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München/Düsseldorf: Autokonzerne geben wohl "Gelbe Engel" ab

München/Düsseldorf : Autokonzerne geben wohl "Gelbe Engel" ab

Noch vor drei Wochen hatte VW-Chef Martin Winterkorn den ADAC-Autopreis entgegengenommen. Wenn sich bestätigt, dass auch bei der Reihenfolge manipuliert wurde, wollen mehrere Gewinner die Trophäen zurückgeben.

Der ADAC muss damit rechnen, dass alle Autokonzerne ihre "Gelbe-Engel"-Preise der vergangenen Jahre zurückgeben. Zumindest bei Volkswagen wird dies eine sehr persönliche Entscheidung des Vorstandschefs Martin Winterkorn sein: Obwohl die "Süddeutsche Zeitung" bereits am 13. Januar von vermuteten Mauscheleien beim "Gelben Engel" berichtet hatte, hielt die Führung des ADAC am 16. Januar unverdrossen an der Preisvergabe fest. Der mächtigste Automanager Europas musste sich noch Spötteleien über die "Süddeutsche Zeitung" anhören, bevor einige Tage darauf herauskam, dass der Preis wirklich manipuliert worden war. "Winterkorn ist alles andere als amüsiert" erzählt einer seiner Vertrauten, "so hat man ihn selten vorgeführt."

Aber VW steht nicht allein. Seit damit gerechnet wird, dass der ADAC Anfang nächster Woche offiziell zugibt, nicht nur die Zahl der Stimmen manipuliert zu haben, sondern auch die Reihenfolge der Plätze, bringen sich die Konzerne in Position. "Wenn sich die Vorwürfe der Manipulation durch die Untersuchungen bestätigen, werden wir alle 'Gelben Engel' definitiv zurückgeben", sagte eine Daimler-Sprecherin gestern. "Die Preise hätten dann jeden Wert verloren."

BMW äußerte sich ähnlich. Sollten die Vorwürfe zutreffen, dass bei der ADAC-Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" nicht nur die Zahl der Stimmen, sondern auch die Platzierung verändert wurde, will der Münchner Konzern die Auszeichnung "Gelber Engel 2014" wie auch sämtliche früheren Preise dieses Wettbewerbs zurückgeben, sagte ein Sprecher.

Dabei hat BMW mit dem Preis dieses Jahr ein besonderes Problem: Laut "Süddeutscher Zeitung" errang der Konzern mit dem 5er-BMW nur den fünften Platz beim Ranking, weil getrickst worden war, sonst wäre der Wagen nur auf Platz sieben gelandet. "Unser früherer Kommunikationschef wollte BMW wohl unbedingt mit wenigstens einem Wagen unter den ersten guten Plätzen haben", vermutet ein ADAC-Insider, "damit mehr Prominente kommen."a

Der mit einer Vielzahl von Vorwürfen konfrontierte Automobilclub legte unterdessen einen Zehn-Punkte-Plan zur Neuausrichtung vor, mit dem er das Vertrauen der Mitglieder und der Öffentlichkeit wieder herstellen will.

Die Anwaltskanzlei Freshfields soll die Verhaltensrichtlinien des Autoclubs überprüfen und erweitern. Ein Chief Compliance Officer (CCO) soll auf deren Einhaltung achten und Verstöße aufdecken. Vereinsmitglieder können auf einer externen Website auf konkrete Missstände hinweisen, auch anonym.

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Wie der ADAC weiter mitteilte, beschlossen Verwaltungsrat und Präsidium zudem verschiedene Sofortmaßnahmen: ADAC-Hubschrauber, die von Spitzenmanagern in der Vergangenheit gelegentlich für Dienstreisen genutzt wurden, kommen demnach ab sofort nur noch für Rettungsflüge zum Einsatz. ADAC-Tests gebe es künftig nicht mehr "ohne doppelte Qualitätskontrolle".

(RP)