Düsseldorf: Amazon-Mitarbeiter kritisieren Verdi

Düsseldorf : Amazon-Mitarbeiter kritisieren Verdi

Gewerkschaft plant unterdessen bundesweite Streiks an Amazon-Standorten.

Im Weihnachtsgeschäft hat die Gewerkschaft Verdi den Online-Versandhändler Amazon massiv bestreikt, um höhere Löhne und einen Tarifvertrag für die Mitarbeiter durchzusetzen. Nun wehren sich ausgerechnet diese gegen den Einsatz der Gewerkschaft: Mittels einer angeblich selbst initiierten Unterschriftenaktion distanzieren sich rund 1000 Mitarbeiter der bestreikten Standorte von den Streiks. Auch T-Shirts mit "Pro Amazon"-Aufdruck sind bereits geplant.

Das negative öffentliche Bild von Amazon, das durch die Streiks erzeugt werde, entspreche nicht der Wahrheit, heißt es in dem Schreiben, das Amazon auf seiner Internetseite veröffentlicht hat: "Wir arbeiten gern im Amazon-Standort Leipzig und möchten, dass unser Standort, und damit unsere Arbeitsplätze eine Zukunft haben."

Seit 2006 habe sich vieles positiv verändert, seit 2009 gebe es sogar einen Betriebsrat, heißt es in dem Schreiben. Ob dies auch ohne die öffentliche Berichterstattung und den Einsatz von Gewerkschaften wie Verdi möglich gewesen wäre, beantwortet der Brief nicht.

Die Fronten in dem Konflikt sind seit Monaten verhärtet. Während Verdi eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels fordert, sieht Amazon sich als Logistikkonzern – mit dementsprechend niedrigeren Gehältern. Auch die Belegschaft ist gespalten. Viele Amazon-Logistikzentren stehen in strukturschwachen Regionen, die Menschen sind froh, überhaupt eine Arbeit zu haben; die mit 9,55 Euro Einstiegslohn sogar vergleichsweise gut bezahlt wird.

Selbst Verdi-Verantwortliche räumen ein, dass die Mehrheit der Belegschaft lieber arbeiten geht, als zu streiken. Die Gewerkschaft will daher den Druck erhöhen und bundesweit streiken, statt wie bisher nur an einzelnen Standorten. Amazon sorgt derweil für positive Nachrichten: 1300 der 14 000 Saisonarbeiter wurden fest übernommen.

(RP)