Berlin: Ausbauziel für Nordsee-Windparks wird verfehlt

Berlin: Ausbauziel für Nordsee-Windparks wird verfehlt

Berlin rechnet intern nur noch mit der Hälfte der bislang geplanten Leistung. Stadtwerke warnen vor Investitionsstopp.

Der Ausbau der Windparks in der Nordsee kommt nicht voran: Die Bundesregierung wird ihr bis 2020 gestecktes Ziel von 10 000 Megawatt neu installierter Offshore-Stromleistung voraussichtlich klar verfehlen. Darauf lässt ein im Mai übergebener Projektbericht für den Netzbetreiber Tennet schließen. Demnach verfügen bislang erst Windparks mit einer Leistung von 2900 Megawatt über eine Finanzierung. Auch Berliner Regierungskreise und Experten wie der Chef der von der Regierung bestellten Energiewende-Kommission, Andreas Löschel, gehen davon aus, dass das bisherige Ausbauziel deutlich reduziert werden muss. Die Verbraucherzentrale Bundesverband forderte wegen der Risiken und der steigenden Kosten für die Stromverbraucher sogar einen Ausbaustopp bei den Offshore-Windparks.

Auf Fachebene ist in der Regierung jetzt nur noch von 6000 Megawatt bis 2020 die Rede. Offiziell hält Berlin aber am Ziel von 10 000 Megawatt Offshore-Leistung fest. In dem Projektbericht heißt es, dass selbst bis 2023 nur mit 3700 bis 5900 Megawatt an installierter Leistung in der Nordsee zu rechnen sei.

Begründet wird die Zielverfehlung unter anderem mit erheblichen technischen Problemen. Die Offshore-Branche erklärt ihre aktuelle Investitionszurückhaltung auch damit, dass die Förderkonditionen nach 2017 schlechter würden. Für bis 2017 ans Netz gehende Windparks sind für acht Jahre Anfangsvergütungen von 19 Cent je Kilowattstunde geplant. Danach wären es nur noch 13,95 Cent. Durch Verfehlen der Ziele könnten weitere Kosten anfallen: Dem Bericht zufolge drohen ab 2016 "Leerkosten" von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro für Netzanschlüsse, durch die mangels Windparks aber kein Strom fließt. Die Stiftung Offshore-Windenergie räumte ein, dass die Ziele nicht zu halten seien. "Wir sehen 6000 bis 8000 Megawatt installierte Offshore-Leistung am Netz bis 2020 als realistische Größe", sagte Geschäftsführer Andreas Wagner.

Die Probleme bei der Energiewende werden auch an anderer Stelle immer größer. Energieintensive Betriebe, die bisher weitgehend von der Förder-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgenommen sind, befürchten, die EU-Kommission könne die Ausnahmeregelungen in Kürze kippen, weil sie darin unerlaubte Beihilfen sieht.

Das Stadtwerke-Bündnis Trianel hat zudem gestern vor einem Investitionsstopp in neue Kraftwerke gewarnt. Obwohl der Ökostrom bereits einen Anteil am Stromverbrauch von 25 Prozent habe, laufe die Förderung ungebremst weiter. Dies drücke den Strom-Großhandelspreis und verdränge die konventionellen Kraftwerke. Viele neue Kohle- oder Gaskraftwerke häuften Millionenverluste an, so dass Investoren vor neuen Ausgaben zurückschreckten. Den Bau eines neuen Gaskraftwerks in Krefeld-Uerdingen hatte Trianel erst Anfang dieser Woche auf Eis gelegt.

(mar)
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