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Wintersport-Saison 2020/21: Triumph auch im Vierer - Bob-König Friedrich holt elften WM-Titel

Wintersport-Telegramm 20/21 : Bob-König Friedrich holt elften WM-Titel

Wie läuft die Weltcup-Saison in den Disziplinen außerhalb von Ski Alpin, Skispringen und Biathlon? In unserem Wintersport-Telegramm halten wir Sie über alles Wichtige auf dem Laufenden.

Bob-Dominator Francesco Friedrich hat auf seiner Hausbahn auch in der Königsdisziplin triumphiert und damit sein elftes WM-Gold gewonnen. Der Doppel-Olympiasieger machte zum Abschluss der Weltmeisterschaft in Altenberg im großen Schlitten sein bereits viertes WM-Double in Serie perfekt - das schaffte keiner vor ihm.

Komfortable 79 Hundertstel betrug Friedrichs Vorsprung nach vier Läufen auf seinen österreichischen Kumpel Benjamin Maier, den der Sachse kurioserweise finanziell unterstützt. Der Vorjahreszweite Johannes Lochner kämpfte mit seinem Material, raste aber dennoch zur Bronzemedaille. Der dritte deutsche Starter Christoph Hafer verpasste als Sechster das Podest.

Zuvor hatten bei der WM-Premiere im Monobob der Frauen bereits Stephanie Schneider und Laura Nolte hinter Siegerin Kaillie Humphries Silber und Bronze gewonnen - zwei Medaillen, die angesichts der bislang wackligen deutschen Leistungen im Einzelschlitten nicht unbedingt eingeplant waren. "Wir haben unsere Ziele übertroffen", sagte Bundestrainer Rene Spies zufrieden.

Friedrichs Triumph im Vierer, der "Formel 1 des Winters", war hingegen abzusehen. Der Perfektionist, der sich bereits in der Vorwoche durch seinen Sieg im Zweier zum alleinigen Rekordweltmeister gekrönt hatte, ist seit nun fünf Großereignissen ungeschlagen. Ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking scheint die Konkurrenz angesichts dieser Dominanz machtlos.

Das zeigte sich auch am Wochenende im Osterzgebirge, wo der frühere Zehnkämpfer aus dem Altenberger Stadtteil Oberbärenburg wie im Vorjahr den Heimvorteil genoss - und ihn gnadenlos ausspielte. Friedrich konnte sich am Samstag sogar ein "Malheur am Start" erlauben, und trotzdem führte er dank einer perfekten Linie das Feld zur Halbzeit bereits mit 0,38 Sekunden an. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag er in der Endabrechnung nur mit fünf Hundertsteln vorn.

Im tückischen und 1413 m langen Eiskanal nutzte Friedrich am Sonntag mit seinen Anschiebern Thorsten Margis, Candy Bauer und Alexander Schüller all seine Erfahrung, der Vorsprung wuchs weiter. Noch vor dem abschließenden vierten Durchgang hatten die WM-Organisatoren die deutsche Flagge für die Siegerehrung am unteren Teil des Fahnenmastes angebracht.

Für Friedrich endete im bitterkalten Altenberg eine nahezu perfekte Saison. Nur einmal musste sich der 30-Jährige im kleinen Schlitten im Weltcup seinem Teamkollegen Lochner geschlagen geben. Ein Schönheitsfehler in seiner unglaublichen Bilanz, die in diesem Winter auch auf die Schwäche der Konkurrenz zurückzuführen ist. Die einzige große Bestmarke, die Friedrich noch fehlt, sind die vier Olympischen Goldmedaillen von Bob-Ikone Andre Lange.

Dieses Ziel kann der Rekordjäger in einem Jahr in Peking erreichen - und er arbeitet bereits jetzt mit Hochdruck daran. Die WM-Rennen im Vierer nutzte der Dominator auch, um einen potenziellen Olympia-Schlitten unter Wettkampfbedingungen auszutesten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Pechstein zum WM-Abschluss Zehnte über 5000 m, Beckert verpasst Medaille

Claudia Pechstein stützte die Hände auf die Oberschenkel, erschöpft glitt sie nach dem Zieleinlauf über das Eis: Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin hatte ihren anhaltenden Rückenproblemen zum Abschluss der Einzelstrecken-WM in Heerenveen ein letztes Mal getrotzt und mit dem zehnten Platz auf ihrer Paradestrecke ein weiteres Top-10-Resultat erreicht.

Am Sonntag beendete die 48-Jährige, die vor 25 Jahren in Hamar erste Einzelstrecken-Weltmeisterin über den "langen Kanten" geworden war, ihren Lauf in 7:09,172 Minuten. Mit der Entscheidung hatte Pechstein erwartungsgemäß nichts zu tun. Gold ging an die Niederländerin Irene Schouten (6:48,537). Für Pechstein war es die 20. Teilnahme an einer Einzelstrecken-WM.

