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Düsseldorf: Analysten sehen Euro schon bei 1,15 Dollar

Düsseldorf : Analysten sehen Euro schon bei 1,15 Dollar

Die Gemeinschaftswährung ist auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren gefallen. Geht es noch weiter abwärts?

Wer in den kommenden Monaten in die USA reisen will, sollte schon jetzt darüber nachdenken, Geld zu wechseln - es könnte sich lohnen. Seit Monaten befindet sich der Kurs des Euro im Sinkflug, gestern fiel er auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Zum Handelsschluss bekam man für einen Euro noch etwa 1,20 US-Dollar. Vor einem Jahr waren es rund 15 Cent mehr. Zeitweise kratzte der Euro sogar an der Markte von 1,40 Dollar.

Besserung ist nicht in Sicht. "Wir werden im Laufe des Jahres wahrscheinlich noch bei einem Kurs von etwa 1,15 Dollar pro Euro landen", sagt Ulrich Leuchtenberg, Analyst bei der Commerzbank. Für den Euro-Dollar-Kurs käme es momentan von beiden Seiten knüppeldick. Was Leuchtenberg meint: Um die Konjunktur in der Euro-Zone anzukurbeln, setzt die Europäische Zentralbank (EZB) auf eine lockere Geldpolitik. Daran soll sich auch so schnell nichts ändern. Analysten rechnen damit, dass die Notenbank möglicherweise schon Ende Januar neue Konjunkturhilfen beschließt. Gleichzeitig bereitet die US-Notenbank Fed eine langsame Abkehr von der lockeren Geldpolitik der vergangenen Jahre vor. Angesichts der anziehenden Konjunktur könnte Fed-Chefin Janet Yellen schon bald die Leitzinsen in den USA erhöhen.

Die Fed hatte die Zinsen seit Beginn der Krise auf praktisch Null gesenkt. In der Euro-Zone liegt der Leitzins aktuell bei 0,05 Prozent. Mit dem Leitzins wird der Wert angegeben, zu dem sich die Banken bei der Zentralbank Geld leihen können. Je niedriger der Leitzins, umso attraktiver ist es theoretisch für die Banken, viel Geld in Umlauf zu bringen, wodurch auch die Inflation angetrieben wird.

Doch je mehr die Notenbank die Märkte mit Geld flutet, umso größer wird die Gefahr, dass sich abseits ihres Wirkungsbereichs Blasen bilden - denn auf die Entwicklung von Aktienmärkten und Immobilienpreisen hat die EZB keinen Einfluss.

"Momentan sehen wir diese Gefahr noch nicht", sagt Commerzbank-Analyst Leuchtenberg. Auch die möglichen Auswirkungen einer neuerlichen Krise in Griechenland schätzt er noch nicht als Gefahr ein: "Die aktuellen Entwicklungen haben eine andere Qualität als 2010. Wer heute noch griechische Staatsanleihen hält, weiß, was er tut." Dabei geht es in dem Land kurz vor den durch die gescheiterte Präsidentenwahl nötig gewordenen Neuwahlen turbulent zu. Gestern hatte Giorgos Papandreou (62) mit der "Bewegung" eine neue Partei gegründet und damit die sozialistische Traditionspartei Pasok gespalten. Diese war zuletzt als Juniorpartner der Konservativen an der Regierung beteiligt gewesen. Ob der Schritt des Ex-Regierungschefs reicht, um der in Umfragen favorisierten Linkspartei Syriza um Euro-Kritiker Alexis Tsipras Stimmen abzujagen, wird sich am 25. Januar zeigen. Dann wird in Griechenland gewählt.

(RP)