1. Wirtschaft

Berlin: AOK: Zu viele Chirurgen und Urologen

Berlin : AOK: Zu viele Chirurgen und Urologen

Laut Ärzteatlas 2015 ist Deutschland mit Fachärzten überversorgt.

Patienten, die lange auf Termine warten müssen, können es kaum glauben: Aber insgesamt gibt es zu viele Ärzte in Deutschland. Das ist das Fazit des "Ärzteatlas 2015", den das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) vorgelegt hat. Gemessen an der Bedarfsplanung gibt es laut der Studie 34 000 niedergelassene Ärzte zu viel. Das sind 30 Prozent der eigentlich nur benötigten 107 000 Ärzte.

Je nach Region und Fachgebiet fällt die Überversorgung unterschiedlich aus. Bei Chirurgen etwa beträgt der Versorgungsgrad bundesweit 171,5 Prozent. Das heißt: Es gibt 71,5 Prozent mehr Chirurgen als laut aktueller Bedarfsplanung notwendig wären. Besonders groß ist die Lücke zwischen Ist und Soll auch bei Orthopäden (138 Prozent), Neurologen (136 Prozent) und Urologen (136 Prozent). Nur bei Kinder- und Jugendpsychiatern gibt es ein Nebeneinander von Über- und Unterversorgung. Während es in Nordrhein mit 146 Prozent eine Überversorgung gibt, gibt es in Hessen mit einem Versorgungsgrad von 79 Prozent zu wenig Jugendpsychiater.

Von Überversorgung sprechen Experten, wenn der Versorgungsgrad bei 110 Prozent und mehr des Bedarfs liegt. Das ist selbst bei Hausärzten der Fall. Der Versorgungsgrad liegt bundesweit bei 110,4 Prozent. Das heißt: Gemessen am Bedarf sind gut zehn Prozent der Hausärzte überflüssig. Vor allem in Berlin (120 Prozent) und Hamburg (118 Prozent) gibt es zu viele Hausärzte. In Nordrhein gibt es zehn Prozent Hausärzte mehr als nötig. Eine leichte Unterversorgung gibt es nur in Sachsen-Anhalt.

Überversorgung wird zum Problem, wenn Ärzte den Patienten verstärkt individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) verkaufen, um ihre Praxen auszulasten. Die Kassen halten viele dieser Leistungen für medizinisch überflüssig. Laut Wido müsste man nur 1057 Ärzte aus überbesetzten Regionen in unterbesetzte Regionen (wie ostdeutsche ländliche Regionen) locken, um den Mangel zu beheben.

Künftig nehmen die Probleme zu, wie das Wido einräumt. So gibt es viele ältere Ärzte, die Praxisnachfolger suchen. Bundesweit sind 32 Prozent der Hausärzte 60 Jahre oder älter. Zwar müsse in überversorgten Regionen nicht jeder frei werdende Arztsitz wieder besetzt werden. Kritisch werde es aber dort, wo Faktoren wie Unterversorgung, ungünstige Altersstruktur und unattraktives Gebiet zusammen kommen.

(RP)