Eis-Oldie Pechstein trat auf ihrer Paradestrecke im sechsten und letzten Paar gegen die Kanadierin Isabelle Weidemann an. Die 25-Jährige zog früh davon, Pechstein lief ihr eigenes, konstantes Rennen mit Rundenzeiten um 34 Sekunden. "Dass es mit dem Rücken durch die Wettkämpfe nicht besser wird, ist logisch. Eine Einschränkung war immer da", sagte Bundestrainer Helge Jasch dem SID: "Sie hat sich durchgekämpft."

Pechstein hatte bereits vor dem WM-Start über Rückenbeschwerden geklagt. Auf einen Einsatz auf ihrer Nebenstrecke 3000 m am Donnerstag verzichtete sie, in der Teamverfolgung verlor sie zum Ende des Laufs den Anschluss. Im Massenstart wurde Pechstein Neunte.

Ohne Medaille beendete Patrick Beckert die WM. Der Erfurter verpasste über 10.000 m in 13:12,277 Minuten als Neunter die Podestplätze. "Es hat ein bisschen die Wettkampfhärte gefehlt, gerade über 10.000 m", sagte Beckert, der den Blick bereits in Richtung Olympia 2022 in Peking richtete: "Wichtig ist es, im nächsten Jahr vorne zu sein." Zu seinen härtesten Rivalen dürfte auch dann Nils van der Poel zählen. Der siegreiche Schwede lief in 12:32,952 Minuten Weltrekord.

Beckert war auf der längsten Einzelstrecke bereits drei Mal WM-Dritter geworden. Durch die Corona-Pandemie war die Eisschnelllauf-Saison und auch seine Vorbereitung aber stark beeinträchtigt.

Schneider und Nolte holen Silber und Bronze bei WM-Premiere im Monobob

Stephanie Schneider (Oberwiesenthal) und Laura Nolte (Winterberg) haben den deutschen Pilotinnen bei der WM-Premiere im Monobob zwei Medaillen beschert. Beim Sieg der favorisierten US-Amerikanerin Kaillie Humphries gewann Schneider nach vier Läufen die Silbermedaille, Junioren-Weltmeisterin Nolte komplettierte als Dritte das Podest in Altenberg.

Hinter dem Podium sorgten Zweier-Olympiasiegerin Mariama Jamanka (Oberhof) als Vierte sowie die WM-Zweite Kim Kalicki (Wiesbaden) als Sechste für ein starkes deutsches Gesamtergebnis in der neuen olympischen Disziplin.

Zur Rennhalbzeit hatte Schneider als Führende noch auf den Sieg geschielt. Zweier-Weltmeisterin Humphries, die sich im ersten Lauf am Samstag einen Rückstand eingehandelt hatte, übernahm nach dem dritten Durchgang am Sonntag jedoch die Führung und gab diese bei eisigen Temperaturen nicht mehr her.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Monobobs der Frauen schon für die Winterspiele 2022 in Peking ins Programm aufgenommen. Unter anderem, um die Zahl der Olympiateilnehmerinnen zu erhöhen. Bei der WM in Sachsen wurden erstmals WM-Medaillen vergeben.

Um für die Pilotinnen eine ordentliche Vorbereitung zu gewährleisten, starteten die Einzelschlitten vor den Titelkämpfen in Altenberg in einer Weltserie, stets im Rahmenprogramm der größeren internationalen Events. Die deutschen Pilotinnen hatten sich dabei überwiegend schwer getan und keinen Sieg eingefahren.

+++++12. Februar 2021+++++

"Besonders ärgerlich" - Dufter nur 13. bei Eisschnelllauf-WM

Sprinter Joel Dufter hat bei der Eisschnelllauf-WM im niederländischen Heerenveen unter unglücklichen Bedingungen eine gute Platzierung über die 1000 m verpasst. Nach zwei Fehlstarts sowie der Disqualifikation seines Gegners und Mitfavoriten Thomas Krol (Niederlande) musste der Inzeller das Rennen alleine bestreiten und landete in 1:10,307 Minuten nur auf dem 13. Platz.

"Mir fehlt die Erfahrung, in einer solchen Situation noch ein sauberes Rennen zu laufen", sagte Dufter nach dem Rennen enttäuscht: "Die Form hat gepasst, darum ist Platz 13 sehr ärgerlich. Ich hätte heute weiter nach vorne laufen können, deswegen ist es besonders ärgerlich, dass so etwas bei einer WM passiert. Es waren zu viele negative Ereignisse auf einmal."

