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Corona-Arbeitschutzverordnung: Rückkehr aus dem Homeoffice - alle Infos

Rückkehr aus dem Homeoffice : Neue Regeln seit 1. Juli – was Arbeitnehmer wissen sollten

Die Pandemie hat Millionen Arbeitnehmer ins Homeoffice gebracht. Seit dem 1. Juli ist die Verpflichtung für Unternehmen entfallen, Mitarbeiter wenn möglich zu Hause arbeiten zu lassen. Welche Regeln für die Rückkehr an den Arbeitsplatz gelten.

Der Inzidenzwert ist niedrig – derzeit liegt er bundesweit bei 5,0 (Stand 5. Juli 2021). Nach Lockerungen im öffentlichen Leben sehen viele Arbeitgeber die Zeit gekommen, auch ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurückzuholen, in dem viele nun schon seit Monaten arbeiten. Doch die Pandemie ist noch nicht überwunden: Das Coronavirus grassiert weiter und die als besonders infektiös eingeschätzte Delta-Variante breitet sich aus – wenngleich noch auf niedrigem Niveau. Wie gestaltet man also die Rückkehr an den Büroarbeitsplatz möglichst sicher? Welche Rechte gelten für Risikogruppen? Und was sollten Arbeitnehmer wissen?

Homeoffice-Pflicht endet: So gut kam es bei den Arbeitnehmern an

Am 1. Juli ist eine neue Corona-Arbeitsschutzverordnung in Kraft getreten, die trotz einiger Lockerungen weiter auf regelmäßige Testangebote und Kontaktbeschränkungen am Arbeitsplatz setzt. Damit soll eine vierte Welle vermieden werden.

Welche Corona-Regeln gelten seit Juli 2021 am Arbeitsplatz?

Arbeitgeber müssen weiter zwei Mal pro Woche allen in Präsenz tätigen Mitarbeitern einen Schnell- oder Selbsttest anbieten. Ausnahmen gibt es für Genesene und vollständig Geimpfte. Allerdings sind Testangebote laut Absatz 2 der Verordnung „nicht erforderlich”, wenn „der Arbeitgeber durch andere geeignete Schutzmaßnahmen einen gleichwertigen Schutz der Beschäftigten sicherstellt“. Was das genau bedeutet, ist nicht weiter ausgeführt.

Daneben müssen die Betriebe Hygienepläne vorhalten, die die Sars-CoV-2-Arbeitsschutzregeln berücksichtigen. Demnach sind die Arbeitgeber angehalten, Kontakte zu reduzieren und dafür zu sorgen, dass die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen auf ein Minimum reduziert bleibt. Die Regel, wonach jede Person mindestens 10 Quadratmeter Platz braucht, entfällt allerdings.

Arbeitgeber müssen da, wo Mindestabstände nicht eingehalten werden können, medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen.

Muss man sich beim Arbeitgeber auf Corona testen lassen?

Nein. Die Corona-Schnelltests sind für die Beschäftigten freiwillig. Der Arbeitgeber hingegen ist verpflichtet, solche Tests zwei Mal in der Woche anzubieten.

Muss man seinem Chef sagen, ob man geimpft ist?

Nein. Die Beschäftigten sind laut Bundesgesundheitsministerium nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber Auskunft über ihren Impf- oder Genesungszustand zu geben. Denn Angaben zum Impfstatus sind besonders schützenswerte Gesundheitsdaten. Fragt der Arbeitgeber danach, muss man nicht die Wahrheit sagen.

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Eine Auskunftspflicht könnte laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) allerdings dann bestehen, wenn die Impfung zwingende Voraussetzung für die Ausübung einer bestimmten Tätigkeit ist. Derzeit muss man Impfungen zum Beispiel angeben,  wenn man sie für eine Auslandsdienstreise braucht. Ob diese Regelung jedoch auf die Corona-Schutzimpfung übertragen werde, sei derzeit schwer einzuschätzen, heißt es beim DGB.

Anders sieht es bei einigen medizinischen Berufen aus. Hier darf der Arbeitgeber den Impfschutz anfragen und verarbeiten. Dazu zählen zum Beispiel Krankenhausmitarbeiter, Beschäftigte in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen.

Darf mein Chef verlangen, dass ich sofort aus dem Homeoffice an den Arbeitsplatz zurückkehre?

Grundsätzlich sieht die am 30. Juni auslaufende gesetzliche Regelung keine Übergangs- oder Vorlaufzeiten vor. Laut DGB endet damit die gesetzliche Verpflichtung der Arbeitgeber, Homeoffice-Möglichkeiten anzubieten. Allerdings lohne sich ein Blick in individuelle oder betriebliche Vereinbarungen, die die Rahmenbedingungen für die Arbeit im Homeoffice regeln, empfiehlt der DGB. In vielen Betrieben sind darin im Fall der Rückkehr Übergangsfristen vereinbart.

