München: Andrea Titz, das Gesicht der Münchner Justiz

München: Andrea Titz, das Gesicht der Münchner Justiz

Seit dem Hoeneß-Prozess ist die Münchner Gerichtssprecherin ein Medien-Gesicht, nun glänzt sie neben Ecclestone.

Für ihre Verhältnisse trat Andrea Titz im schlichten engen schwarzen Kleid gestern nahezu unscheinbar vor die Kameras. Spätestens seit dem Hoeneß-Prozess ist die 44-Jährige die bekannteste Gerichtssprecherin Deutschlands. "Oh, là, là, eine Richterin in Rot", schrieb "Bild" damals über die Garderobe, "Focus-Online" befand, Titz mache aus Presse-Konferenzen "ihre ganz eigene Show". Während Titz beim Hoeneß-Prozess ausgiebig zeigte, was ihr Kleiderschrank so hergibt, nahm sie sich gestern auffällig zurück. Kein enger Rock mit Leoparden-Muster, kein Schlangenhaut-Muster mit atemberaubend hohen Highheels, nur eine rote Halskette als schlichter Schmuck - aber trotzdem ein gutes Gefühl für den passenden Auftritt: Sie trat zeitweise mit dem Angeklagten Bernie Ecclestone gemeinsam vor die Kamera, äußerst ungewöhnlich für ein deutsches Strafverfahren.

Andrea Titz, groß gewachsen, extrem schlank, verwuschelte schwarze Haare, gesegnet mit einer tiefen, bayerisch gefärbten Stimme, weiß, wie man Eindruck macht. Seit August 2013 ist sie Leiterin der Pressestelle des Oberlandesgerichts München im Bereich Strafsachen und dafür zu 75 Prozent von allen anderen Aufgaben freigestellt. Bis zu ihrer Berufung an das Oberlandesgericht verlief Titz' Karriere wenig spektakulär: 2002 Richterin am Amtsgericht Altötting, danach Landgericht Traunstein, 2008 Wechsel zur Staatsanwaltschaft, 2009 Oberstaatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft München II - und da Pressesprecherin. Seit 2010 ist sie eine von zwei stellvertretenden Vorsitzenden im Präsidium des Deutschen Richterbundes.

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Ihre große Stunde schlug, als das Oberlandesgericht im vergangenen Jahr beim völlig verfahrenen Auftakt des NSU-Prozesses wochenlang in der öffentlichen Kritik stand. Als der Krach um die Vergabe von Journalisten-Plätzen im Saal eskalierte, redete die damalige Sprecherin Margarete Nötzel erst sich um Kopf und Kragen, und dann das Oberlandesgericht immer tiefer in die Kritik. Andrea Titz wurde daraufhin von der Staatsanwaltschaft als mediale Feuerwehr ausgeliehen. Als sie ihren ersten Auftritt mit Huber vor den Medien hatte, herrschte plötzlich Ruhe. Titz trat in einem engen schwarzen Kleid mit großformatigem Paisley-Muster auf; dazu trug sie passenden Schmuck. Und dann erklärte sie mit ihrer ruhigen, tiefen Stimme, wie das gelaufen sei mit den Presseplätzen, und wie das künftig laufen werde - und das alles, ohne zu überdrehen. Bei den Medien kommt Andrea Titz keineswegs nur wegen ihres Erscheinungsbilds gut an, sondern aufgrund ihrer ruhigen Art, juristisches Wissen verständlich zu vermitteln.

(RP)
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