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An Gerichten stauen sich 45.000 Reiseverfahren

Wegen Corona-Stornierungen : An Gerichten stauen sich 45.000 Reiseverfahren

Infolge der Corona-Pandemie stornierten viele Reiseveranstalter und Fluglinien ihre Angebote, Kunden blieben teils auf den Kosten sitzen. Bis heute zieht das viele Klagen nach sich. An den für die Flughäfen zuständigen Amtsgerichten haben sich zehntausende Verfahren angesammelt. Köln und Düsseldorf liegen an der Spitze.

Zivilgerichte haben derzeit viel mit dem Abarbeiten der Corona-Krise zu tun. 45.000 Verfahren liegen bei zehn deutschen Amtsgerichten, in deren Zuständigkeit die großen Flughäfen des Landes fallen. Das geht aus Zahlen des Deutschen Richterbundes hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach sind die Richter in Köln und Düsseldorf besonders belastet. 9500 Fälle liegen in der Domstadt zur Bearbeitung, in Düsseldorf sind es den Angaben zufolge 9000.

Hintergrund ist, dass viele Fluglinien oder Reiseveranstalter die Kosten für stornierte Reisen vielfach noch immer nicht erstattet haben. Nach EU-Recht sind die Unternehmen eigentlich verpflichtet, ihren Kunden den bezahlten Preis innerhalb von sieben Tagen zu erstatten, wenn die Airline oder der Veranstalter das Angebot storniert haben. Infolge der Pandemie gab es dabei aber rechtliche Unsicherheiten. Häufig wurden die Kunden auf Gutscheinregelungen verwiesen, das zieht viele Rechtsstreitigkeiten nach sich.

Am zuständigen Amtsgericht in Frankfurt am Main liegen mehr als 7500 Fälle, das für den Flughafen Berlin-Tegel zuständige Amtsgericht Wedding kommt auf mehr als 4000 neue Reisesachen, das für den Airport München zuständige Amtsgericht Erding ebenfalls. In Hannover kamen mehr als 3000 Fälle dazu, in Nürtingen, wo man für den Flughafen Stuttgart zuständig ist, waren es 2500 Fälle, in Hamburg rund 2500 und in Königs Wusterhausen für den Flughafen Berlin-Schönefeld, rund 1750. Selbst in Nürnberg fielen rund 900 neue Reiseverfahren an.

Zwar reichen die insgesamt 45.000 Verfahren noch nicht an das Rekordjahr 2019 heran, als wegen Flugverspätungen rund 100.000 Reisesachen bei den Gerichten aufliefen. Aus Sicht des Richterbundes ist aber auch die aktuelle Zahl ein ernstes Problem für die Justiz. „Nach einem kurzen Rückgang während des Corona-Lockdowns steigen die Verfahrenszahlen bei den Gerichten wieder“, sagte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn. Die Masse der Fälle sei eine extreme Belastung. „Sollten Legal-Tech-Portale wie angekündigt verstärkt in die Verfolgung von Corona-Ansprüchen der Reisekunden einsteigen, könnte sich die Entwicklung in den nächsten Wochen noch beschleunigen“, warnte Rebehn.

(jd)