1. Wirtschaft

Analyse: Alabama-Verkauf gut für Duisburg

Analyse : Alabama-Verkauf gut für Duisburg

Mit dem Verkauf des US-Stahlwerkes kann die Sanierung der ThyssenKrupp-Stahlsparte überhaupt erst beginnen.

Einen Tag nach der Bekanntgabe von "exklusiven Verhandlungen" über den Verkauf des ThyssenKrupp-Stahlwerkes in Alabama rätselten die 14 000 Mitarbeiter im Duisburger Stahlwerk gestern, ob das für sie gut oder schlecht ist. "Einige verstehen das als Anfang vom Ausstieg aus dem Stahlgeschäft, andere als Einstieg in die Sanierung des Stahlgeschäftes", hieß es gestern in Betriebsratskreisen. Offiziell unterstützt der Betriebsrat den Vorstand bei der Strategie. Aber bei welcher genau eigentlich?

Gerüchte um einen Ausstieg aus dem Stahlgeschäft kursieren bei ThyssenKrupp seit etwa fünf Jahren. Längst verdient die Sparte ihre Kapitalkosten nicht mehr, andere Konzerngeschäfte wie der Anlagen- und der Aufzugsbau sind viel lukrativer. Ausgerechnet den Gewinnbringern fehlt aber das Geld für Investitionen ins Wachstum, denn das Stahlgeschäft ist kapitalintensiv: Allein für die beiden Übersee-Werke hat ThyssenKrupp 13 Milliarden Euro bezahlt. Offiziell fegt Konzernchef Heinrich Hiesinger Gerüchte über einen Total-Ausstieg aus dem Stahl immer beiseite und verweist auf die dreistelligen Millionenbeträge, die der Konzern gerade in Duisburg investiert. Trotzdem rutschte ihm kürzlich bei der Diskussion um Stromrabatte für die Stahlindustrie folgender Satz heraus: "Wenn in Sachen EEG die falschen Entscheidungen getroffen werden, entscheiden nicht wir als Vorstand über die Zukunft von Steel Europe, sondern dann entsteht eine Situation, in der uns die Entscheidung abgenommen wird". Soll das EEG der Vorwand für den Ausstieg von ThyssenKrupp aus dem Stahl werden? Schließlich wollte der Konzern die Sparte schon vor 13 Jahren loswerden und über die Börse verkaufen. Nur ein Börsencrash verhinderte das in letzter Sekunde.

Gegen den Stahl-Ausstieg spricht die politische Dimension. ThyssenKrupp würde damit auf großen Widerstand in der NRW-Politik stoßen, die über die Krupp-Stiftung und andere Gremien Einfluss auf den Konzern hat. Der Verkauf des Alabama-Stahlwerkes stärkt Duisburg indirekt. Er dient zwar in erster Linie der Sanierung des Amerika-Stahlgeschäftes. Aber erst ein Ende des Übersee-Desasters verschafft Hiesinger überhaupt die nötige Luft, das europäische Stahlgeschäft wieder auf ein gesundes Gleis zu setzen.

(RP)