Düsseldorf: Banken nehmen Gebühren für Münzen

Düsseldorf: Banken nehmen Gebühren für Münzen

Banken verlangen teils hohe Gebühren für das Kleingeld der Kunden. Sie begründen das mit einer EU-Verordnung von 2015. Verbraucherschützer werfen ihnen Gebührenschneiderei vor und fordern eine kostenlose Einzahlung für Kinder.

Lange Schlangen an den Kassen des Supermarktes, und der Kunde ganz vorne zahlt auf den Cent genau. Ärgerlich, besonders, wenn man es eilig hat. Dennoch dürfte jeder das Problem kennen, wenn das Portemonnaie mal wieder randvoll mit Kleingeld ist und die Frage aufkommt: Wohin damit?

Früher ging es mit der Geldbörse oder dem Sparschwein zur nächsten Bankfiliale, in der eine Maschine laut rüttelnd das Münzgeld sortierte und zählte. Inzwischen schaut das vielfach anders aus. Besonders, nachdem die Europäische Union neue Vorgaben für die Banken erließ. Seit 2015 sind sie dazu verpflichtet, eingezahltes Münzgeld auf Echtheit zu prüfen. Für die Geldhäuser bedeutet das nach deren Angaben einen erheblichen Mehraufwand. Genaue Zahlen nennen die Institute allerdings nicht. Viele Banken haben Münzzähl-Maschinen abgeschafft und erheben seitdem vielfach eine Gebühr für Hartgeld-Einzahlungen, die bei bis zu 7,50 Euro liegt.

Verbraucherschützer werfen einigen Banken jedoch vor, sie nutzten die Gebühren in Zeiten niedriger Zinserträge als neue Einnahmequelle. Beispielsweise die genossenschaftliche BBBank in Baden-Württemberg. Sie verlangte pro Einzahlung eine pauschale Gebühr von 7,50 Euro. Dies sei rechtswidrig, entschied Anfang Dezember 2017 das Landgericht in Karlsruhe (Az.: 10 O 222/17). Im Urteil heißt es, dass die Gebühr nicht über die Kosten hinausgehen dürfe, die der Bank für die Einzahlung und Prüfung der Münzen entstünden. Geklagt hatte die dortige Verbraucherzentrale.

Auch in Nordrhein-Westfalen erheben Banken und Sparkassen zum Teil Gebühren fürs Geldeinzahlen (siehe Grafik). Stephanie Heise, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, hat dafür nur bedingt Verständnis. "Es ist nicht in Ordnung, durch überzogene Entgelte Finanzlöcher der Banken zu stopfen", sagt sie. Sie räumt aber ein, dass bei den Banken durch die EU-Verordnung von 2015 ein enormer finanzieller Aufwand entstanden sei. Die Stadtsparkasse Düsseldorf beziffert den Investitionsaufwand für die Echtheitsprüfung von Münzen für eine mittelgroße Sparkasse auf etwa 400.000 Euro.

"Der Gesetzgeber schießt über das Ziel hinaus", sagt Heise. Im Jahr 2014, also im Jahr vor Inkrafttreten der EU-Verordnung, wurden laut Bundesbank 46.000 gefälschte Münzen entdeckt, der Schaden belief sich auf rund 81.000 Euro deutschlandweit. Heise: "Ob die EU-Regelung angesichts solcher vergleichsweise niedriger Schadenssummen zielführend war, bezweifle ich."

Nicht jede Bank hat die kostenfreie Münzgeld-Einzahlung abgeschafft, das zeigt eine Anfrage unserer Redaktion bei 28 in Nordrhein-Westfalen tätigen Instituten. Die Angebote variieren dabei von einer kostenfreien Einzahlung (etwa bei der Commerzbank) bis zu einer Gebühr von 7,50 Euro für Privatkunden (bei der Stadtsparkasse in Düsseldorf).

Viele Banken bieten zudem spezielle Konditionen für minderjährige Kunden. Diese zahlen häufig nichts für die Einzahlung von Münzen. Am Weltspartag haben fast alle die Möglichkeit, ihr Münzgeld kostenfrei abzugeben. Der Inhalt des klassischen Sparschweins kann somit weiterhin meist ohne Probleme und Kosten zur Bank gebracht werden. Ähnlich schaut es für Kirchengemeinden und wohltätige Vereine aus. Auch sie zahlen entweder keine Gebühren oder, auf Basis individueller Absprachen, ein geringeres Entgelt als andere Kunden.

Wer jedoch regelmäßig viel Münzgeld zur Bank bringen möchte, hat es schwer. Viele Banken bieten eine kostenlose Einzahlung nur bis zu einer bestimmten Anzahl von Münzen. So werden für bis zu 50 Münzen pro Tag vielfach keine Gebühren erhoben, für jede Münze darüber hinaus entstehen aber Kosten. Verbraucherschützerin Heise rät daher dazu, sich genau über die verschiedenen Angebote der Banken zu informieren. Für gemeinnützige Vereine und Kinder fordert sie, dass Münzeinzahlungen generell kostenfrei sein sollten.

Auch die Bundesbank nimmt Kleingeld von Kunden in ihren Filialen entgegen. Dort wird das Münzgeld kostenlos gegen Scheine getauscht. NRW-Filialen der Bundesbank gibt es in Düsseldorf, Essen, Köln, Dortmund, Bochum, Hagen und Bielefeld.

(maxk)