1. Wirtschaft

Düsseldorf: 2030 sind die Alten die neue Mittelschicht

Düsseldorf : 2030 sind die Alten die neue Mittelschicht

Die Zahl der Bürger nimmt ab, ihr Altersdurchschnitt steigt aber. Damit wächst die Bedeutung von Bildung.

Nordrhein-Westfalen altert - wie nahezu alle anderen Bundesländer. Die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter nimmt künftig ab, immer weniger Junge müssen schon bald immer mehr Alte ernähren. Diese Entwicklung hat einschneidende Folgen für die Sozialsysteme, den Arbeitsmarkt, den Wohnungsbau. "Die neue soziale Realität in NRW sollte deshalb jeder mit Mut und Zuversicht gestalten", fordert der Politikwissenschaftler Winfried Kösters aus Bergheim.

Die Zahlen sprechen für sich: Dem Statistischen Landesamt zufolge verliert das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland bis 2050 rund 1,5 Millionen Einwohner. Im Jahr 2030 wird mehr als ein Drittel der Menschen in NRW zudem älter als 60 Jahre sein. Etwa acht Prozent werden zu den Hochbetagten mit einem Alter jenseits der 80 Jahren zählen. Gleichzeitig wird die Zahl der Einwohner unter 18 Jahre zurückgehen: Ihr Anteil sinkt bis 2030 auf magere 15,3 Prozent.

Hinzukommt: Seit 1997 gibt es mehr Sterbefälle als Geburten in NRW. Diese "Lücke" von 48 000 Personen im Jahr 2012 wird den Experten zufolge in den nächsten Jahren größer werden. Wie lange man lebt oder wie viele Kinder geboren werden, kann die Landesregierung nicht entscheiden. Anders sieht es bei der Bildungswanderung aus - einem wichtigen Baustein im Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel. Hier ist NRW gut aufgestellt: In der Vergangenheit ist es dem Land gelungen, Zuwanderer aus dem Ausland zu gewinnen: Seit 2010 weist NRW eine positive Wanderungsbilanz auf.

Das Forschungsinstitut Prognos fordert gleichzeitig eine breite Bildungsoffensive in NRW. Nur so könnten zu große Lücken bei Fachkräften vermieden werden. Auch sollte lebenslanges Lernen Ziel werden - die älter werdende Bevölkerung soll länger arbeiten.

Dabei haben viele Senioren hohe Rücklagen. "Die Generation der heute 50- bis 75-Jährigen bezieht praktisch alle Kapitalerträge. Sie ist die eigentliche neue Mittelschicht unserer Gesellschaft", sagt der Osnabrücker Soziologe Dieter Otten. Seiner Auffassung nach führe dies dazu, dass auch anders gebaut werden müsse: mehr Wohnungen in der Stadt, mehr Wohnungen für Alleinstehende, mehr Wohnungen mit ergänzenden Serviceangeboten.

Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW, sieht das ähnlich: "Wir müssen unseren Wohnungsbestand heute so umbauen und gestalten, dass die meisten älteren Menschen weiterhin in ihren gewohnten vier Wänden leben könne." Bislang seien erst zwei bis drei Prozent der Wohnungen und Häuser in NRW auf die älter werdende Gesellschaft eingerichtet.

(RP)