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Abellio-Belegschaft verlangt Klarheit über Zukunft des Unternehmens

Sorge um S-Bahnen in NRW : Abellio-Belegschaft verlangt Klarheit

Die insolvente Bahnfirma macht im Streit mit dem VRR ein neues Angebot Dabei versucht sie, den VRR und die anderen Verkehrsverbünde gegeneinander auszuspielen. Egal wie es kommt: Für das Land werden S-Bahnen und Regionalbahnen teurer.

Das Gezerre um die Zukunft des für den S-Bahn-Betrieb in NRW sehr wichtigen Bahnunternehmens Abellio Rail macht die Belegschaft zunehmend nervös. Der Betriebsrat der insolventen Firma hat den Vorstand des Verkehrsverbandes Rhein-Ruhr (VRR) zu seiner Betriebsversammlung am Dienstag eingeladen, um über die Perspektiven der rund 1000 Beschäftigten zu sprechen. Denn dem Unternehmen droht Ende Januar der Untergang, falls es nicht eine Einigung darüber gibt, zu welchen Konditionen Abellio künftig für den VRR und die anderen Verkehrsverbünde in NRW weiterfahren soll. Abellio will den Vertrag zum Betrieb des RRX und einer Reihe an S-Bahnlinien im VRR-Gebiet vorzeitig in zwei Jahren beenden, weil diese zu hohe Verluste verursachen.

Der VRR und die NRW-Landesregierung fordern dagegen von Abellios Mutterkonzern, der niederländischen Staatsbahn, viele Millionen Euro, um aus den zwei Verträgen vorzeitig aussteigen zu dürfen. Der Grund: Wenn die Strecken neu ausgeschrieben werden, sind höhere Preise für deren Betrieb nötig.Abellio hatte dagegen früher sehr billige Verträge angeboten, um in den NRW-Markt vorzudrängen.

VRR-Vorstandssprecher Ronald Lünser hatte am Mittwoch im Landtag erläutert, dass die NRW-Verkehrsverbünde sich darauf vorbereiten, dass Abellio aufgeben wird. Darum werde die Notvergabe aller von Abellio betriebenen Strecken an Wettbewerber zum 1. Februar vorbereitet. Die Belegschaft des Hagener Unternehmens werde Übernahmeangebote erhalten, weil sie für den Betrieb der Strecken gebraucht werde. Vorrangig DB Regio und National Express werden die Züge dann betreiben. Es geht um ein Sechstel des Schienennahverkehrs in NRW. Lünser war bis 2018 selbst Chef von Abellio in NRW.

Der Abellio-Betriebsrat drängt nun VRR-Mann Lünser, zu der Betriebsversammlung zu kommen. Allerdings warnt der Betriebsrat, es seien keineswegs alle Beschäftigten daran interessiert, den Arbeitgeber zu wechseln: „Die 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich bewusst für Abellio entschieden.“ Sie ergänzen: „Die Unsicherheit wächst täglich. Die Mitarbeiter sehnen sich nach einer Perspektive. Zumindest benötigen sie Klarheit, ob und wie es mit Abellio weitergeht.“

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Abellio legte am Freitagabend ein neues Angebot an die Verkehrsverbünde vor, in dem nach eigenen Angaben Zuschüsse von mehr als 100 Millionen Euro vorgesehen sind. Dieses Geld soll laufende Verluste einer Reihe an Regional- und S-Bahnlinien ausgleichen und teilweise kompensieren, dass wichtige S-Bahn-Verträge gekündigt werden.

Dabei will Abellio offensichtlich spalten: Das Unternehmen teilt in einer Pressemeldung mit, der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR), zu dem der VRS gehört, hätten ein erstes Angebot von Abellio schon vor einiger Zeit akzeptiert. Der VRR und die ihn unterstützende Landesregierung sollen also die Schuldigen sein, wenn es keine Lösung gibt. Die Wahrheit ist: Die Verträge, die Abellio loswerden will, sind praktisch alle im VRR-Gebiet.

Egal wie der Streit ausgeht, muss das Land mehr Geld für die Subventionierung der S-Bahnen und Regionalbahnen in NRW zahlen. Falls alle Abellio-Strecken schon im Februar in einem Notprogramm ab Dezember vergeben werden, werden sich DB Regio oder National Express es teuer bezahlen lassen, in die Bresche zu springen. Falls aber das Land akzeptiert, dass Abellio einen Teil der Strecken in zwei Jahren aufgibt und die anderen weiterfährt, werden die abgegebenen Strecken eben in zwei Jahren teurer.

Das sind keine Zusatzkosten, die die Kunden direkt zahlen, weil sie von den Verkehrsverbünden an die Bahnunternehmen für den Betrieb der Strecken überwiesen werden.