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Berlin: Air Berlin ringt verzweifelt um seine Zukunft

Berlin : Air Berlin ringt verzweifelt um seine Zukunft

Offenbar will Großaktionär Etihad das Unternehmen von der Börse nehmen. Das könnte die letzte Chance für Air Berlin sein.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hat ihre Souveränität verloren. Vor einer Woche verschob Air Berlin die Bekanntgabe der Geschäftsergebnisse für das vergangene Jahr auf den heutigen Donnerstag. Aber schon gestern Abend wurden die Bilanzpressekonferenz sowie eine Analysten- und Investorenkonferenz erneut verschoben. Ein neuer Termin könne erst im April mitgeteilt werden, hieß es. Offensichtlich ist das Unternehmen nur noch ein Getriebener äußerer Umstände. "Wir wissen im Moment selbst nichts", verlautete aus der Pressestelle.

Hintergrund ist ein Ringen der Eigentümer um die Zukunft des mit 812 Millionen Euro verschuldeten Konzerns. 2011 stieg der Golf-Carrier Etihad mit 29 Prozent bei Air Berlin ein und musste danach mit millionenschweren Hilfsaktionen mehrere Existenzkrisen abwenden. Dem Vernehmen nach wollen die Araber jetzt die Kontrolle komplett übernehmen, um Air Berlin mit der italienischen Fluglinie Alitalia zu verschmelzen. Etihad bereitet gerade den Einstieg bei Alitalia vor. Auch Alitalia steckt in der Krise, ist auf dem Sanierungsweg aber schon weiter als Air Berlin.

Das Problem von Etihad: Um bei Air Berlin durchregieren zu können, müssen die Araber die Mehrheit übernehmen. Das bedeutet, dass sie den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot machen müssen. Erfahrungsgemäß steigt dann aber der Preis für die restlichen Aktien, die Etihad aufkaufen müsste, dramatisch an. Zudem gerieten dann die Flugrechte von Air Berlin in Gefahr. Wechselt bei einer Airline der Eigentümer und ist sie danach mehrheitlich nicht mehr in deutscher oder europäischer Hand, wird jede einzelne Startgenehmigung neu überprüft. Die Flugrechte von Air Berlin sind für Etihad aber das Wichtigste: Die brauchen die Araber, um ihren Rivalen Lufthansa auf dem Heimatmarkt angreifen zu können.

Mitarbeiter aus dem Umfeld des Vorstandes bestätigten gestern Abend gegenüber unserer Zeitung, dass Air Berlin von der Börse genommen werden soll. Entsprechende Gerüchte kursieren schon seit Tagen. Das Unternehmen ist seit acht Jahren börsennotiert und schrieb seither überwiegend rote Zahlen. Der Emissionskurs lag bei zwölf Euro. Gestern ging die Aktie mit 2,05 Euro aus dem Handel. Alle wichtigen Unternehmenswerte wie den Großteil der Flugzeugflotte und das Air-Berlin-Vielfliegerprogramm hat die Gesellschaft schon verkauft. Etihad ist inzwischen wahrscheinlich die letzte Chance für Air Berlin.

(RP)