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Düsseldorf: Argentinien ist erneut zahlungsunfähig

Düsseldorf : Argentinien ist erneut zahlungsunfähig

Das Land hat Devisenreserven von 29 Milliarden Euro, kann aber die Gläubiger nicht bezahlen.

13 Jahre nach der bislang letzten Pleite des Landes ist die erneute Zahlungsunfähigkeit Argentiniens ein Kuriosum. Dass ein Staat nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg über Devisenreserven von etwa 29 Milliarden Dollar (knapp 20 Milliarden Euro) verfügt, aber trotzdem nicht wie geplant eine gute halbe Milliarde Euro an einen Teil seiner Gläubiger zahlen kann, erscheint widersinnig. Dennoch ist alles richtig: Argentinien kann nicht zahlen, Argentinien ist technisch pleite, aber Argentiniens Politik hat auch recht, wenn sie behauptet, das Land sei keineswegs am Ende. Die Rating-Agentur Standard & Poor's spricht von einem "teilweisen Zahlungsausfall".

Der ist nun gestern faktisch eingetreten. Argentinien hat zwar im Juni knapp 540 Millionen Dollar Zinsen an eine New Yorker Bank überwiesen, mit denen Ansprüche von Gläubigern bedient werden sollten, die früher einem Schuldenschnitt zugestimmt haben. Doch ein Gericht in der US-Finanzmetropole hat die Auszahlung dieser Gelder verboten, solange Argentinien nicht mehr als eine Milliarde Euro an zwei Hedgefonds auszahlt, bei denen es noch um Altschulden aus der Pleite von 2001 geht. Dagegen wehrt sich Argentinien wiederum. Die Regierung in Buenos Aires verweist auf jene Gläubiger, die im Zuge der damaligen Staatspleite auf Geld verzichtet haben, und fürchtet, mit einer Auszahlung an die Hedgefonds das falsche Signal auszusenden. Sprich: Andere Gläubiger könnten dann ähnliche Forderungen stellen, und diese Forderungen könnten dann insgesamt in die Hunderte Milliarden gehen. Das würde Argentiniens Reserven weit übersteigen.

Also wird weiter gestritten. "Die Geierfonds haben unser Angebot nicht akzeptiert", erklärte Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof. Dazu gehörte die Idee, dass die Hedgefonds ihre Forderungen an argentinische Banken verkaufen könnten. Diese Institute wären gewillt gewesen, dem Land mehr Zeit für die Rückzahlung der Altschulden zu geben. Aber die Hedgefonds haben den Vorschlag nicht akzeptiert.

Wie es weitergeht, bleibt zunächst offen. Ein möglicher Ausweg: Buenos Aires könnte seine Schulden bei den Hedgefonds kurz vor Jahresende bezahlen, weil nach dem Jahreswechsel weitere Forderungen von Altgläubigern angeblich ausgeschlossen sind. Danach wären dann auch die jetzt blockierten Zinszahlungen frei. Für Argentinien, das in einer tiefen Rezession steckt, wäre das ein Befreiungsschlag.

(RP)