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Athen: Athens Rentensystem droht der Zerfall

Athen : Athens Rentensystem droht der Zerfall

Heute beschließt das Parlament die Rente mit 67. Höchste Zeit: 2030 wird jeder dritte älter als 60 sein.

Wenn das griechische Parlament voraussichtlich heute Abend das jüngste Reformpaket billigt, kommen auf die Rentner des Landes neue Belastungen zu. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird ab 2022 auf 67 Jahre festgeschrieben, die Möglichkeiten für Früh-Verrentungen werden drastisch eingeschränkt. Das doch ist erst der Anfang. Griechenlands Rentensystem gerät aus den Fugen. In den kommenden Jahrzehnten wird es weitere, tiefe Einschnitte geben.

Die heutigen Beitragszahler müssen mit erheblichen Rentenkürzungen rechnen, wenn sie in zehn oder 20 Jahren in Pension gehen. Der Grund ist die immer schneller fortschreitende Überalterung der Bevölkerung. Kein anderes EU-Land hat eine so ungünstige Altersstruktur wie Griechenland. Nach Hochrechnungen der US-Organisation HelpAge International wird 2030 jeder dritte Bewohner Griechenlands älter als 60 Jahre sein. 2050 wird der Anteil der über 60-Jährigen bereits knapp 41 Prozent ausmachen.

Das hat gravierende Folgen für die Rentenfinanzen: Immer weniger Beitragszahler müssen für immer mehr Rentenempfänger aufkommen. Der Altenquotient (das Verhältnis alter Menschen zur Zahl der Erwerbsfähigen) liegt bereits jetzt mit 30 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 24 Prozent.

Die Statistikbehörde Eurostat rechnet mit einem Bevölkerungsrückgang von aktuell 11,05 Millionen auf 8,5 Millionen im Jahr 2060. Die Krise hat die ungünstige Entwicklung noch verschärft. Die Geburtenrate ging seit 2008 um 15 Prozent zurück - immer weniger Paare können sich Kinder leisten. Und nicht mal Zuwanderung hilft: Griechenland ist Auswanderungsland: Seit Beginn der Krise haben 200.000 junge, meist gut ausgebildete Griechen ihr Land verlassen. Sie fehlen in der Sozialversicherung als Beitragszahler. Die hohe Arbeitslosenquote von 25 Prozent bedeutet eine weitere Belastung für die Rentenversicherung.

Welche Renten die heutigen Mittvierziger mal bekommen werden, weiß niemand. Sicher ist aber: Die Bezüge werden deutlich sinken. Und die Griechen werden länger arbeiten müssen. Nach Berechnungen des Nationalen Amts für Versicherungsmathematik wird sich das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen von 39 Jahre bis 2026 auf 44 Jahre erhöhen. Sind heute in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen nur knapp fünf Prozent erwerbstätig, werden es 2060 bereits fast 25 Prozent sein. Das gesetzliche Renteneintrittsalter in Griechenland könnte bis dahin auf 72 Jahre steigen.

(RP)