Bagel druckt alles – vom Ikea-Katalog bis zur Briefmarke

Bagel druckt alles – vom Ikea-Katalog bis zur Briefmarke

Serie Drupa (II) Das Gladbacher Traditionsunternehmen wandelt sich vom klassischen Tiefdrucker zum industriellen Dienstleister

Mönchengladbach Mit mehr als 16 Metern pro Sekunde rasen die druckfrischen Seiten des neuen Weltbild-Katalogs als 3,68 Meter breites Band unter den Füßen von Udo Bogner entlang. Der Geschäftsführer von TSB läuft im Anzug über den Gittersteg der Rotationsdruckmaschine. Es ist laut, heiß, und es riecht nach Chemie.

Die rund 40 Meter lange Maschine ist das Herzstück des Mönchengladbacher Unternehmens TSB, das im Jahr 260 Millionen Euro umsetzt. Mit weiteren Standorten in Bayern und Sachsen-Anhalt gehört die Firma zu den größten verlagsfreien Druckereien Europas. Sie ist Teil der traditionsreichen, familiengeführten Bagel-Gruppe.

Was die TSB-Maschinen ausspucken, kennt fast jeder: Der Katalog des schwedischen Möbelherstellers Ikea gehört ebenso dazu wie das ADAC-Kundenmagazin "Motorwelt" oder Werbeprospekte des Einzelhandels, die häufig Zeitungen beiliegen. Zu den wichtigsten Kunden gehört die Deutsche Post: Neben der Bundesdruckerei darf auch TSB Briefmarken, vor allem Sondermarken, drucken. Auch mit dem Gong-Verlag und dem Versandhändler Otto macht der Druck-Spezialist Umsatz.

Von vier bis 256 Seiten ist bei TSB alles möglich – einzige Voraussetzung für das Tiefdruckverfahren ist, dass das Produkt mit hoher Auflage hergestellt wird, um es wirtschaftlich zu halten. Denn der Aufwand und die Kosten sind hoch: Die individuell gestalteten Vorlagen müssen auf die Kupferoberflächen aufgebracht werden, die riesige Stahlzylinder umhüllen. Papier, Farbe, Energie und Personal sind im Druckbereich teuer.

Hinzu kommt der Strukturwandel im Print-Geschäft. "Die Digitalisierung hat die tiefsten Einschnitte der vergangenen Jahrzehnte mit sich gebracht", sagt TSB-Chef Bogner. Der klassische Produktkatalog wurde ergänzt durch das Internet als Vertriebsweg. "Das Print-Produkt ist immer noch sympathischer, glaubwürdiger und näher am Kunden", sagt Bogner. "Aktueller ist aber das Internet. Da können wir nicht mithalten. Deswegen müssen wir uns verändern."

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Eine technische Anpassung sei nötig geworden, um die Produktpalette nicht nur auf Kataloge und Zeitschriften zu beschränken. Andere Produkte wie Beilagen in unterschiedlichen Druckformaten kamen hinzu, um neue Kunden etwa aus dem Handel zu gewinnen.

Weitere Konsequenz: eine Konsolidierung der Kapazitäten. Dahinter verbergen sich Zusammenschlüsse mit anderen Betrieben der Branche. "Wir haben etwa mit dem Unternehmen Burda Druck ein Joint-Venture gegründet, um Vertrieb und Produktionsplanung zu bündeln", sagt Bogner.

Wie sieht der Jurist die Zukunft der Druckbranche? "Print ist wegen des Internets nicht obsolet geworden, aber seine Aufgabe ändert sich." TSB ist mittlerweile vom klassischen Tiefdrucker zum industriellen Dienstleister geworden: Der Druck ist eins, die Weiterverarbeitung ist ebenso wichtig. Der Lettershop ist ein Beispiel: Dort produzieren Arbeiter im Schichtbetrieb und mit flexiblen Arbeitszeiten an speziellen Einschweiß-Maschinen versandfertige Werbebeilagen.

Jeden Tag werden rund 180 Lkw am Gladbacher Standort abgefertigt. 200 Paletten werden dort pro Stunde verladen. Rund 600 Mitarbeiter arbeiten für TSB allein in Mönchengladbach im Dreischichtbetrieb – und halten den rasenden Strom von bedruckten Seiten in Bewegung.

(RP)
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