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Punkt-Sieg über Chris Byrd - "Keine Weicheier": Wladimir Klitschko ist Weltmeister

Punkt-Sieg über Chris Byrd - "Keine Weicheier" : Wladimir Klitschko ist Weltmeister

Köln (dpa). Wladimir Klitschko ist in die Champions League des Profi-Boxens aufgestiegen. Der in Hamburg lebende Ukrainer hat mit dem einstimmigen Punktsieg über Titelverteidiger Chris Byrd (USA) gleich im ersten Anlauf den Weltmeistertitel der World Boxing Organization (WBO) im Schwergewicht erobert und sich zumindest formell in eine Reihe mit dem britischen Doppelweltmeister Lennox Lewis (IBF, WBC) und dem WBA-Champion Evander Holyfield (USA) gestellt. "Als nächsten Gegner für ihn kann ich mir Lewis vorstellen", schmeichelte der entthronte Champion Byrd seinem Bezwinger.

"Weltmeister bei den Profis zu sein - davon habe ich immer geträumt. Nun ist es wahr", jubelte Klitschko nach seinem Erfolg Sonntagnacht vor 10 000 Zuschauern in der längst nicht ausverkauften Kölnarena. Zudem sah der Wahl-Hamburger die beschädigte Familienehre wieder hergestellt. Nach der verletzungsbedingten Niederlage seines Bruders Witali vor sechs Monaten gegen denselben Gegner war es dem "kleinen Klitschko" ein Bedürfnis, den damaligen Spöttern in die Parade zu fahren. "Wir sind keine Weicheier. Wir sind Weltmeister", rief er über die Hallenlautsprecher aus.

Der 24 Jahre alte Olympiasieger von 1996 gehört zum "Kindergarten" in der Königsklasse des Berufsboxens: Nur Mike Tyson (20 Jahre) und Floyd Patterson (21 Jahre) waren bei ihren gelungenen WM-Premieren jünger als Wladimir Klitschko. "Wir wollen die Titel aller vier Weltverbände", formulierte Bruder Witali das stolze Familienziel. "Ich werde in den nächsten Wochen viel arbeiten müssen, um die Weichen für Wladimirs Zukunft zu stellen", betonte Klitschko-Manager Klaus-Peter Kohl. Der Chef der Hamburger Universum Box-Promotion kann sich auch vorstellen, das Klitschko II den Gürtel niederlegt, um den Weg für seinen Bruder zu ebnen, während er selbst in einem anderen Verband auf Titeljagd geht. Zunächst will sich der ältere Klitschko jedoch den Europameistergürtel, den Wladimir freiwillig abgab, im Kampf gegen den deutschen Meister Timo Hoffmann (Köln) holen.

Für den Sieg über den äußerst unbequemen und wie an einem Gummiband umherschwirrenden Titelverteidiger musste der 15 Zentimeter größere Ukrainer hart arbeiten. Erstmals in seiner Profi-Karriere musste er über die volle Distanz gehen. "Endlich mal zwölf Runden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so stark bin", staunte Klitschko. Auch Rivale Byrd, der sich zwei Mal im Ringstaub wiederfand und orientierungslos seine Ringecke suchte, attestierte seinem Nachfolger weltmeisterliches Format. "Ich habe noch nie so harte Schläge einstecken müssen", bekannte der der aus Flint in Michigan stammende Amerikaner, der seine geschwollenen Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille verbarg. Vater und Trainer Joe Byrd, der in der elften Runde schon das Handtuch werfen wollte, schwor gar: "Wladimir wird eine lange Zeit Weltmeister bleiben."

Im Trubel um den als "Rache des Bruders" titulierten WM-Kampf ging die vierte erfolgreiche Titelverteidigung der WIBF-Weltmeisterin Daisy Lang aus Düsseldorf gegen die Amerikanerin Brenda Lee Burnside im Junior-Bantamgewicht nahezu unter. Die 28 Jahre alte gebürtige Bulgarin zeigte eine starke Leistung und freute sich über das Lob von Trainer Michael Timm: "Daisy hat dazu beigetragen, dass das europäische Frauenboxen wieder einen Schritt vorangekommen ist."

Mehr als neun Millionen Klitschko-Fans vor dem Bildschirm

Der neue WBO-Schwergewichts-Weltmeister hat eine große deutsche Fan-Gemeinde. Bis zu 9,39 Millionen Zuschauer verfolgten in der Nacht zum Sonntag den WM-Kampf des Ukrainers gegen Byrd im Fernsehen. Der TV-Sender Sat.1 erzielte nach eigenen Angaben mit der Box-Übertragung aus der Köln-Arena um 00.33 Uhr einen Spitzen-Marktanteil von 60,3 Prozent.

Ergebnisse von der Profiveranstaltung in Köln

WBO-Weltmeisterschaft Schwergewicht (12 Runden): Wladimir Klitschko (Hamburg) besiegt Chris Byrd (USA) nach Punkten (120:106, 118:108, 119:107)

Schwergewicht (4 Runden): Johan Thorbjornsson (Schweden) besiegt Lubomir Janota (Slowakei) durch technischen K.o. 2. Runde

Sinan Samil San (Hamburg) besiegt Vladimir Szabo (Slowakei) durch t.K.o. 2. Runde

Halbschwergewicht (8 Runden): Thomas Ulrich (Berlin) besiegt Ali Forbes (Großbritannien) n.P. Halbschwergewicht (6 Runden)

Ahmet Öner (Duisburg) besiegt Marek Svoren (Slowakei) durch K.o. 2. Runde Supermittelgewicht (6 Runden)

Jürgen Brähmer (Hamburg) besiegt Mario Montayne (Belgien) durch t.K.o. 3. Runde

Superweltergewicht (6 Runden): Hans Janssen (Niederlande) besiegt Lajos Patko (Ungarn) durch K.o. 4. Runde

Leichtgewicht (4 Runden): Geir Jorgensen (Norwegen) besiegt Vladimir Stano (Slowakei) n.P.

Federgewicht (8 Runden): Istvan Kovacs (Hamburg) besiegt Augustin Lorenzo (Mexiko) durch t.K.o. 1. Runde

Frauen; WIBF-Weltmeisterschaft Junior-Bantamgewicht (10 Runden): Daisy Lang (Düsseldorf) besiegt Brenda Lee Burnside (USA) n.P. (96:94, 100:91, 100:91)

(RPO Archiv)