beim Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt. Ihr Vorgänger Andreas Schmitz rückt an die Spitze des Aufsichtsrates. Der Konzern will weiter im Mittelstand punkten.

Man könnte diesen Text beginnen mit der üblichen Feststellung, dass Frauen in Vorstandspositionen deutscher Konzerne immer noch unterrepräsentiert sind, in solchen Rollen bei Banken immer noch selten, an der Spitze von Geldhäusern gar eine Rarität. All das würde Carola Gräfin von Schmettow (51) nicht gerecht. Sie arbeitet seit fast einem Vierteljahrhundert für das Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt, das zu Beginn ihrer Karriere noch ohne den vorangestellten Namen des britischen Großaktionärs firmierte. Sie hat seit 20 Jahren Leitungsfunktionen inne, gehört seit elf Jahren zur Führung. Und nun wird sie Chefin, im Juni, wenn sie Andreas Schmitz ablöst, der dann die Leitung des Trinkaus-Aufsichtsrats übernimmt.

Wobei - Chefin mag vermutlich keiner gern sagen in einer Bank, deren führender Kopf ein Vorstandssprecher ist, gewählt von seinen Vorstandskollegen, also ein Primus inter pares. In diesem Fall eine Prima inter pares. Eine gebürtige Düsseldorferin, verheiratet, Mutter von fünf Kindern, die parallel Musik und Mathematik studierte, beides zu Beginn der 90er Jahre abschloss (mit Einser-Diplom), Altistin mit Konzerterfahrung von Holland über Belgien bis hin in die Erlöserkirche von Jerusalem, ausgebildet an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule.

Und jetzt eben kurz davor, Bankchefin zu werden. Noch-Chef Schmitz rückt das schon als etwas Besonderes hervor, betont aber, seine Nachfolgerin sei absolut keine Quotenfrau, sondern rücke an die Spitze, "weil sie einfach gut ist". Sie hat jahrelang das Geschäft mit institutionellen Investoren gemanagt und bringt jede Menge Erfahrung im Kapitalmarktgeschäft mit. Die Aufgaben wird sie behalten - und dann bin ich eben noch Vorstandssprecherin", sagt sie.

Das klingt nach Understatement. Dabei übernimmt sie die Führungsrolle in einer Zeit, in der Trinkaus große Ziele verfolgt. Das Unternehmen hat zu Beginn des vergangenen Jahres eine Wachstumsinitiative gestartet, die der Bank Zuwachs bei mittelständischen Kunden verschaffen soll. 2014 hatte Schmitz Investitionen von rund 500 Millionen Euro und die Neueinstellung von etwa 500 Mitarbeitern angekündigt. So wollte Trinkaus Konkurrenten wie der Deutschen Bank Kunden abjagen, auch mit Hilfe des globalen Netzwerkes, über das der Großaktionär HSBC verfügt. In diesem Jahr soll weiter investiert werden, mit dem Schwerpunkt IT. Und 2017/2018 könnte es eine weitere Kapitalerhöhung geben.

  • Heizuungscheck ist nicht gleich Heizungswartung. Ein
    Energiepaket der Regierung : Was die Pflicht zur Heizungsprüfung für Sie bedeutet
  • Schräg gen Himmel am Balkongeländer, in
    Stecker-Solargeräte : Kraftwerke für den Balkon – lohnt sich das?
  • Eine pauschale Erhöhung der Betriebskosten durch
    Ärger um Abschläge : Das sollten Mieter bei hohen Heizkosten beachten

Von Schmettow will auf dem Weg weitermachen, den ihr Vorgänger Schmitz vorgezeichnet hat. "Diese Bank war immer stark, weil sie draußen beim Kunden war und keine Nabelschau betrieben hat", sagte die künftige Vorstandssprecherin gestern.

Das hat Schmitz gestartet. Und so ganz loslassen mag der 55-Jährige, der dem aus Altersgründen nicht mehr kandidierenden Sieghardt Rometsch (76) nachfolgen will, noch nicht. Er will sich nach der Hauptversammlung Anfang Juni nicht "nur" als Chef des Aufsichtsrates verstanden sehen, sondern als "Active Chairman". Das klingt ein bisschen wie eine Führungsrolle nach angelsächsischem Vorbild (was bei einer britischen Bank als Großaktionär auch nicht wirklich überrascht) und zum zweiten nach viel Aktivität. Er wolle die Beziehungen zu den Kunden halten, kündigt Schmitz an. Aber natürlich betonen alle, dass bei aller gemeinsamen Diskussion von Vorstand und Aufsichtsrat am Ende der Vorstand entscheidet.

Schmitz übergibt die Führung der Bank in einer für das Haus komfortablen Position. Knapp 214 Millionen Euro Vorsteuergewinn (nach vorläufigen Zahlen) bedeuten zwar ein Minus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch betont Schmitz, dass der Rückstand auf den Vorjahreswert nach den ersten sechs Monaten 2014 noch 18 Prozent betragen habe, und dass beim Verwaltungsaufwand durch die Einstellung von 800 Mitarbeitern ein erheblicher Verwaltungsmehraufwand entstanden sei. Im laufenden Jahr soll das Vorsteuerergebnis nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Paul Hagen prozentual einstellig wachsen.

(RP)