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Berlin: Bankberater erneut stark in der Kritik

Berlin : Bankberater erneut stark in der Kritik

Nach einer vom Bundesverbraucherschutzministerium in Auftrag gegebenen Studie gibt es nur in jedem vierten Fall ein Beratungsprotokoll. Die Finanzbranche klagt, die Untersuchung sei nicht repräsentativ, gibt sich aber gesprächsbereit.

Seit 2010 müssen Banken für Kunden, wenn diese Wertpapiere kaufen wollen, ein Beratungsprotokoll erstellen und dies dem Kunden aushändigen. Ein für alle Mal wollte die Politik damit verhindern, dass Produktverkäufer bei den Banken vor allem auf ihre eigene Provision schauen und Kunden, die eigentlich nur eine risikolose Sparanlage suchten, die Bankfiliale mit einem hochriskaten Lehman-Zertifikat in der Tasche verließen.

Vier Jahre später kommen Banken und Versicherer in der Betrachtung jener, die sich Verbraucherschutz auf die Fahnen geschrieben haben, immer noch schlecht weg. Eine vom Bundesverbraucherschutzministerium in Auftrag gegebene Studie hat ergeben, dass Kunden Protokolle teils gar nicht, teils unvollständig erhielten. Nur ein Viertel aller Kunden aus der Stichprobe habe überhaupt eine Dokumentation des Gesprächs erhalten.

Laut Institut für Transparenz (ITA), das gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Skopos für die Studie verantwortlich zeichnet, erhielten die Testkäufer Dokumentationen am seltensten von Versicherungsvermittlern, am häufigsten von Honorarberatern. Wesentliche Gesprächsinhalte wie die Empfehlung eines Produkts und die dazugehörige Begründung seien teilweise gar nicht dokumentiert, andere Gesprächsinhalte unvollständig wiedergegeben worden, so die Kritik der ITA-Autoren.

Konsequenz: Die Politik möchte die Regeln für die Bankberater noch einmal verschärfen. "Wenn überhaupt nur jeder vierte Kunde ein Protokoll bekommt, dann ist der Zweck der Beratungsdokumentation nicht erfüllt. Wir werden die Ergebnisse des Gutachtens mit Branchenvertretern, Wissenschaft und Verbraucherverbänden besprechen", kündigte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) an. Staatssekretär Gerd Billen würde die Protokolle sogar am liebsten standardisieren, bestimmte Fragen obligatorisch machen und Gespräche generell aufzeichnen. Das verlangen auch Verbraucherschützer. Und: Die Finanzaufsicht Bafin müsse schärfer kontrollieren, so der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Dessen Finanzexpertin Dorothea Mohn: "Wer kein Protokoll führt oder nur eines, das seinen Zweck nicht erfüllt, muss Sanktionen fürchten." Bei der Bafin sind laut "Tagesspiegel" bis Ende März mehr als 14 000 Beschwerden über Bankberater eingegangen. Ende September seien es 9500 gewesen.

In der Finanzbranche herrscht Gesprächsbereitschaft, auch was die Behebung von Missständen angeht. Allerdings zweifelt sie die Aussagekraft der Studie an. Insgesamt hat es 117 Tests bei Banken und Versicherern gegeben, die allerdings mit 28 verschiedenen Szenarien unterlegt wurden. Rein rechnerisch kommen damit also auf jedes Szenario gut vier Beratungsgespräche. "Die Deutsche Kreditwirtschaft weist darauf hin, dass die Studie nicht repräsentativ ist, da nur 40 Tests bei Banken und Sparkassen durchgeführt worden sind, obwohl diese jährlich Millionen von Beratungsprotokollen zur Verfügung stellen", heißt es wörtlich in der gemeinsamem Stellungnahme der Privat- und Volksbanken sowie der Sparkassen. Dagegen ITA-Autor Mark Ortmann: "Die Prozesse bei den Banken sind so standardisiert, dass 119 Testkäufe schon ausreichen, um ein entsprechendes Bild zu bekommen."

(RP)