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Washington: Amerikanische Fonds dürfen VW in den USA verklagen

Washington : Amerikanische Fonds dürfen VW in den USA verklagen

Die Aufarbeitung des Abgasskandals in den USA bleibt für Volkswagen länger als gedacht ein Klotz am Bein. Europas größter Autobauer scheiterte mit dem Versuch, Klagen von US-Anlegern nach Deutschland zu verlegen. Der Konzern und sein ehemaliger Vorstandschef Martin Winterkorn müssten sich gegen die Vorwürfe in Kalifornien verteidigen, entschied US-Bezirksrichter Charles Breyer in San Francisco. Die Kläger, vor allem US-Pensionsfonds, wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen, die im Zuge des Skandals entstanden seien. Der Konzern hält die Vorwürfe für unbegründet.

Analysten sehen in dem bevorstehenden Verfahren weitere Risiken für VW. Frank Schwope von der NordLB hält es für möglich, dass die Beilegung des Streits mit Investoren in den USA für das Unternehmen teurer wird, als dies in Deutschland der Fall gewesen wäre: "Das Rechtssystem in den USA birgt viel mehr Unsicherheit für Volkswagen." Auch Jürgen Pieper (Bankhaus Metzler) verweist auf den höheren Stellenwert von Investoreninteressen in den USA. Er könne sich an keine Anlegerklage in Deutschland erinnern, die für die betroffene Firma schwerwiegende Nachteile gebracht habe. In den USA sei die Gefahr deutlich größer. Die klagenden US-Pensionsfonds sind nicht direkt an Volkswagen beteiligt, sondern halten Anteilsscheine, die an einer Börse stellvertretend für eine Aktie gehandelt werden. Das sind von Banken ausgestellte Zertifikate für hinterlegte Papiere.

Der größte Teil der Anlegerklagen in Deutschland wird beim Landgericht Braunschweig verhandelt. Dort liegen mehr als 1500 Schadensersatzklagen über insgesamt 8,8 Milliarden Euro vor. Die größte Klage über insgesamt 3,3 Milliarden Euro hatte im Namen von institutionellen Anlegern im vergangenen Jahr der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp eingereicht. Zu den Klägern gehören US-Pensionsfonds, der Norwegische Staatsfonds, der Versicherungskonzern Allianz, die DekaBank sowie die Länder Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

(rtr)