Bank Julius Bär streicht rund 1000 Stellen weltweit

Bank Julius Bär streicht rund 1000 Stellen weltweit

Zürich/Düsseldorf Die Schweizer Privatbank Julius Bär baut nach der Übernahme der Vermögensverwaltung von Merrill Lynch außerhalb der USA von etwa 5700 Jobs in beiden Instituten zwischen 15 und 18 Prozent der Stellen ab. Rund 1000 Mitarbeiter könnten also ihre Arbeit verlieren. Deutsche Standorte sind offenbar nicht betroffen.

Interessant sind für den Vermögensverwalter vor allem die Berater, die eine enge Beziehung zu den Kunden pflegen. Bei Verwaltungsfunktionen wie etwa der Informatik bestehen aber große Überlappungen, dort werden Teile des Personals überflüssig, teilte der Konzern mit. Nach Angaben von Hanspeter Sauter, Chef der Bär-Niederlassung in Düsseldorf, betreffe das vor allem Standorte wie Singapur und Hongkong. "In Deutschland werden keine Stellen gestrichen. Im Gegenteil: Wir haben in Düsseldorf gerade vier neue Mitarbeiter eingestellt", sagte Sauter auf Anfrage.

Zeitgleich mit der Ankündigung des Personalabbaus meldete Julius Bär ein Rekordhoch bei den verwalteten Vermögen. Ende August betrugen sie 184 Milliarden Franken (152 Milliarden Euro). Das seien acht Prozent mehr als Ende 2011. Die Bank führte das Wachstum unter anderem auf eine "günstige Marktentwicklung" zurück.

Julius Bär hatte im August den Kauf der Vermögensverwaltung von Merrill Lynch außerhalb der USA bekanntgegeben. Von der US-Bank will Julius Bär bis zu 72 Milliarden Franken an Kundenvermögen übernehmen. Die Schweizer wollen erklärtermaßen die bislang unrentable Merrill-Lynch-Sparte in die schwarzen Zahlen führen. Die Übernahme ist die Meisterprüfung für Bär-Chef Boris Collardi. Nur wenn es dem noch nicht einmal 40-jährigen Banker gelingt, die meisten Kunden zu halten und die Kosten zu senken, wird der Zukauf zum Erfolg. Vielen anderen Banken schien das Unterfangen zu riskant – sie waren als Bieter ausgestiegen.

Auch für Bär war der Start holprig. Nach der Ankündigung verlor die Aktie rund zehn Prozent an Wert. Die Anleger störten sich unter anderem an einer zu umfangreichen Kapitalerhöhung, Bär ruderte zurück. Inzwischen hat sich der Widerstand aber gelegt.

(RP)
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