Was gilt für Risikogruppen?

Arbeitsfähige Beschäftigte sind grundsätzlich verpflichtet, zur Arbeit zu erscheinen. Allerdings haben Arbeitgeber eine besondere Fürsorgepflicht, wenn es um schutzbedürftige Mitarbeiter geht: Sie müssen besondere Vorkehrungen treffen. Was das konkret für Betriebe bedeutet, könne man aber nicht allgemeingültig beantworten, heißt es beim DGB. Das Problem: Einzelne Mitarbeiter sind aufgrund von Übertragungswegen unterschiedlich stark gefährdet. Zudem wissen Arbeitgeber in der Regel nicht, unter welchen Vorerkrankungen ihre Beschäftigten leiden. Allerdings können sich Betroffene aus Risikogruppen an Betriebs- und Personalräte wenden oder die Schwerbehindertenvertretung sowie den Betriebsarzt mit ins Boot holen, um ihre Frage individuell zu klären. Der Arbeitgeber sei dann verpflichtet, die Gefährdungsbeurteilung für den Arbeitsplatz zu überprüfen und eventuell anzupassen, sagt Markus Hey, Arbeitssicherheitsexperte beim Gesundheitsdienstleister ias-Gruppe.

Kann die Firma verlangen, dass ich meinen Arbeitsplatz mit Kollegen teile? 

Beim sogenannten Desk Sharing gibt es keine festen Arbeitsplätze - jeder sucht sich morgens bei Dienstantritt einen freien Schreibtisch. Für manche Unternehmen klingt das gerade reizvoll, schließlich muss man weniger Arbeitsplätze vorhalten als es Mitarbeiter gibt; einige bleiben ja womöglich noch tageweise im Homeoffice. Aber darf die Firma das überhaupt? 

Ist im Arbeitsvertrag ein konkreter Arbeitsplatz vereinbart, gilt das auch in Zeiten der Pandemie. Allerdings muss dort laut Infektionsschutzgesetz ein entsprechendes Hygienekonzept bestehen. Betriebe seien angehalten, persönliche Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen, wo dies möglich sei, sagt Hey. „Viele Unternehmen arbeiten beispielsweise mit Folienabdeckungen auf der Tastatur und stellen Desinfektionsmittel zur Säuberung des Arbeitsmaterials zur Verfügung.“ Wird nun nach der Rückkehr aus dem Homeoffice die Zahl der Arbeitsplätze gekürzt und Desk-Sharing verlangt, wo es vorher keins gab, ist laut DGB der Betriebsrat mitbestimmungspflichtig.

Darf man einen Arbeitsplatz ablehnen, wenn dort kein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden kann?

„Arbeitnehmer können die Arbeitsleistung verweigern, wenn von dem Arbeitsplatz eine Gefahr für Leben und Gesundheit ausgeht“, sagt der DGB. Denn am Arbeitsplatz muss immer ein gesundes und sicheres Arbeiten möglich sein. Allerdings geht es bei der Definition eines sicheren Arbeitsplatzes nicht um das subjektive Gefährdungsempfinden. Die bloße Angst vor Ansteckung reiche nicht aus. Auch raten die DGB-Experten davon ab, ohne vorherige rechtliche Beratung die Arbeit zu verweigern. Denn das kann rechtliche Konsequenzen haben.

Was können Arbeitgeber tun, um die Rückkehr zu erleichtern?

Konzepte, die einen flexiblen Einstieg vorsehen, bei dem Mitarbeiter vorübergehend selbst aussuchen können, von wo aus sie arbeiten möchten, erleichtern die Rückkehr an den Arbeitsplatz im Unternehmen, sagt Oliver Meltz, Arbeitspsychologe bei der ias-Gruppe.

Zum Schutz aller Mitarbeiter sei es wichtig, Verbindlichkeit in der Einhaltung von Schutzmaßnahmen zu schaffen und so auch Mitarbeitern mit sehr hohem Sicherheitsbedürfnis den Einstieg zu erleichtern.

Nach Monaten im Homeoffice sei manchmal die Verlockung groß, die Mitarbeiter bei der Rückkehr in den Betrieb mit Aktionismus zu begrüßen und die Aufarbeitung liegengebliebener Dinge nahezulegen. „Das sorgt für eine schlechte Verknüpfung im Kopf“, sagt Meltz. Besser sei ein Start mit einem besonderen Willkommen, einem gemeinsamen Essen unter entsprechenden Schutzmaßnahmen oder mit anderen Aktionen, die Verbindung schaffen.