ADAC benötigt Pannenhilfe

Hauptversammlung : ADAC benötigt Pannenhilfe

Der Automobil-Club steht vor einer unruhigen Hauptversammlung am Nürburgring. Uneinigkeit herrscht über den Reformkurs von Präsident August Markl, zudem streiten fünf Regionalclubs mit der Zentrale vor Gericht.

(dpa) Der ADAC bekommt am Samstag ein neues Präsidium. Besonders gespannt ist Clubpräsident August Markl darauf, wer zu seinem neuen Stellvertreter gekürt wird – er oder sie könnte schließlich in zwei Jahren seine Nachfolge antreten. Kurz vor der ADAC-Hauptversammlung auf dem Nürburgring hat nun Markls Präsidiumskollege Ulrich Klaus Becker seinen Hut in den Ring geworfen. Der größte der 18 Regionalclubs, der von Markls Vorgänger und Widersacher Peter Meyer geführte ADAC Nordrhein, hüllte sich noch in Schweigen. Meyer hatte das Spitzenamt vor fünf Jahren abgegeben, als die Manipulationen um den Gelbe-Engel-Preis aufflogen. Sein damaliger Stellvertreter Markl übernahm und ist seither am Umbauen.

Gegen den Widerstand des Regionalclubs Nordrhein setzte Markl die Aufspaltung des ADAC in einen Verein, eine Aktiengesellschaft mit dem Versicherungsgeschäft und eine Stiftung mit der Luftrettung durch. Tausende Beschäftigte in der Münchner Zentrale wussten nicht einmal mehr, wie weit sie mit den bisherigen Kollegen in der Kantine noch reden durften. Zum ersten Mal in der Geschichte baute der ADAC Stellen ab. Eine Mitarbeiter-Umfrage im vergangenen Herbst zeigte eine verheerende Stimmung. Und ein einzigartiges Spektakel steht noch bevor: Ein Prozess von fünf ADAC-Regionalclubs gegen den ADAC e.V. vor dem Landgericht München. Dabei geht es um die Steuern, die der Fiskus neuerdings auf die Pannenhilfe erhebt. Die Zentrale und 13 Regionalclubs wollten die Steuern wie die Mitgliedsbeiträge untereinander aufteilen. Aber die Clubs Nordrhein, Westfalen, Saarland, Nordbaden und Sachsen haben Klage eingereicht. Es müsse geklärt werden, ob der Dachverband Beschlüsse mit Belastungen für die Regionalclubs fassen dürfe, sagte Nordbaden-Geschäftsführer Matthias Schmitting. „Die Steuern sind nur der Aufhänger.“

Mancher der inzwischen 21 Millionen Mitglieder ist nur wegen der Pannenhilfe eingetreten und fragt sich, ob die föderale Struktur noch zeitgemäß ist. Für die Vereinsspitze steht das außer Frage. Markl wird im Juni 71 Jahre alt, seine Amtszeit endet 2021. „In zwei Jahren ist Schluss, definitiv!“ sagte er. Die rund 200 Delegierten der Regioclubs wählen nun einen Stellvertreter und drei weitere Vizepräsidenten, die den Kurs bis 2023 mitprägen.

Markls Stellvertreter Matthias Feltz kandidiert nicht mehr, weil er den Vorsitz des Regioclubs Hessen-Thüringen behalten möchte – beide Führungsämter sind künftig unvereinbar. Nun kandidiert der Schleswig-Holsteiner Becker, seit 2007 schon Vizepräsident für Verkehr, für diesen Posten. Auf der Hauptversammlung könnten auch noch andere die Hand heben. Diskussionen dürfte es über die traditionsreiche Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ geben. Die Mitglieder bekommen sie bislang zehnmal im Jahr kostenlos ins Haus geschickt. Auflage 13,8 Millionen, Kosten 90 Millionen Euro – aber jedes vierte Exemplar wird ungelesen weggeworfen. Ab nächstem Jahr soll die „Motorwelt“ nur noch viermal jährlich erscheinen, mit nur noch fünf Millionen Auflage, und in ADAC-Geschäftsstellen und Tankstellen ausgelegt werden. Das spart 40 Millionen Euro.

Und Markl braucht Geld. Er will den ADAC öffnen und modernisieren – aber der Verein schreibt seit drei Jahren operativ rote Zahlen. Das heißt, die Mitgliedseinnahmen und die Dividende der ADAC SE reichen nicht, um Pannenhilfe, Dienstleistungen und Digitalisierung zu bezahlen. Jetzt sind neue Beitragsmodelle im Gespräch, für Menschen ohne Auto, für Basis-, Plus- und Premium-Mitglieder. Und eine Beitragserhöhung, wie einer aus dem Führungskreis sagte. Im vergangenen Jahr lag der operative Fehlbetrag bei acht Millionen Euro. Allerdings schüttete die ADAC SE schüttete dem Verein jetzt 587 Millionen Euro aus Reserven aus, und die Regioclubs überwiesen 180 Millionen Euro für SE-Anteile und ihre Anteile an der Versicherungssteuer. Mit diesem einmaligen Geldregen bleiben 2018 unter dem Strich 759 Millionen Euro in der Kasse, sagte ein Sprecher.

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