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Düsseldorf: Am liebsten Spanien

Düsseldorf : Am liebsten Spanien

Vor dem Start der Reisenmesse ITB freut sich die Branche über Buchungs-Rekorde. Bei den Deutschen sind neben Spanien auch die Türkei und Ägypten wieder im Trend.

Ob mit Auto, Flugzeug oder Schiff - die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Laut dem Konsumforschungsinstitut Gfk gab es im Januar - dem stärksten Buchungsmonat des Jahres - ein Umsatzplus in der Tourismusbranche von 18 Prozent. Davon profitieren auch Länder, die die Deutschen zuletzt wegen politischer Spannungen gemieden hatten. "Die Türkei, die im Vergleich zu 2015 insgesamt 50 Prozent Gäste aus Deutschland verloren hatte, ist wieder im Kommen", heißt es vom Verband der Deutschen Reisewirtschaft (DRV).

Das zeigt auch unsere Umfrage bei Reisekonzernen: Tui meldet demnach für die Türkei ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei Reisen nach Tunesien liege das Buchungsplus im dreistelligen Bereich. Auch für Ägypten halte der positive Trend an. Dafür gebe es mehrere Gründe: "Ägypten hat stark in die Sicherheit investiert und belegt in puncto Gästezufriedenheit einen der Top Plätze unter allen Mittelstrecken-Zielen. Die Qualität stimmt und das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr attraktiv", sagt die Tui-Sprecherin. Insgesamt sei der Januar der stärkste der Firmengeschichte gewesen. "Für Ägypten gehen wir von einer sehr hohen und weiter wachsenden Nachfrage aus", sagt Ralph Schiller, Geschäftsführer bei FTI. Ähnlich sieht es bei Thomas Cook aus. "Wir haben unsere Flugkapazitäten in die Türkei für den Sommer aufgestockt", sagt eine Konzernsprecherin.

Entsprechend gut dürfte die Stimmung auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) sein, die am 7. März in Berlin startet. Ägypten etwa kehrt zur ITB zurück, die Türkei ist erneut der größte Aussteller der Messe. Besonders groß sei in diesem Jahr die Nachfrage von Ausstellern aus arabischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern. Dies sei ein Indikator dafür, dass sich der Tourismus dort zu einem immer wichtigeren Wirtschaftszweig entwickelt.

Zu den Trends der ITB zählen Abenteuerurlaube, die besonders bei jüngeren Kunden eine Rolle spielen. Sowie das stark wachsende Segment Medical Tourism - eine Mischung aus Urlaub und medizinischer Betreuung meist in Ländern, in denen die Behandlung deutlich günstiger ist als in Deutschland. Auch Kreuzfahrten sind bei den deutschen Urlaubern weiterhin beliebt.

Das beliebteste ausländische Ziel der Deutschen bleibe laut Branche Spanien. Auch in diesem Jahr verzeichnet die Reisewirtschaft dort ein Buchungsplus. Experten rechnen aber damit, dass sich die extreme Ausrichtung der vergangenen Jahre etwas abschwächt und Urlauber wieder in andere Mittelmeerländer ausweichen. Beispielsweise nach Griechenland. Nach einem Einbruch der Touristenzahlen während der Schuldenkrise boomt das Geschäft in Hellas wieder. Bereits im vergangenen Jahr landete das Land auf dem zweiten Platz der beliebtesten Urlaubsregionen hinter den Balearen und freute sich über ein Buchungsplus von 30 Prozent.

Zunehmend beliebt sind Reisen auf den Balkan. "Als Geheimtipp wird Montenegro gehandelt", sagt Ralph Schiller. Dazu trage die gute Erreichbarkeit - etwa ab Düsseldorf - sowie die vielen Hotels und die "tollen Strände" bei. Bei Thomas Cook landet Bulgarien auf Platz vier der beliebtesten Urlaubsziele in europa.

Neben Urlauben in Europa und Nordafrika seien auch Fernreisen beliebt - bei Tui und ThomasCook besonders in die Karibik und an den Indischen Ozean. FTI meldet Zuwächse nach Dubai und die Emirate, als auch nach Kanada. Damit scheint sich der Trend aus dem vergangenen Jahr fortzusetzen, wonach USA-Reisende zunehmend nach Kanada ausweichen. Im vergangenen Jahr brach der Umsatz mit Reisen in die USA um 17 Prozent ein. Branchen-Experten vermuten, dass diese Veränderung nicht nur auf den Wechselkurs, sondern wohl auch auf die Wahl Donald Trumps zurückzuführen ist.

Viele Deutsche verreisen jedoch auch 2018 wieder innerhalb ihres eigenen Landes. Von bis zu 30 Prozent der Urlauber ist die Rede. Vor allem die Nord- und Ostsee seien besonders stark nachgefragt, berichten Reisekonzerne. "Bei Autoreisezielen liegt Deutschland vor Italien und Österreich", sagt eine Sprecherin von Thomas Cook.

Gebucht wird der Sommerurlaub wieder vielfach in Reisebüros, nachdem zwischenzeitig viele Kunden ins Internet abgewandert waren. Ihr Umsatzanteil bei den Frühbuchern lag im Januar laut GfK bei rund 84 Prozent.

(maxk)