Arbeitsmarkt im Mai: Volkswirte rechnen mit weniger Jobsuchenden

Stellenboom schwächelt : Volkswirte rechnen mit 2,16 Millionen Arbeitslosen

Am Konjunkturhimmel zeigen sich zwar erste dunkle Wolken. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt herrscht nach Expertenansicht im Mai jedoch weiterhin eitel Sonnenschein. Die Zahl der Jobsuchenden sank demnach auf 2,1 Millionen.

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich nach Einschätzung von Experten im Mai weiterhin robust, trotz leichter konjunktureller Eintrübung. Dank des Frühjahrsaufschwungs sei die Zahl der Jobsucher in dem Monat um rund 65.000 auf voraussichtlich 2,164 Millionen gesunken, prognostizieren Volkswirte deutsche Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse Agentur. Das wären rund 150.000 weniger als vor einem Jahr. Sie berufen sich dabei auf eigene Berechnungen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Mittwoch bekanntgeben.

Allerdings sind Prognosen für die Mai-Arbeitslosenzahlen wegen derzeit laufender Korrekturen der Hartz-IV-Statistik mit Unsicherheiten behaftet. Dadurch könnten die Zahlen höher als erwartet ausfallen. Die Bundesagentur hatte mit der Überprüfung auf eine Kritik des Bundesrechnungshofs reagiert. Der hatte bemängelt, dass Jobcenter manche Hartz-IV-Bezieher als „arbeitssuchend“ eingestuft hätten, obwohl sie eigentlich „arbeitslos“ seien.

Vorerst gestoppt scheint jedenfalls der jahrelange Stellenboom in Deutschland. Zum zweiten Mal in Folge hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften abgeschwächt, berichtete die Bundesagentur. Sie beruft sich dabei auf ihren Stellenindex BA-X für Mai. Allerdings bewege sich die Zahl offener Stellen weiterhin auf hohem Niveau.

Freie Stellen in der Baubranche

Der entsprechende Wert, den BA-Experten allmonatlich auf Basis der gemeldeten offenen Jobs berechnen, sank im Mai von 251 auf 248 Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Wert um 6 Punkte zurück. Zum Höhepunkt des Stellenbooms im September 2018 hatte der der BA-X noch bei 256 Punkten gelegen. Als Grund für die Abschwächung sehen Arbeitsmarktforscher die schwächere Konjunktur.

Als vergleichsweise immun gegenüber der Konjunkturschwäche zeigt sich das Gesundheits- und Sozialwesen. Auch in der Baubranche gebe es nach wie vor viele freie Stellen. Rückläufig seien dagegen die Stellenmeldungen im Verarbeitenden Gewerbe und in der Verkehr- und Logistikbranche. Auch Zeitarbeitsunternehmen hätten nicht mehr so viele offene Stellen wie noch vor ein paar Monaten. Trotzdem bleibe die Industrie zusammen mit dem Gesundheits- und Sozialwesen bei der Arbeitskräftenachfrage eine wichtige Säule. Das gleiche gelte für den Handel.

(juju/dpa)
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