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Düsseldorf: Arag: Höhere Anwaltsgebühren kosten 20 Millionen Euro

Düsseldorf : Arag: Höhere Anwaltsgebühren kosten 20 Millionen Euro

Das Versicherungsunternehmen hat 2012 einen Rekordgewinn erzielt. Der deutsche Rechtsschutz verliert weiter an Bedeutung.

Die geplante Erhöhung von Anwalts- und Gerichtsgebühren in Deutschland wird beim Rechtsschutzversicherer Arag Mehrbelastungen von etwa 20 Millionen Euro auslösen. Das schätzt der Vorstandsvorsitzende Paul-Otto Faßbender. "Mit Blick auf die angestrebte Neuregelung bei den Anwalts- und Gerichtskosten in Deutschland müssen wir unsere Schadenreserven entsprechend anpassen", sagte Faßbender bei der Bilanzvorlage.

Zudem rechnet der Spitzenmanager, dessen Familie zugleich Eigentümer des Versicherungskonzerns ist, mit steigenden Schadenaufwendungen im Rechtsschutzgeschäft in Italien und Spanien. Hintergrund sind in beiden Ländern die steigenden Arbeitslosenzahlen, durch die auch der Bedarf an Arbeits-Rechtsschutz gestiegen ist. Steigende Beiträge in der Sparte sind andererseits nach Angaben von Arag-Finanzvorstand Werner Nicoll vorerst noch nicht zu erwarten.

Konzernchef Faßbender glaubt unter anderem wegen der Gebührenänderungen in Deutschland nicht an eine Wiederholung des Rekordgewinns von 2012. Im vergangenen Jahr hat die Arag sowohl im reinen Versicherungsgeschäft (etwa 64 Millionen Euro) als auch beim Ergebnis der normalen Geschäfstätigkeit (92 Millionen Euro) Bestmarken erzielt. 2012 sei nach dem Umbau der Arag zu einer europäischen Gesellschaft (SE) eines mit einer "deutlichen und positiven Zäsur" gewesen, so Faßbender.

Unübersehbar ist andererseits, dass die Arag, die einst vor allem als Rechtsschutzversicherer in Deutschland bekannt war, immer internationaler wird. Fast ein Drittel der Beitragseinnahmen von insgesamt 1,5 Milliarden Euro kommt mittlerweile aus dem Ausland. Nicht einmal die Hälfte ihres Geschäfts macht die Arag noch mit Rechtsschutz, und davon kommen fast 60 Prozent jenseits der deutschenn Grenzen zustande. Allein der Zukauf der Help Forsikring (Norwegen) soll 2013 r Mehreinnahmen von etwa 25 Millionen Euro bringen.

Der deutsche Rechtsschutz stagniert dagegen praktisch. Mit 8,3 Prozent Marktanteil ist die Arag national nur noch die Nummer vier hinter der Ergo-Tochter DAS, der Allianz und Roland Rechtsschutz. Potenzial gebe es in Deutschland nur noch durch die Umverteilung der Beiträge, räumt Faßbender ein. Das heißt: Wer wachsen will, muss der Konkurrenz was wegnehmen. Realistische Wachstumschancen sieht der Vorstandsvorsitzende "nur noch außerhalb Deutschlands". Immerhin sind die Beitragseinnahmen 2012 erstmals seit Jahren wieder stabil geblieben und in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres sogar wieder leicht gestiegen.

(RP)