München/Düsseldorf: Auch andere ADAC-Tests umstritten

München/Düsseldorf: Auch andere ADAC-Tests umstritten

Autohöfe beklagen Untersuchung, die Pannenstatistik hat Schwächen.

"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht." Auf diese Formel bringt der Düsseldorfer PR-Berater Frank Dopheide, wie sich die Krise beim ADAC weiter verschärft. "Nachdem man einen wichtigen Wettbewerb manipuliert hat, gibt es für alle anderen Themen keinen Vertrauensvorschuss mehr."

Dabei kommen für den ADAC einige unangenehme Erkenntnisse ans Licht. Der Verband lässt zwar dutzende Gegenstände wie Fahrradhelme, Autos, Kindersitze, Glühlampen oder auch ganze Skigebiete testen, doch die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Untersuchungen ist längst nicht so transparent wie bei der Stiftung Warentest als halbstaatlicher Organisation, die wegen eines umstrittenen Schokoladentests allerdings auch neuerdings in der Kritik steht. "Der ADAC ist eine abgeschottete Organisation", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte der Hochschule Duisburg-Essen, "so manche Bewertung bei den Tests ist schwer nachzuvollziehen."

Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, unterstützt diese Haltung. Zwar habe der ADAC bei Tests oft renommierte Institute als Partner, doch der genaue Weg der Auswertung sei nicht immer klar nachzuvollziehen: "Die brauchen eine transparentere Organisation und transparentere Tests."

Beispiele bestätigen das Bild. So hat der ADAC keine Hemmung, für seinen jährlichen Camping-Reiseführer Anzeigen bei den getesteten Plätzen einzuwerben – laut eigener Darstellung allerdings ohne Bezug zum Testergebnis. 2005 wurde das Überschlagen eines rumänischen Dacia-Kleinwagens provoziert bei einem Test – erst später räumte der ADAC den Vorfall teilweise ein.

Die Pannenstatistik des ADAC wurde lange als bester Gradmesser für die Zuverlässigkeit von Autos dargestellt, tatsächlich gibt es Schwächen: So gehen Pannen nur dann in die Statistik ein, wenn der Autofahrer sich als ADAC-Mitglied helfen lässt. Hilft der Verband einem Fahrer aber, weil der als Fahrer einer von 15 Marken wie Mercedes, Ford oder Opel eine "Mobilitätsgarantie" hat, zählt das nicht. "Das verzerrt die Zahlen", meint Dudenhöffer. Ein ADAC-Sprecher gibt sich kleinlaut: "Die Pannenstatistik hat nicht den Anspruch einer repräsentativen Untersuchung. Aber sie gibt trotzdem einen wichtigen Hinweis auf die Zuverlässigkeit von Autos."

Gezielt diskriminiert sehen sich die Betreiber der Autohöfe. "Seit Jahren" würden bei Vergleichen die mit dem ADAC kooperierenden Raststätten gezielt bevorzugt gegenüber den Autohöfen, so die Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA). Die Testkriterien, die beim ADAC zu der Schlagzeile "Raststätten besser als Autohöfe" geführt hätten, seien "einseitig" ausgewählt. Der ADAC weist die Vorwürfe zurück.

Kein Wunder angesichts der vielen Turbulenzen rund um den ADAC, dass renommierte Organisationen wie LobbyControl die Politik zu Distanz drängen: "Die Politik muss künftig besser prüfen, in welchem Umfang der ADAC überhaupt noch Verbraucherinteressen vertritt", sagte Lobbycontrol-Sprecherin Christina Deckwirth. Zwar nehme der ADAC auch Verbraucherinteressen wahr. Aber "in erster Linie ist der ADAC ein Wirtschaftsunternehmen mit starken Verbindungen in die Automobilwirtschaft, das an seinem Selbsterhalt interessiert ist".

(RP)
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