Apple und Google: So entstehen falsche Online-Bewertungen

Fakes am Fließband : So entstehen falsche Online-Bewertungen

Mit guten Bewertungen können App-Entwickler die Download-Zahlen steigern. Kein Wunder, dass viele gefälscht werden. Ein Foto zeigt angeblich das Ausmaß des Betrugs in chinesischen Fake-Fabriken.

In der Fabrik scheint es kalt zu sein. Zumindest hat sich die junge Frau in eine dicke gelbe Jacke gehüllt. Vor ihr sind weit mehr als 50 Smartphones aufgebaut, die sie reihum bedient. "Willkommen in der Realität", schreibt der App-Entwickler Simon Pang beim Kurznachrichtendienst Twitter über das Bild: "So funktionieren App-Store-Bewertungen".

Hope Android automated RT @mattaussaguel: "@simonpang: This is how App Store ratings work. Welcome to the reality. pic.twitter.com/Xpmo9KCDqG

Das Bild habe ihm ein Freund geschickt, es soll eine Fake-Fabrik in China zeigen. Beweisen lässt sich das nicht. Und doch dürfte das Szenario nicht unrealistisch sein - denn das Fälschen von Internet-Bewertungen ist längst zu einem lukrativen Geschäft geworden. Bei Amazon, iTunes und Co. gehört das Nutzerurteil längst zum Standard-Repertoire. Kunden bilden sich mit der vermeintlichen Einschätzung anderer Kunden ein Urteil - und fällen anschließend häufig sogar eine Kaufentscheidung.

Je besser die Bewertung, umso besser die Verkaufsmöglichkeiten. Besonders in den App-Stores sind gute Referenzen nützlich, um nicht in der Flut von Angeboten unterzugehen. Unklar ist, wie hoch der Anteil an gefälschten Bewertungen tatsächlich ist - denn diese sind häufig nicht leicht zu erkennen. Laut dem Analytics-Dienstleister Apptentive soll etwa ein Drittel aller Bewertungen im Netz unecht sein. Im App-Store von Apple ist der Anteil angeblich noch etwas höher als im Google Playstore.

Anbieter lassen sich schon mit wenigen Klicks über Suchmaschinen wie Google finden. Zum Beispiel "Bestreviewapp". Das Unternehmen wirbt damit, in drei Schritten zur gefälschten Bewertung und damit zu besseren Verkaufszahlen zu kommen. Der Anbieter verspricht - genau wie viele andere - Bewertungen von echten Nutzern.

Auch Reiseportale wie Holiday Check oder Tripadvisor leben von den Bewertungen der Nutzer - und bemühen sich dementsprechend, gefälschte Angebote zu enttarnen. Immerhin orientiert sich mittlerweile jeder Zweite an entsprechenden Bewertungen im Internet. Das ergab eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Doch Fake-Bewertungen zu erkennen ist oftmals gar nicht so leicht, dafür sorgt schon die Anonymität im Netz.

Manche Firmen nutzen sogar professionelle Agenturen, um ihre Seiten in sozialen Netzwerken wie Facebook aufzuwerten. 59 Euro kosten "100 hochwertige deutsche Kommentare" beispielsweise beim Anbieter "Social Media Daily". Die Berliner Agentur wirbt damit, echt Nutzer aus Deutschland zu vermitteln. Die Kommentare würden außerdem sehr authentisch wirken. Etwas günstiger seien hingegen internationale Kommentare.

(frin)