Trotz Girls' Day: Es gibt kaum Erfinderinnen in Deutschland

Trotz Girls’ Day : Es gibt kaum Erfinderinnen in Deutschland

Eine neue Studie zeigt, dass der Anteil der Patentanmeldungen durch Frauen verschwindend gering ist. Nimmt man die Anmeldungen ausländischer Frauen hinzu, schneiden Erfinderinnen ein wenig besser ab.

Nur 4,4 Prozent aller nationalen Patentanmeldungen stammen von Frauen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach ist der ohnehin geringe Anteil der Patentanmeldungen von Erfinderinnen in den Jahren bis 2016 sogar noch weiter gesunken. Zählt man die Patentanmeldungen von Frauen ausländischer Herkunft beim Deutschen Patent- und Markenamt hinzu, ergebe sich ein Anteil von immerhin 8,2 Prozent, so das IW. Es sei folglich allein der Migration zu verdanken, „dass die Erfinderschaft in Deutschland während des zurückliegenden Jahrzehnts ein wenig weiblicher wurde“, schreiben die Studienautoren.

Das Institut begründet den geringen Anteil weiblicher Erfinder vor allem mit der Studienfach- und Berufswahl von Frauen: Sie seien nach wie vor zu wenig auf naturwissenschaftliche Fächer ausgerichtet, „so dass der Großteil der Akademikerinnen der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung verloren geht“, so das IW. Trotz intensiver Bemühungen wie dem Girls’ Day sei es kaum gelungen, die Frauen stärker für technisch-naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern. Beim Girls’ and Boys´ Day am heutigen Donnerstag können Schülerinnen und Schüler ab Klasse fünf einen Praxistag in einem Unternehmen oder einer Einrichtung ihrer Wahl absolvieren. Sie erhalten dadurch einen ersten Einblick in die Berufswelt.

Der Studie zufolge wurden zwischen 2005 und 2016 insgesamt gut 450.000 Patente beim Patentamt in München angemeldet, bei denen mindestens ein Anmelder einen Wohnsitz in Deutschland hatte. In dem Zeitraum schwankten die Patentanmeldungen weiblicher Anmelder zwischen 3,8 und 4,7 Prozent. 2016 ergab sich ein Anteil von 4,4 Prozent. Seit 2014 ist er von 4,7 Prozent um 0,3 Punkte gesunken.

Weiterer Grund für den geringen Anteil von Frauen sei die Tatsache, dass sie häufiger als Männer im Team antreten, so das IW. Den weiblichen Teammitgliedern werde an einem Patent aber ein geringerer Beitrag zugerechnet, als wenn sie es allein angemeldet hätten.

Das Institut hat auch die Herkunft der Erfinderinnen in Deutschland untersucht. Auffällig sei der deutlich höhere Anteil der Patentanmeldungen von Frauen asiatischer Herkunft: Sie kämen auf einen relativen Anteil von immerhin 10,5 Prozent. Die meisten Erfinderinnen arbeiten zudem an Fraunhofer-Instituten, die wenigsten in privatwirtschaftlichen Unternehmen. Die mit Abstand meisten Erfinderinnen haben ihren Wohnsitz der Studie zufolge in Hamburg, die wenigsten in Brandenburg. Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz liegen im Ländervergleich auf mittleren Plätzen.

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