Frankfurt: Anlegen mit gutem Gewissen

Frankfurt: Anlegen mit gutem Gewissen

Es gibt viele Möglichkeiten, Geld ethisch halbwegs unbedenklich zu investieren. Die Nachfrage nach Angeboten steigt.

Rendite schaffen ohne Waffen - könnte das Credo lauten für denjenigen, der sein Geld ethisch "sauber" anlegen will. Da wäre dann beispielsweise ein Investment in der Rüstungsbranche tabu. Umgekehrt gilt: Wer Geld guten Gewissens investieren will, trifft auf eine Vielzahl von Angeboten. Es gibt Banken, die sagen von sich, sie steckten Geld ausschließlich in ethische nachhaltige Anlagen - das der Kunden und das eigene.

Aber was ist eine "ethische Geldanlage"? Der Begriff ist schwer zu fassen. Das kann ein Sparbrief sein, in dem sich ein Geldhaus verpflichtet, das mit dem Sparbrief eingesammelte Geld als Darlehen in Projekte zu stecken, die erneuerbare Energien fördern. Oder man kann selbst in konkrete Projekte investieren, zum Beispiel in den Ausbau eines Windparks. Außerdem gibt es "ethische" Fonds, beispielsweise Klimafonds. Sie unterstützen ärmere Staaten, sie fördern Unternehmen und Projekte, die sich in besonderer Weise um das Klima kümmern. Mikrofinanzfonds ermöglichen es beispielsweise der indischen Straßenverkäuferin, an einen kleinen Kredit zu kommen, um so ihr Geschäft aufzumöbeln.

Und wer kontrolliert die Investments? Bei der Umweltbank beispielsweise überwacht und steuert ein Umweltbeirat das Erreichen des Ziels. Das heißt: Investieren nur, wenn Projekte sozial und ökologisch nachhaltig sind. Kredite vergibt das Institut dann an die Solarbranche, an Bauunternehmen, die die Voraussetzungen erfüllen, Anbieter von Wind- und Wasserkraft, von Biomasse und Biogas und an die ökologische Landwirtschaft.

Wie bei allen anderen Geldanlagen lautet aber auch die Frage des Investors. .Welches Investment passt zu mir? Gegebenenfalls könnten Renditechancen und Risiken anders ausfallen; oder die anfallenden Kosten ändern sich. "Diese Fragen sollte man bei seinen ersten Überlegungen zur ethischen Geldanlage nicht vergessen", sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Allerdings heißt das nicht, dass ethisches Investieren mit weniger Rendite verbunden ist. Es hängt halt am Einzelfall.

Bei chronisch niedrigen Zinsen für Sparverträge, Tages- oder Festgeld ist die Verzinsung derzeit aber überall niedrig. Diese Anlagen werfen bei allen Banken kaum oder gar keine Zinsen mehr ab. Deswegen sollte, wer an Rendite interessiert ist, über entsprechende Fonds nachdenken. Das tun immer mehr. Auch wenn der Anteil ethischer Investmentfonds am Gesamtvolumen der weltweiten Fondsgelder noch minimal erscheint (er liegt bei knapp drei Prozent): Die Nachfrage nach solchen Anlageprodukten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Vor allem jüngere Anleger legen häufiger ethische Maßstäbe an. Das hat dazu geführt, dass auch die "klassischen" Banken Fonds in dieser Richtung aufgelegt und im Programm haben; ethisches Investieren ist also nicht mehr nur eine Sache spezialisierter Banken.

Es gibt aber einen grundlegenden Unterschied: Während man bei der Deutschen Bank, der Postbank, der Commerzbank oder der Direktbank ING Diba sein Geld unter anderem in ethisch-orientierte Fonds stecken kann, gilt das bei "Ethikbanken" generell. Das heißt also: Sie achten darauf, keine Geschäftsbeziehungen zu fragwürdigen Regimes zu pflegen; für alle von ihnen ist das Investieren von Geldern etwa in die Rüstungsindustrie ein Tabu - unabhängig, ob es sich um Unternehmen handelt, die "gewöhnliche" Waffen produzieren oder geächtete wie Landminen. Nahrungsmittelspekulationen schließen sie aus ebenso wie Investition in Unternehmen, die ökologische oder soziale Mindeststandards nicht einhalten.

Wer sich für einen ethischen Fonds entscheidet, sollte nicht nur aufs Etikett schauen: "Nicht überall, wo grün drauf steht, ist auch grün drin", meint Sylvia Beckerle von der Verbraucherzentrale Rheinland- Pfalz. Denn man kann ja auch argumentieren, dass Atomkraftwerke in einen "grünen" Fonds passen, weil sie quasi klimaneutral Energie liefern. Diese Argumentation werden aber viele Menschen nicht teilen, die ihr Geld ökologisch sinnvoll anlegen wollen. Wer die Atomkraft als umweltschädlich begreift, und das tun ja sehr viele Menschen, der muss auch bei Fonds genau auf die Zusammensetzung achten - und im Zweifel bei der Bank nachfragen.

Zur Orientierung gibt es übrigens verschiedene Siegel, aber auch hier muss man genau prüfen. SRI beispielsweise steht für Social Responsible Investment - also eine gesellschaftlich verantwortliche Geldanlage. Nur tummeln sich auch hier ganz unterschiedliche Ansätze unter dem Label: Es gibt Fonds, die sich mit einfachen Verboten begnügen - beispielsweise keine Rüstung, kein Tabak. Andere SRI-Fonds handeln nach strengen ethischen Kriterien, verfolgen die Einhaltung von Menschenrechten, das Verbot von Kinderarbeit, schließen Rüstung, fossile Energien oder auch Gentechnik aus. "Man muss sich diese Siegel genau ansehen - und auch das, was sich im konkreten Fall dahinter verbirgt", sagt NRW-Verbraucherschützer Scherfling.

(RP)