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Klimawandel und Demografie bedrohen deutsche Großunternehmen - IW-Studie

IW-Studie zur Zukunft der Industrie : Klimawandel, Demografie und Protektionismus bedrohen deutsche Großunternehmen zu gleicher Zeit

Die Umsätze vor allem der großen deutschen Industrieunternehmen mit einem starken Exportanteil werden in den kommenden Jahren durch bis zu vier gleichzeitig ablaufende globale Veränderungsprozesse gefährdet. Dekarbonisierung, Digitalisierung, Demografie und zunehmender Protektionismus durch China können laut einer Studie zur Bedrohung für den Wohlstand in Deutschland werden.

Diese bis zu vier so genannten Disruptoren machen am meisten Branchen wie den Maschinenbau, Elektroindustrie und Fahrzeugbau, die Metallerzeugung und - bearbeitung sowie die Chemieindustrie das Leben schwer. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Die vier so genannten Disruptoren können nach der Untersuchung dann zu einer Gefahr für den Industriestandort Deutschland und damit auch den Wohlstand werden, wenn es den Unternehmen nicht gelingt, die zu gleicher Zeit auftretenden enormen Veränderungsprozesse so zu bewältigen, dass dabei Marktanteile erhalten blieben, heißt es in der Studie. Alle deutschen Unternehmen stünden jetzt vor der Herausforderung, klimaneutrale Produktionsprozesse aufzubauen, alle Abläufe ständig zu digitalisieren, den Mitarbeiterschwund durch den demografischen Wandel aufzufangen und dem Vormarsch chinesischer Konkurrenten zu trotzen.

Große Unternehmen mit höheren Exportanteilen seien davon signifikant häufiger betroffen.Der Studie zufolge entfallen 70,2 Prozent aller Umsätze von Großunternehmen auf solche Betriebe, die gleichzeitig drei oder mehr Veränderungsprozesse durchlaufen müssen. Bei allen Unternehmen sind es nur 58,7 Prozent, bei den kleinen 30,7 Prozent, so die Studie. Keine Relevanz haben die Disruptoren nur für Unternehmen, die 3,9 Prozent aller Umsätze auf sich vereinigen. Bei den kleinen Unternehmen sind es 11,3 Prozent.

„Dass gerade die erfolgreichen Unternehmen der Vergangenheit besonders mit disruptiven Entwicklungen konfrontiert sind, ist zugleich eine Bedrohung für die Wohlstandsentwicklung in Deutschland“, warnen die IW-Ökonomen. „Die Automobilindustrie mit ihrer zentralen Bedeutung und der mehrfachen Herausforderung (klimaneutraler Verkehr, Digitalisierung und Zukunft des chinesischen Marktes) macht die Dimension der Aufgabe für den Wohlstand inDeutschland deutlich.“

Das Institut befragte die Unternehmen im Rahmen seines Zukunftspanels auch nach ihren Wünschen an die Politik. „Besonders häufig wurden dabei die Stärkung der digitalen Infrastruktur durch einen Netzausbau und eine Gewährleistung von stabilem und schnellem Internet genannt, gefolgt von mehr Investitionen in Bildung zur digitalen Ausstattung und Modernisierung an Schulen und Hochschulen sowie einer Förderung von MINT- und insbesondere digitaler Kompetenzen“, heißt es in der Studie.