Dufter, der vor knapp einem Monat EM-Bronze geholt hatte, war am Vortag über die 500 m auf den neunten Platz gelaufen. Nico Ihle (Chemnitz), der bei der EM schwer gestürzt war und noch immer beeinträchtigt ist, wurde 20. (1:10,786). Den Titel holte sich der Niederländer Kai Verbij (1:08,052).

Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein (Berlin) erreichte bei ihrer 20. WM-Teilnahme eine Top-10-Platzierung im Massenstart der Frauen. Mit einer Zeit von 8:47,200 wurde die 48-Jährige trotz Rückenproblemen Neunte. Inline-Spezialistin Mareike Thum lief beim Sieg der Niederländerin Marijke Groenewoud auf den 13. Rang (8:50,600).

Drittes WM-Gold für Skeletonis – Grotheer/Hermann gewinnen im Mixed

Drittes WM-Gold für die deutschen Skeletonis und bereits der zweite Titel in Altenberg für die beiden Einzel-Weltmeister Christopher Grotheer (Oberhof) und Tina Hermann (Königssee): Hinter dem Team Deutschland I machten Jacqueline Lölling und Alexander Gassner (beide Winterberg) als Deutschland II im Mixed den Doppelsieg der Gastgeber perfekt. Insgesamt holte Deutschland damit sechs der neun vergebenen Medaillen.

Die WM fand wie schon im Vorjahr in Altenberg statt - und wieder gingen alle Siege an die Deutschen. Hermann feierte am Freitag das WM-Triple und verteidigte zum dritten Mal erfolgreich ihren Titel. Auch Grotheer wiederholte überraschend seinen Triumph von 2020. Lölling als Zweite bei den Frauen sowie Gassner als Dritter bei den Männern sorgten für weitere WM-Medaillen.

Das nicht olympische Mixed-Rennen ersetzte in Altenberg zum zweiten Mal den Team-Wettbewerb, der von 2007 bis 2019 bei Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften ausgetragen wurde. Dabei waren jeweils zwei Skeleton- und Bobpiloten gemeinsam angetreten.

+++++12. Februar 2021+++++

Hermann zum vierten Mal Skeleton-Weltmeisterin

Tina Hermann (Königssee) ist dank eines herausragenden Finales zum dritten Mal in Serie Skeleton-Weltmeisterin. Die 28-Jährige setzte sich am Freitag nach vier Läufen in Altenberg durch, erst im letzten Durchgang verdrängte sie ihre Teamrivalin Jacqueline Lölling (Winterberg) auf Rang zwei. Elf Hundertstelsekunden trennten die beiden besten Pilotinnen der vergangenen Jahre, Dritte wurde die Russin Jelena Nikitina mit bereits 1,6 Sekunden Rückstand.

"Es war sehr, sehr spannend, ich konnte heute nochmal zeigen, wo ich wirklich hingehöre", sagte Hermann, "der erste Lauf gestern war ja eine Katastrophe."

Denn Hermann hätte die Chance auf ihren insgesamt vierten WM-Titel nach 2016, 2019 und 2020 beinahe mit einem ganz schwachen Auftakt weggeschmissen, bei Temperaturen um minus neun Grad Celsius verlor sie mehr als eine halbe Sekunde auf die Spitze. In den Durchgängen zwei bis vier legte Hermann aber jeweils die Bestzeit hin und fing Lölling damit noch ab.

Sophia Griebel (Suhl) als Vierte und Junioren-Weltmeisterin Hannah Neise (Winterberg) auf Platz sieben komplettierten das starke deutsche Ergebnis.

Für die beiden besten deutschen Frauen war es der fünfte Weltmeister-Titel in Serie, 2017 hatte Lölling WM-Gold gewonnen. In der zurückliegenden Weltcup-Saison tat sich das Duo allerdings schwer. Lölling gewann lediglich ein Rennen und holte zudem einen dritten Platz, Hermann war bis Freitag sogar sieglos geblieben - und gewann nun das wichtigste Rennen des Winters.

Hermanns Geschichte ist auch deshalb eine besondere, weil sie weiterhin von Ex-Bundestrainer Dirk Matschenz betreut wird. Der 41-Jährige ist hauptberuflich nicht mehr für das deutsche Team zuständig, er arbeitet nun für Hauptkonkurrent Russland.

Den Gesamtweltcup in diesem Winter hatte Janine Flock souverän gewonnen, die Österreicherin landete in Altenberg aber nur auf dem völlig enttäuschenden 16. Platz.

