Bruno Morawetz wird 80 Jahre alt: "Wo ist Behle?"

Bruno Morawetz wird 80 Jahre alt: "Wo ist Behle?"

Nesselwang (rpo). Eine Frage mit nur drei Wörtern machte ihn berühmt: "Wo ist Behle?" fragte Bruno Moravetz am 17. Februar 1980 immer wieder fast verzweifelt während der Übertragung des 15-km-Skilanglaufs bei den Olympischen Spielen in Lake Placid. Zwölf Millionen Fernsehzuschauer suchten mit nach dem deutschen Ski-Langläufer Jochen Behle. Fortan war das geflügelte Wort in aller Munde, wann immer der ZDF-Reporter und der Willinger Jochen Behle irgendwo in Deutschland auftraten.

Auch am Dienstag (11. September) wird die Frage wieder gestellt werden, wenn Bruno Moravetz seinen 80. Geburtstag feiert. Denn Behle wird bei dem Familienfest in der Krone in Unterjoch fehlen - wie auch Reinhold Messner, den Moravetz bereits als jungen unbekannten Bergsteiger porträtierte.

Dafür stoßen die Ski-Asse Heidi Biebl, Ossi Reichert und Pamela Behr mit Moravetz und seinen rund 30 Verwandten an. Der Jubilar kann das Treffen geniesen. "Ich habe lebenslang Urlaub. Und ich nehme mir Zeit, für alles, wozu ich Lust habe", sagt der aus Kronstadt in Siebenbürgen stammende Sportreporter, den seine Freunde nur "Mora" nennen. Obwohl er seit Oktober 1986 Pensionär ist, spielt der Sport für ihn auch heute noch eine wichtige Rolle. "Ich schaue mir alles im Fernsehen an", berichtet er. "Fußball im ORF, Skirennen im Schweizer Fernsehen, Basketball im DSF und was ARD, ZDF, Bayern 3 und Eurosport sonst noch senden", sagt der Witwer, der seit dem Tod seiner Frau in Nesselwang im Allgäu mit seiner Enkelin das Haus teilt.

Trotz mehrerer Herzinfarkte wohlauf

Die Hitze im heißen Sommer habe ihm etwas zu schaffen gemacht; auch gehe er etwas am Stock, da die Arthrose an Knie und Hüfte zu schaffen macht. "Aber sonst geht es mir gut", konstatiert Moravetz, der schon mehrere Herzinfarkte überstanden hat. "Der letzte, am Eröffnungstag der Nordischen Ski-WM in Thunder Bay 1995, ärgerte mich besonders, da es auf der Intensivstation weder Fernsehen noch Zeitungen gab", erinnert er sich. Seine Liebe zum Skisport und zum Alpinismus wurde einst in den Karpaten geweckt und im Allgäu gefördert, wo Moravetz 1949 beim "Allgäuer" in Kempten volontierte.

Moravetz betreute das Fachorgan "Ski" und interessierte sich als Sport- und Feuilletonchef der Heidenheimer Zeitung auch für Fechten. Als Pressechef des Zweiradherstellers Kreidler kreierte er die Moped- Namen "Florett" und "Amazone". 1956 schrieb er aus Squaw Valley für den Düsseldorfer "Mittag", 1960 in Rom war er für die deutsche Olympia-Zeitung verantwortlich. Er war Mitbegründer des "Forums Nordicum", eine im Sportjournalismus einmalige Info-Börse für Ski- Kollegen aus ganz Europa. "Mora" berichtete kompetent und engagiert von allen Winterspielen zwischen 1952 und 1992 und von den Sommerspielen zwischen 1960 und 1984.

Seine Liebe zu den Bergen hätte Moravetz 1977 beinahe das Leben gekostet. Bei der Himalaya-Expedition zum Dhaulagiri (8167 Meter) konnte er in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit gerettet werden: "Mora", damals 55, erkrankte an einem Höhenlungenödem, ein Sherpa alarmierte die Retter. "Er muss die Strecke gerannt sein, da er den Marsch, für den drei Tage nötig sind, in der Hälfte der Zeit zurücklegte", erinnert sich der Reporter. Trotz Hagels landete ein Hubschrauber in 2500 Meter Höhe und flog Moravetz nach Katmandu.

Den Sport, den er immer noch liebt, sieht er heute mit anderen Augen. "Das ganze ist halt Show, es geht ums Geld verdienen. Aber Geld verdirbt den Charakter. Daran ging schon das klassische Olympia zu Grunde", sagt er mahnend.

(RPO Archiv)
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