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Bankgebühren steigen: Übersicht der Preiserhöhungen (Stand 01.2017)

Düsseldorf : Minizinsen - Bankgebühren steigen

Der 2014 eingeführte Strafzins der Europäischen Zentralbank hat zu deutlichen Preiserhöhungen bei Girokonten und anderen Standardprodukten geführt. Dabei ist die Gebührenerhöhung nicht immer auf den ersten Blick erklärbar.

Viele Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Kreditinstitute haben in den vergangenen Jahren ihre Gebühren für Girokonten und andere Standardprodukte erhöht. Auch bei den Entgelten, die für Barauszahlungen an Fremdkunden an Bankautomaten erhoben werden, gab es deutliche Aufschläge.

Markus Feck, Finanzexperte der Verbraucherzentralen NRW, ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge. "Ich kann nur jedem ans Herz legen, die eigenen Konto-Konditionen zu überprüfen und gegebenenfalls über einen Anbieterwechsel nachzudenken", sagt er. Es sei heute wichtiger denn je, das eigene Nutzerverhalten zu reflektieren. Neben den Grundgebühren für ihre Konten hätten die Banken vor allem bei Standardangeboten an der Preisschraube gedreht, die bis vor wenigen Jahren noch kostenlos gewesen sind.

"Wer über einen Wechsel des Girokontos nachdenkt, sollte heute vor allem schauen, wie viel die Geldhäuser bei den unterschiedlichen Kontomodellen für Serviceposten wie beleghafte Überweisungen oder die Nutzung von Kontoauszugsdruckers berechnen", rät er. "Bei reinen Online-Konten zum Beispiel kann das Ausdrucken eines Auszugs in der Filiale bis zu drei Euro kosten." Außerdem gebe es Banken, die mit kostenlosen Girokonten Kunden zu locken suchten, für die Bereitstellung der Geldkarte aber eine jährliche Gebühr verlangten. Ein anderer beliebter Fallstrick seien Gebühren, die neuerdings auf Einzahlung von Münzgeld erhoben würden. "Wer diesen Service häufig nutzt, sollte sich die Konditionen der Banken ganz besonders genau anschauen", erklärt der Finanzexperte.

Grundsätzlich gelte aber: Wer sich gut informiert, muss heute nicht zwingend mehr für sein Konto zahlen als früher. "Die Kosten entstehen vor allem dann, wenn sich ein Kunde anders verhält, als es sein Kontomodell eigentlich vorsieht", erläutert Feck. Wer einen Vertrag über ein Online-Konto abschließe und trotzdem regelmäßig in der Filiale Überweisungen tätige oder Kontoauszüge hole, dürfe sich nicht wundern, wenn es teuer werde: "Die Banken lassen sich diese Serviceleistungen mittlerweile bezahlen."

Hintergrund für steigende Gebühren ist, dass die Europäische Zentralbank seit dem Sommer 2014 eine Strafgebühr von den Geschäftsbanken verlangt, die überschüssiges Geld bei den Währungshütern bunkern. Die Gebühr wurde im vergangenen Jahr auf minus 0,4 Prozent erhöht - eine Belastung für die Kreditinstitute, die plötzlich vor einem Problem standen. Die EZB-Minuszinsen allzu offensiv an ihre Privatkunden weiterzureichen - das hätte die Kundschaft vergraulen können. Deshalb hätten sich viele Banken für einen weniger offensichtlichen Weg entschieden, sagt Feck: "Sie haben behutsame Preisanpassungen vorgenommen, die nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sind."

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Was der Finanzexperte damit meint, wird deutlich, wenn man die aktuellen Konditionen einzelner Geldhäuser mit denen vergleicht, die vor fünf Jahren gültig waren. So war zum Beispiel beim Classic-Online-Konto der Volksbank Remscheid-Solingen das Ausdrucken von Kontoauszügen am SB-Terminal 2012 noch inklusive. Heute zahlen Kunden, die ein Online-Konto abgeschlossen haben, für denselben Vorgang bei der Volksbank zwei Euro pro Auftrag.

Auch im Zahlungsverkehr hat sich bei den Entgelten einiges getan. Vor allem für Überweisungen per Überweisungsträger in den Filialen werden heute Gebühren erhoben, die es vor fünf Jahren noch nicht gab. Die Commerzbank zum Beispiel nimmt von ihren Kunden 1,50 Euro für sogenannte beleghafte Überweisungen, 2012 waren diese als Standardprodukt im Preis für das Girokonto enthalten - wie bei vielen anderen Banken auch.

Die Geldhäuser verwahren sich indes gegen den Vorwurf verschleierter Preiserhöhungen. Die Anpassungen seien unumgänglich gewesen, hieß es zum Beispiel in einer Mitteilung der Sparkasse am Niederrhein. Und die Volksbank Rhein- Ruhr teilte mit, dass die neuen Kontomodelle dem Leitmotiv von Transparenz und Fairness folgen würden. Man habe online eigens einen Kontofinder eingerichtet, damit am Ende jeder Kunde das passende Konto für sich finden könne.

(th)