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Amazon macht pro Tag im Schnitt 31 Millionen Euro Umsatz

Corona-Pandemie beschleunigte das Wachstum : Amazon macht pro Tag im Schnitt 31 Millionen Euro Umsatz

Mehr als die Hälfte aller Online-Umsätze werden in Deutschland von einem Unternehmen erzielt: Amazon. Die Marktmacht ist riesig – doch aktuelle Zahlen zeigen, dass auch viele Unternehmen aus NRW vom US-Händler profitieren.

Wenn es heißt, die Corona-Pandemie hätte das Wachstum des Online-Handels beschleunigt, dann ist das nur ein Teil der Wahrheit. Die Pandemie hat nämlich speziell das Wachstum eines Unternehmens beschleunigt: Amazon.

Im Coronajahr stieg der Umsatz des US-Händlers allein in Deutschland um durchschnittlich rund 31 Millionen Euro am Tag. Das zeigt eine Analyse des Instituts für Handelsforschung (IFH) aus Köln. Demnach entfielen 11,4 der 15 Milliarden Euro, um die der Online-Handel im vergangenen Jahr wachsen konnte, auf Amazon bzw. Händler, die über Amazon verkauft haben. Der US-Konzern allein konnte seinen Umsatz in Deutschland 2020 um rund sieben Milliarden Euro auf umgerechnet rund 25 Milliarden Euro steigern. Der Marktanteil am gesamten deutschen Online-Umsatz lag laut IFH bei 53 Prozent.

Angetrieben wird Amazons Allmacht im deutschen Online-Handel dabei offenbar auch von immer mehr kleinen und mittelständischen Unternehmen, die über die Plattform ihre Waren anbieten und verkaufen. Das zeigt jedenfalls eine Auswertung des Unternehmens, die unserer Redaktion vorliegt.

Demnach verkaufen mehr als 40.000 kleine und mittelständische Unternehmen inzwischen über Amazon – mehr als ein Viertel davon hat seinen Sitz in NRW. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele kleine Amazon-Händler. NRW ist dabei auch das Bundesland mit den höchsten Exportumsätzen. Rund eine Milliarde Euro Umsatz machen die hier ansässigen Unternehmen mit dem Verkauf von Waren über Amazon ins Ausland.

Während der Pandemie konnten viele der kleineren Unternehmen ihre Umsätze über Amazon demnach deutlich steigern. Laut Amazon erzielten die Unternehmen im Durchschnitt einen Umsatz von mehr als 450.000 Euro – im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es nach Amazon-Angaben nur 350.000 Euro. Mehr als 1000 kleine und mittelständische Unternehmen konnten dabei sogar erstmals einen Umsatz von mehr als eine Million Euro erwirtschaften. Durch den Ausbau des Online-Geschäfts hätten Unternehmen, die über Amazon verkaufen, mehr als 150.000 Jobs in Deutschland geschaffen, betont der Online-Händler in seiner Untersuchung. Mehr als 23.000 Menschen arbeiten auch für Amazon direkt – etwa in den Logistikzentren oder in der Zentrale in München.

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Angesichts seiner Marktmacht steht das Unternehmen, bei dem Firmengründer Jeff Bezos zuletzt die Führung an Andy Jassy abgegeben hat, dennoch immer wieder in der Kritik. Die Gewerkschaft Verdi bestreikt Amazon seit Jahren und fordert einen Tarifvertrag. Amazon hat dies bislang immer abgelehnt. Angesichts des großen Konkurrenzkampfes um Lagermitarbeiter erhöhte das Unternehmen den Einstiegslohn aber zuletzt auf zwölf Euro. Gleichzeitig gibt es immer wieder den Vorwurf, Amazon würde – ähnlich wie andere große Tech-Unternehmen wie Google oder Apple – kaum Steuern in Deutschland und anderen europäischen Ländern bezahlen. Erst kürzlich hatten sich daher 130 Länder auf eine globale Mindeststeuer von 15 Prozent geeinigt. In einem Blog-Beitrag hatte Amazon Ende Juni erstmals genauere Zahlen genannt. Demnach zahlte das Unternehmen im Jahr 2019 in Deutschland 261 Millionen Euro an direkten Steuern, also zum Beispiel Gewerbesteuer. Die Umsätze lagen in diesem Jahr bei rund 20 Milliarden Euro.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, 11,4 Milliarden Euro des Umsatzwachstums im Online-Handel entfielen auf Amazon. Konkret ist damit jedoch der Umsatz gemeint, der von Amazon und anderen Händlern über Amazon als Marktplatz erzielt worden ist. Wir haben dies daher präzisiert.