Frankfurt/M.: Aufregung um 80-Millionen-Bonus

Frankfurt/M.: Aufregung um 80-Millionen-Bonus

Ex-Deutsche-Bank-Händler verlor nach Entlassung Hälfte der Sonderzahlung.

Der einem früheren Investmentbanker der Deutschen Bank angeblich gewährte Bonus von etwa 80 Millionen Euro für das Jahr 2009 hat der größten deutschen Bank neue unangenehme Schlagzeilen eingebracht – auch wenn das Unternehmen die Zahlungen bisher nicht bestätigt hat. Aktionärsschützer haben das Verhältnis von Sonderzahlungen an Beschäftigte im Verhältnis zur Dividende für die Aktionäre bereits kritisiert. "Die Höhe der Boni für die Mitarbeiter – vor allem im Investmentbanking – und die Höhe der Dividenden stehen in einem deutlichen Missverhältnis zueinander", kritisierte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Die Rechnung der Aktionärsschützer: Die Ausschüttungen an die Anteilseigner machen bei etwa 700 Millionen Euro nur etwas mehr als ein Fünftel des Boni-Pools aus – auch wenn der um elf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro schrumpft.

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Was den Bonus für den damaligen Londoner Händler Christian Bittar angeht, sahen die Regeln des Instituts damals vor, dass ein Investmentbanker einen bestimmten Prozentsatz des von ihm erzielten Gewinns als Bonus bekommen sollte – das allerdings zeitlich gestaffelt. Somit behielt die Bank etwa 40 Millionen Euro ein, nachdem Bittar im Dezember des Jahres 2011 entlassen worden war.

Gegen den früheren Mitarbeiter wird nun wegen einer möglichen Verwicklung in die Manipulationen des Zinssatzes Libor ermittelt. Dieser Verdacht hat Spekulationen befeuert, der Mann, der zu den bestbezahlten Händlern in London gehörte, könnte seine Gewinne auch mit Hilfe von Zinsmanipulationen erzielt haben. Dafür gibt es aber bisher keinen Beleg. Ein Sprecher der Deutschen Bank hatte dazu nur gesagt: "Nachdem die Bank festgestellt hat, dass sich eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern unangemessen verhalten hatte, hat sie diese Mitarbeiter suspendiert oder entlassen und verfallbare Vergütungskomponenten einbehalten. Dies wird auch weiterhin der Fall sein, während wir die Untersuchung zu Ende führen." Wegen der Libor-Affäre ermittelt nicht nur die Deutsche Bank selbst, sondern auch die Finanzaufsicht Bafin.

(gw)
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