Berlin: Ärzte bekommen 1,27 Milliarden Euro mehr

Berlin : Ärzte bekommen 1,27 Milliarden Euro mehr

Der erbittert geführte Streit um mehr Geld für die niedergelassenen Ärzte ist zu Ende. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenkassen einigten sich gestern Abend darauf, dass die 150 000 Kassenärzte und Psychotherapeuten im kommenden Jahr zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden Euro mehr Honorar erhalten. Das teilte der Chef des Bewertungsausschusses, Jürgen Wasem, mit. Details müssten noch geklärt werden.

Das Resultat entspreche einem Plus von drei bis vier Prozent, sagte KBV-Chef Andreas Köhler. Zudem sollen die Kosten für die Psychotherapie künftig aus dem Gesamtbudget gelöst werden. Neue Leistungen sollen nun noch definiert werden, die die Ärzte für insgesamt 250 Millionen Euro zusätzlich bezahlt bekommen sollen. Das aber soll nicht Spezialisten für teure Gerätemedizin zugute kommen, sondern ausdrücklich der Grundversorgung.

Vor wenigen Wochen hatten die Kassen den Ärzten im Rahmen eines Schlichterspruchs nur ein Plus von 270 Millionen Euro zugestanden. Das war den Ärzten zu wenig, sie hatten ein Plus von 3,5 Milliarden Euro gefordert. Sie akzeptierten den Schlichterspruch nicht und erzwangen neue Verhandlungen, die nun gestern zu Ende gingen.

Die zum Protest entschlossenen Ärzte wollen von den Plänen zum Protest dennoch nicht mehr ablassen. Bis zu 30 000 Ärzte und Angestellte wollten sich heute bei Kundgebungen vor 35 Krankenkassen-Filialen versammeln. Entsprechend viele Praxen sollten geschlossen bleiben. Ein Sprecher der Allianz der Ärzteverbände riet Patienten, vorher bei ihrer Praxis nachfragen, ob diese geöffnet habe oder mit reduziertem Personal arbeite. Vor allem viele Orthopäden, Magen-Darm- und Herz-Spezialisten würden ihre Praxen ganz geschlossen halten. Hausärzte wollten sich dagegen kaum beteiligen. Dabei gehören gerade sie nicht zu den Top-Verdienern (siehe Grafik).

Pro Monat verdienen Kassenärzte im Schnitt 5442 Euro netto – bei großen regionalen Unterschieden und starken Differenzen zwischen den Fachrichtungen. Man könne nur hoffen, dass die Mediziner ein Einsehen hätten und auf den geplanten Aktionstag verzichten, erklärte die Sprecherin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung. Ohnehin unterstützten nur sechs Prozent der Bürger die Ärzte-Forderung, wie Infratest dimap im Auftrag der ARD ermittelt hatte. Mit den Milliardenüberschüssen der Krankenkassen will die Mehrheit der Befragten lieber die Patienten entlasten. 39 Prozent stimmten für die Abschaffung der Praxisgebühr. Mehr als ein Drittel will den Kassen die Überschüsse als Polster für magere Jahre lassen.

(RP)
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