Einzelhandel Action mischt die großen Discounter auf

Düsseldorf · Die Niederländer haben im Non-Food-Geschäft einen Teil derv namhaften Konkurrenz schon überholt. Wer das ist und warum die Arrivierten in einem hoch profitablen Bereich den Anschluss verpassen.

Im Herbst des vergangenen Jahres hat der niederländische Discounter Action seine 500. Niederlassung in Deutschland eröffnet. Ein Unternehmen, das in den vergangene Jahren gewaltig gewachsen ist und mittlerweile im Non-Food-Geschäft (also Waren, die keine Lebensmittel sind) die arrivierten Discounter in Deutschland offenbar immer stärker unter Druck setzt.

Der Non-Food-Umsatz sei bei Action mittlerweile größer als beim zur Schwarz-Gruppe gehörenden Lidl-Konzern, schreibt die „Lebensmittelzeitung“. In Zahlen: Action habe im vergangenen Jahr seinen Nettoumsatz mit Non-Food-Ware um mehr als ein Viertel auf 11,3 Milliarden Euro gesteigert, bei Lidl seien es nur zehn Milliarden Eur. Obwohl das Unternehmen aus dem Schwarz-Reich in 31 Ländern und damit an etwa dreimal so viel Standorten vertreten ist wie Action.

Die Niederländer haben rund 80.000 Beschäftigte (davon etwa 11.000 in Deutschland) und mehr als 2400 Niederlassungen in elf europäischen Ländern. In Deutschland sind sie seit 2009 am Start. Ein Unternehmen, das der britischen Private-Equity-Gesellschaft  3i gehört  und das ursprünglich ein reiner Non-Food-Discounter, seine Geschäftsfelder in den vergangenen Jahren aber deutlich erweitert hat. Deko, Heimwerkerbedarf, Spielzeug, Haushaltswaren, Essen und Trinken, Körperpflege und Mode gehören zum Sortiment Manches firmiert wie bei einigen Wettbewerbern als „Fast-moving consumer goods“. Das sind Güter des täglichen Bedarfs, bei denen der Warenumschlag hoch ist, zum Beispiel Hygieneartikel, Kosmetik, Heimtierbedarf und Tabakwaren.

Dass das Unternehmen aus dem Nachbarland den deutschen Discountern in diesem Bereich den Rang abzulaufen droht, ist für die bisherigen Platzhirsche auch deshalb ärgerlich, weil das Non-Food-Geschäft deutlich Gewinne abwirft. Die Gewinnspannen lägen bei 40 Prozent, so die „Lebensmittelzeitung“. Bevor eine neue Strategie bi Lidl greifen könnte, müssten aber zunächst  noch Lagerbestände abgebaut werden.

Aber auf jeden Fall versucht die Schwarz-Gruppe dem Trend gegenzusteuern und entsprechendes Wachstum in den einzelnen Ländern zu generieren.  Dass der Non-Food-Anteil in keinem der Märkte noch über zehn Prozent liegt, hat den Verantwortlichen massiv zu denken gegeben. Dabei waren 15 Prozent mal als Ziel ausgegeben worden. Auch bei Aldi ist der Non-Food-Anteil von einem Viertel auf ein Fünftel gesunken.  Sowohl die Schwarz-Gruppe, zu der auch noch Kaufland gehört, als auch Aldi Nord und Süd haben sich in den vergangenen Jahren stark auf den Lebensmittelhandel konzentriert und bilden gemeinsam mit den Supermärkten von Edeka und Rewe die Großen Vier in diesem Bereich. Der zusammengerechnete Marktanteil beträgt mehr als 75 Prozent.

Dass Unternehmen wie Action so schnell wachsen, hat natürlich auch was mit Preisen zu tun. Die Niederländer rühmten sich noch im Herbst dafür, dass  von etwa 6000 Artikeln im Sortiment des Unternehmens 1750 weniger kosteten als einen Euro. Ein Geschäftsmodell, das sich an der Stelle also deutlich an Sparwillige wendet. Und damit auch kleine, inhabergeführte mittelständische Unternehmen an den Rand drängt.

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