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Bahn: Die GDL droht mit erneuten Streiks

Einkommen bei bis zu 53.000 Euro im Jahr für Lokführer : GDL bereitet nun längere Bahnstreiks vor

Die Gewerkschaft der Lokführer kündigt bald einen neuen Arbeitskampf an. Auch an den Wochenenden könnten Züge ausfallen. NRW wäre bei regionalen Zügen und S-Bahnen nur teilweise betroffen, so der VRR.

Der Tarifkampf bei der Bahn entwickelt sich immer mehr auch zu einer Auseinandersetzung, welche Rolle deutlich kleinere Sparten-Gewerkschaften im Vergleich zu den DGB-Gewerkschaften haben. Nachdem die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) vergangene Woche zwei  Tage lang den Zugverkehr behindert hatte, solidarisierte sich der Deutsche Beamtenbund (DBB) am Dienstag mit seiner Mitgliedsgewerkschaft GDL.  DBB-Bundesvorsitzender Ulrich Silberbach sagte bei einer Kundgebung vor dem Hochhaus der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz: „Das Signal an die Bahn-Bosse ist klar: Schluss mit den medialen Nebelkerzen, her mit den verhandlungsfähigen Angeboten“. GDL-Chef Claus Weselsky kündigt an, schon bald neue Streiks einleiten zu wollen. „Ihr wisst, dass wir dieses letzte Mittel wieder zum Einsatz bringen müssen, wenn das Management sich weiter so verhält.“

In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Weselsky, die nächste Arbeitskampfwelle werde länger dauern als die erste mit nur zwei Tagen. „Je länger wir streiken, desto stärker ist die Reaktion der Öffentlichkeit. Wenn das Management meint, sie halten den Frust der Bürger länger aus als die Mitarbeiter, dann sage ich ihnen: Sie verschätzen sich“, warnte Weselsky. Beim Streik in der vergangenen Woche fiel laut Bahn etwa drei Viertel des Fernverkehrs- und 60 Prozent des Nahverkehrs-Angebots aus.

Der Gewerkschaftschef kündigte auch an, den Ferienrückreiseverkehr eventuell zu treffen. „Streiks am Wochenende kann ich nicht ausschließen“, sagte Weselsky. „Je länger Streiks dauern, desto schwieriger wird es, die Wochenenden auszunehmen.“ Jedoch werde seine Gewerkschaft Arbeitsniederlegungen etwas früher ankündigen. Am kurzen Vorlauf von einem halben Tag hatte es heftige Kritik gegeben.

Weselsky lehnt es auf der Kundgebung scharf ab, wie von Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) vorgeschlagen ein neues Schlichtungsverfahren zu beginnen. „Da kann ich nur lachen“, sagte er.

Tatsächlich steht die GDL bei ihrem Arbeitskampf stark unter Druck. Nur rund 5000  Lokführer hatten sich laut Angaben der Bahn vergangene Woche an dem Arbeitskampf beteiligt, Weselsky hatte dies damit erklärt, viele GDL-Mitglieder seien in Urlaub oder hätten freie Tage. Laut eigener Angabe hat die GDL rund 35.000 Mitglieder.

Die Deutsche Bahn forderte die GDL erneut auf, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Sie solle auf Streiks während der Ferien verzichten. Es gehe der GDL nicht um Lösungen sondern um  Profilierung gegen die größere Bahn-Gewerkschaft EVG, sagte eine Sprecherin.

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Für den Fall weiterer Streiks kündigt der VRR an, dass er keineswegs von einem kompletten Stillstand ausgehe. „Sollte die GDL nochmals streiken“, sagt eine Sprecherin des VRR, „ist davon auszugehen, dass die von den Wettbewerbern betriebenen Strecken davon wieder nur am Rande betroffen sein würden.“ Dies würde bedeuten, dass rund 60 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen in NRW fahren würden.

Auf der Kundgebung in Berlin stritt Weselsky erneut ab, den Streit mit dem Bahnvorstand auch aus politischen Gründen zu suchen,  um die GDL gegenüber der viel stärkeren EVG profilieren zu können. Dabei zeigt bereits ein oberflächlicher Blick auf die Internetseite der GDL, wie sehr sie der Bruderkampf mit der EVG beschäftigt: „Die GDL überzeugt, die EVG nicht“, lautet eine Überschrift. Mit der Überschrift „Aus Blau macht Grün“ werden EVG-Mitglieder zum Übertritt in die vermeintlich kämpferischere GDL aufgefordert, mit den Farben sind die jeweiligen Farben des Gewerkschaftslogos gemeint.