Deutsche Snowboarder sagen Team-Mixed-Teilnahme bei WM ab

Die deutschen Snowboardcrosser haben ihren Start im Teamwettbewerb der Weltmeisterschaften kurzfristig abgesagt. Weil sich Jana Fischer bei den Titelkämpfen im schwedischen Idre Fjäll im Einzelevent eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen hatte, kann sie an diesem Freitag nicht zusammen mit Martin Nörl in der Mixed-Staffel antreten. Das gab Snowboard Germany wenige Stunden vor dem Start bekannt. Die Sportlerin vom SC Löffingen in Baden-Württemberg hatte sich am Donnerstag bei einem Sturz verletzt.

„Über Nacht ist ihr Zustand nicht besser geworden. Im Sinne der Gesundheit haben wir gemeinsam mit der Athletin und dem Teamarzt diese Entscheidung gefällt“, sagte Chefcoach Bernard Loer. Vor zwei Jahren hatte das deutsche Team mit Paul Berg und der aktuell verletzten Hanna Ihedioha WM-Bronze geholt. Nörl (Adlkofen) und Berg (Konstanz) waren am Donnerstag Fünfte und Sechste geworden.

+++++11. Februar 2021+++++

Patrick Beckert überzeugt bei Eisschnelllauf-WM mit Platz neun

Patrick Beckert hat sich mit einem soliden WM-Rennen auf schwerem Eis Schwung für seine Spezialstrecke über 10 000 Meter geholt. In der ersten Herren-Entscheidung bei den Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften in Heerenveen lief der 30 Jahre alte Erfurter am Donnerstag über 5000 Meter in 6:21,46 Minuten auf den neunten Platz.

„Der Rennablauf war für mich schwierig einzuschätzen, weil ich schon im zweiten Paar auf das Eis musste“, sagte der Thüringer, der mit Bronze über 10 000 Meter vor einem Jahr die einzige WM-Medaille für den deutschen Verband erkämpft hatte. „Dennoch war es ein guter Lauf“, fügte er hinzu.

Zuvor hatte Mareike Thum bei ihrem WM-Debüt für eine positive Überraschung gesorgt. In Abwesenheit der an Rückenproblemen laborierenden Claudia Pechstein blieb die Inlineskate-Weltmeisterin aus Darmstadt in 4:08,38 Minuten über 3000 Meter erstmals unter 4:10 Minuten und verbesserte ihre erst elf Tage alte Bestzeit gleich um 1,68 Sekunden. „Ich stehe jetzt erst im dritten Jahr auf dem Eis. Da denke ich, dass ich mich über diesen Rang nicht beschweren kann“, sagte die 29-Jährige. Allerdings erinnere sie die WM „an ein Trainingsrennen, weil keine Zuschauer zugelassen sind“, sagte Thum.

Erstmals holte sich Antoinette de Jong aus den Niederlanden in 3:58,47 Minuten den Titel mit 0,1 Sekunden vor der dreimaligen Olympiasiegerin Martina Sablikova. De Jong verhinderte damit, dass die Tschechin mit ihrem 22. WM-Titel zur alleinigen Rekord-Weltmeisterin aufstieg. Mit je 21 Titeln haben sie und die Niederländerin Ireen Wüst diese Top-Position weiter gemeinsam inne.

+++++6. Februar 2021+++++

Bob-Pilot Friedrich gewinnt Zweier-Gold und ist alleiniger Rekordweltmeister

Francesco Friedrich (Oberbärenburg) hat seinen zehnten WM-Titel gewonnen und sich damit zum alleinigen Bob-Rekordweltmeister gekrönt. Der Doppel-Olympiasieger triumphierte bei der Heim-Weltmeisterschaft im sächsischen Altenberg mit Anschieber Alexander Schüller im Zweier-Rennen und führte mit deutlichem Vorsprung einen deutschen Dreifachsieg vor Johannes Lochner (Stuttgart/+2,05 Sekunden) und WM-Debütant Hans Peter Hannighofer (Oberhof/+2,23) an.

Der 30-jährige Friedrich stellte mit dem Triumph auf seiner Heimbahn Eugenio Monti in den Schatten, der Italiener hatte seine neun WM-Titel vor rund 60 Jahren gefeiert. Friedrich gewann zudem seinen siebten WM-Titel im kleinen Schlitten in Serie, er baute damit seinen eigenen Rekord aus.

Lochner, in diesem Jahr mit Eric Franke am Start, wiederholte seine Silbermedaille aus dem Vorjahr. Junioren-Weltmeister Hannighofer schob sich im letzten Durchgang mit Christian Röder noch vor den Schweizer Michael Vogt auf den Bronzerang. Der vierte deutsche Starter Christoph Hafer (Bad Feilnbach) rundete mit Christian Hammers als Siebter das gute deutsche Gesamtergebnis ab.