Ranking So schneidet der deutsche Mindestlohn im Europa-Vergleich ab

Düsseldorf · Der Mindestlohn in Deutschland liegt bei 12,41 Euro, Bundeskanzler Scholz fordert eine Erhöhung auf 15 Euro. Wir geben einen Vergleich, wie der deutsche Mindestlohn im Vergleich zu anderen Ländern abschneidet.

Münzen im Wert von 12,41 Euro – so hoch liegt der Mindestlohn in Deutschland seit Januar.

Münzen im Wert von 12,41 Euro – so hoch liegt der Mindestlohn in Deutschland seit Januar.

Foto: dpa/Marijan Murat

Derzeit liegt der allgemeine gesetzliche Mindestlohn in Deutschland bei 12,41 Euro pro Stunde. Erhöht wurde er zuletzt im Januar, davor waren es 12 Euro gewesen. Aktuell ist von der Mindestlohnkommission vorgesehen, den Beitrag im kommenden Jahr auf 12,82 Euro anzuheben. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich für einen deutlich höheren Mindestlohn ausgesprochen: „Ich bin klar dafür, den Mindestlohn erst auf 14 Euro, dann im nächsten Schritt auf 15 Euro anzuheben.“ Auch Grüne, Linke und die Gewerkschaft Verdi haben eine Erhöhung der Lohnuntergrenze gefordert.

Aber wie steht Deutschland mit der Höhe seines Mindestlohns im europäischen Vergleich da? Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat im Februar ein Ranking dazu veröffentlicht (Stand: 1. Januar 2024). Demnach steht Deutschland im Mindestlohn-Vergleich der EU-Mitgliedsländer nicht schlecht da und landet auf Platz vier.

  1. Luxemburg: 14,86 Euro
  2. Niederlande: 13,27 Euro
  3. Irland: 12,70 Euro
  4. Deutschland: 12,41 Euro
  5. Belgien: 12,09 Euro
  6. Frankreich: 11,65 Euro
  7. Slowenien: 7,25 Euro
  8. Spanien: 6,87 Euro
  9. Polen: 6,10 Euro
  10. Zypern: 6,06 Euro
  11. Litauen: 5,65 Euro
  12. Malta: 5,34 Euro
  13. Estland sowie Kroatien: 4,86 Euro
  14. Portugal: 4,85 Euro
  15. Tschechien: 4,69 Euro
  16. Griechenland: 4,51 Euro
  17. Slowakei: 4,31 Euro
  18. Lettland: 4,14 Euro
  19. Ungarn: 4,02 Euro
  20. Rumänien: 3,99 Euro
  21. Bulgarien: 2,85 Euro

Mindestlohn außerhalb der EU

Außerhalb der EU ist in Europa der WSI-Auswertung zufolge Großbritannien der Spitzenreiter mit 11,98 Euro Mindestlohn pro Stunde (National Living Wage für Arbeitnehmer ab 23 Jahren). In der Türkei liegt er bei 3,98 Euro, in Serbien bei 3,12 Euro und in Nordmazedonien bei 2,79 Euro. In diesen beiden Ländern wird der Mindestlohn jedoch als Nettolohn festgelegt, deshalb handelt es sich laut WSI um eine Schätzung. Danach folgen Albanien mit 2,11 Euro und Moldawien mit 1,51 Euro. In Russland liegt die Lohnuntergrenze bei 1,20 Euro pro Stunde, in der Ukraine sogar nur bei 1,08 Euro.

Mindestlohn außerhalb Europas

Das WSI hat auch die Mindestlöhne außerhalb Europas ausgewertet. In Australien liegt er bei 14,26 Euro, in Neuseeland bei 12,88 Euro, in Kanada bei 10,88 Euro. Danach folgen Korea (6,98 Euro), die USA (6,70 Euro), Japan (6,59 Euro), Argentinien (2,44 Euro) und Brasilien (1,19 Euro).

Einordnung des Mindestlohn-Vergleichs

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Foto: dpa/Arne Dedert

Im Vergleich zum Vorjahr ist Deutschland im Ranking nach unten gerutscht: 2023 war die Bundesrepublik mit einem Mindestlohn von 12 Euro noch auf Platz zwei, nur Luxemburg bot mit 13,80 Euro mehr. Eine Erhöhung des Mindestlohns gab es in allen EU-Staaten. Die Steigerungen „reichten trotz anhaltend hoher Inflationsraten in der Mehrzahl der Mitgliedsländer aus, um die Kaufkraft des Mindestlohns zu erhalten oder sogar auszubauen“, so das WSI.

Begünstigt wurde die Mindestlohndynamik demnach auch durch die im Herbst 2022 verabschiedete Europäische Mindestlohnrichtlinie. Viele Mitgliedsländer streben im Zuge der Umsetzung der EU-Richtlinie an, die dort verankerten Referenzwerte von 60 Prozent des Medianlohns beziehungsweise 50 Prozent des Durchschnittslohns zu erreichen. Anders verlief die Entwicklung in Deutschland: Hier plädierte die Mindestlohnkommission gegen die Stimmen der Gewerkschaften nur für eine geringe Anhebung des Mindestlohns, die hinter die Preisentwicklung zurückfällt.

Außerhalb der EU ist der Mindestlohn im Vergleich zum Vorjahr zum Teil sogar gesunken: In Russland lag er im Jahr 2023 noch bei 1,30 Euro pro Stunde, in der Ukraine bei 1,18 Euro, zudem in Korea bei 7,08 Euro, in Japan bei 6,96 Euro und in den USA bei 6,89 Euro.

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