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RHEINLAND-PFALZ Die Bachforelle als Wegweiser im Ourtal

Ausgangspunkt der dreistündigen Wanderung ist das Europadenkmal im Dreiländereck Belgien, Deutschland und Luxemburg. Fahnen und Informationstafeln erinnern an die Geschichte und an Politiker.

Das Ourtal vom Königslei aus gesehen. Die Our fließt entlang der Grenze zwischen Deutschland, Belgien und Luxemburg. FOTO: BERND F. MEIER

Bachforellen huschen durch das glasklare Wasser, zwischen Kuhweiden und sattgrünen Wiesen bahnt sich die Our ihren Weg im tief eingeschnittenen Tal. Der Fluss hat auch einem Wanderweg den Namen gegeben: Die 13 Kilometer lange Rundtour „Nat’Our Route 1“ verläuft entlang des Gewässers, mal auf deutscher und mal auf Luxemburger Seite.

Start zu der dreistündigen Wanderung ist das Europadenkmal am Dreiländereck Belgien, Deutschland und Luxemburg. Flaggen und Informationstafeln erinnern an die Geschichte und an die Politiker, die seit den 1950er-Jahren beispielhaft für die Entstehung europäischer Zusammenarbeit, der Währungsunion und grenzenloses Reisen eintraten. Das war nicht immer so: Im Zweiten Weltkrieg war das Ourtal hart umkämpft, strenge Ausweis- und Zollkontrollen gab es bis in die 1980er-Jahre selbst an den kleinen Übergängen. Heute gilt die Our als verbindendes Band zwischen den drei Ländern. Am Dreiländereck hat sich der Fluss über Jahrtausende ein gewundenes Tal durch das Schiefer- und Grauwackegestein gegraben, steil sind die Berghänge. Uralte Buchenbestände und Fichten säumen die Wanderroute, auf Schildern weist die Bachforelle als Symbol den Weg. Ruhig ist es hier, kein Motorenlärm unterbricht die Stille. Touristen? Nur hin und wieder sind Wanderer unterwegs, für die meisten Besucher ist das abgelegene Ourtal bis heute ein weißer Fleck.

Nur wenige Kilometer vom Europadenkmal entfernt liegt Welchenhausen: 32 Einwohner, zwei Schulkinder und eine winzige Wartehalle, an der morgens der Schulbus stoppt. Kein gewöhnliches Wartehäuschen, sondern ein Hort der Kunst auf nur acht Quadratmetern. „Die kleinste Kunstgalerie in Deutschland“, vermutet Leonie Simons. Die ehemalige Bürgermeisterin von Lützkampen-Welchenhausen gestaltete die Wartehalle 2002 mit einigen Kunstsinnigen zum Museum um.

Mehr als 60 Wechselausstellungen mit Werken von Künstlern aus Belgien, Deutschland und Luxemburg wurden bislang in dem Wartehäuschen präsentiert. Der Museumsverein will so ein Zeichen der Zusammenarbeit über die Staatsgrenzen hinwegsetzen. Und wer genauer hinschaut: Im Wort WARTehalle stecken die Buchstaben ART (Kunst) ohnehin drin. Ortswechsel nebenan nach Eschfeld, in die bunte Kirche Sankt Luzia: 15 Jahre lang zwischen 1906 und 1921 wurde das neugotische Kirchlein von Pfarrer Christoph März mit biblischen Motiven ausgemalt. Der Kleriker hatte zuvor ab 1900 Unterricht in Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf genommen. Apostel und Evangelisten, Engel und Heilige schauen von den Kirchenmauern herab. Malerpastor März hat der Nachwelt ein überdimensionales Bilderbuch hinterlassen, bestehend aus über 1000 Figuren und 150 Tieren. BERND F. MEIER

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