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Düsseldorf: 768 000 Menschen in NRW ohne Arbeit

Düsseldorf : 768 000 Menschen in NRW ohne Arbeit

Schnee und Frost haben im Januar die Zahl der Arbeitslosen nach oben getrieben. Typisch für die Saison, aber keine Trendwende, sagt die Bundesagentur für Arbeit. Bundesweit sind 3,1 Millionen Menschen ohne Job.

Der Winter hinterlässt auf dem Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen seine Spuren: Von Dezember auf Januar erhöhte sich die Zahl der Erwerbslosen um 46 000 auf 768 000. Doch die Bundesagentur für Arbeit (BA) bleibt gelassen. "Der Zuwachs stellt keinen Einbruch dar, sondern eine saisontypische Entwicklung", sagte Christiane Schönefeld, Chefin der Regionaldirektion NRW. Die Witterung macht die Arbeit in Außenberufen unmöglich, das Weihnachtsgeschäft läuft aus und das Quartalsende ist für viele Betriebe Kündigungstermin. Im Vergleich zu früher fiel der Anstieg sogar erstaunlich gering aus. Abgesehen vom Boomjahr 2012 liegt die Januar-Arbeitslosigkeit in NRW auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren.

Dabei bleiben die großen Unterschiede bestehen. Die "rote Laterne" im Land trägt Dortmund mit einer Arbeitslosenquote von 13,5 Prozent, gefolgt von Duisburg. Hier ist die Lage ähnlich trüb wie in Mecklenburg-Vorpommern, dem Armenhaus der Republik. Bayerische Verhältnisse herrschen dagegen in Teilen des Münsterlandes: So sind in Coesfeld nur 4,1 Prozent arbeitslos, das gilt nahezu als Vollbeschäftigung. Eine gewisse "Sucharbeitslosigkeit" lässt sich nie vermeiden, es dauert eben, bis Firmen und Beschäftigte zueinanderfinden.

Die Arbeitslosenquote für Nordrhein-Westfalen liegt bei 8,4 Prozent und damit über der bundesweiten Quote von 7,4 Prozent. Auch für Gesamtdeutschland gibt sich die BA gelassen. "Der aktuelle Anstieg hat rein saisonale Gründe", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Dezember um 298 000 auf 3,138 Millionen. Das sind 54 000 mehr als vor einem Jahr. Die Rezession in vielen Ländern Südeuropas und die schwache Weltkonjunktur hätten nur wenige Spuren hinterlassen, erklärte Weise. Damit stemmt sich der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin erfolgreich gegen die Folgen der Euro-Krise.

"Die Zahlen sind eine positive Überraschung", kommentierte auch Peter Meister von der BHF Bank. Den Rückgang der gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung im vierten Quartal sähen die Unternehmen offenbar nur als "temporäre Schwächephase". Zwar haben viele Betriebe wegen der Euro-Krise vorsichtshalber ihre Investitionen zurückgefahren. Doch an der hohen Beschäftigung halten sie fest. Die Zahl der Erwerbstätigen lag im Dezember auf dem Rekordhoch von 41,8 Millionen. Die Unternehmen wissen, dass sie jeden Mitarbeiter, den sie heute entlassen, morgen wieder mühsam suchen müssen. In vielen Branchen ist der Fachkräftemangel schon spürbar.

Auch für die Zukunft bleibt der BA-Chef optimistisch. Zwar sagte Weise: "Für das Jahr 2013 insgesamt gilt die Überschrift: Unsicherheit." Dennoch geht er im Jahresdurchschnitt "nur" von 2,9 bis drei Millionen Arbeitslosen aus.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertete die jüngsten Zahlen als Beleg dafür, dass die Unternehmen "besonnen und umsichtig durch die Krise" steuerten. Die Grünen-Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer nannte es dagegen kurios, dass für steigende Arbeitslosenzahlen das Wetter verantwortlich sei, für den Rückgang "aber stets die Arbeitsministerin höchstpersönlich".

(RP)