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Wintersport-Saison 2020/21: Geisenberger meldet sich mit Jubiläums-Sieg zurück

Wintersport-Telegramm 20/21 : Geisenberger meldet sich mit Jubiläums-Sieg zurück

Wie läuft die Weltcup-Saison in den Disziplinen außerhalb von Ski Alpin, Skispringen und Biathlon? In unserem Wintersport-Telegramm halten wir Sie über alles Wichtige auf dem Laufenden.

Zwei Wochen vor der Heim-WM ist der Knoten bei Natalie Geisenberger (Miesbach) mit einem lauten Knall geplatzt. Nach acht zweiten Plätzen in acht Saisonrennen feierte die einstige Dominatorin in Oberhof ihren ersten Sieg nach der Rückkehr aus der Babypause, den ersten seit 694 Tagen - und ganz nebenbei ihren 50. im Weltcup.

Die Olympiasiegerin gewann am Sonntag mit mehr als zwei Zehntelsekunden Vorsprung vor der Österreicherin Madeleine Egle und ihrer überraschend starken Teamkollegin Anna Berreiter (Berchtesgaden). Vizeweltmeisterin Julia Taubitz (Oberwiesenthal) musste sich im Kampf um das Podest auf der Heimbahn dagegen auch der internationalen Konkurrenz geschlagen geben. Sie wurde Fünfte hinter Europameisterin Tatjana Iwanowa aus Russland.

Im Endspurt zur WM auf ihrer Hausbahn am Königssee (29. bis 31. Januar) schüttelte Geisenberger damit doch noch den Status als "ewige" Zweite ab - der ja eigentlich gar kein Makel war: Erst im Mai hatte die 32-Jährige ihren ersten Sohn zur Welt gebracht und war gleich mit Saisonstart Ende November äußerst konkurrenzfähig.

Nach mehr als einjähriger Pause schloss sie acht Rennen inklusive der EM auf Rang zwei ab. In der Gesamtwertung führt Geisenberger dank ihrer Konstanz vor Taubitz, die in dieser Saison bereits fünfmal gewann.

Die Vorzeichen für die WM sind aus deutscher Sicht blendend. Denn Felix Loch, in den vergangenen Jahren regelmäßig zu langsam für die Weltspitze, zeigt in diesem Winter altbekannte Dominanz - oder sogar etwas mehr. Am Samstag holte er im siebten Einzel-Rennen des Winters den siebten Sieg. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es am Stück schon mal so gelaufen ist", sagte Loch in der ARD.

Nur die deutschen Doppelsitzer mussten sich erneut den in dieser Saison so starken Österreichern Thomas Steu/Lorenz Koller geschlagen geben. Die Gesamtführenden feierten ihren vierten Saisonsieg und ließen die Olympiasieger Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) um neun Tausendstelsekunden hinter sich.

Schneider gewinnt, deutsche Frauen weiter ungeschlagen

Bei ihrem zweiten Weltcupstart in diesem Winter hat Stephanie Schneider ihren zweiten Sieg eingefahren. Mit Bahnbestzeit im zweiten Lauf fuhr die Pilotin vom WSC Oberwiesenthal am Sonntag mit ihrer Winterberger Anschieberin Leonie Fiebig noch auf Rang eins und verwies mit 0,08 Sekunden Vorsprung Elana Meyers-Taylor aus den USA auf Platz zwei. Dritte wurde die Schweizerin Melanie Hasler vor Olympiasiegerin Mariama Jamanka (BRC Thüringen), die zusammen mit Vanessa Mark (TuS Wiesbaden) fuhr und nach dem ersten Durchgang in Führung lag. Laura Nolte aus Winterberg kam mit der Potsdamerin Deborah Levi auf Platz sechs.

+++++16. Januar 2021+++++

Loch in überragender Form

Rekordweltmeister Felix Loch (Berchtesgaden) dominiert die Rodel-Welt auf dem Weg zu seiner Heim-WM weiter nach Belieben. Der 31-Jährige gewann am Samstag auch den Weltcup in Oberhof und feierte damit im siebten Einzel-Rennen des Winters den siebten Sieg. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es am Stück schon mal so gelaufen ist", sagte Loch in der ARD.

Erneut war es zudem ein sehr deutlicher Erfolg: Der Vorsprung auf den zweitplatzierten Österreicher Jonas Müller betrug nach zwei Läufen rund zweieinhalb Zehntelsekunden. Die folgenden Konkurrenten lagen nur wenige Hundertstel auseinander.

Dritter wurde Olympiasieger David Gleirscher (Österreich). Der Olympia-Dritte Johannes Ludwig (Oberhof) verpasste auf seiner Heimbahn als Vierter knapp das Podest, Max Langenhan (Friedrichroda) wurde Fünfter. Auch Lochs erster Sieg im Gesamtweltcup seit 2018 ist nur noch theoretisch zu verhindern.

Die deutschen Doppelsitzer mussten sich erneut den in diesem Winter so starken Österreichern Thomas Steu/Lorenz Koller geschlagen geben. Die Gesamtführenden feierten ihren vierten Saisonsieg und ließen die Olympiasieger Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) um neun Tausendstelsekunden hinter sich. Die Weltmeister Toni Eggert/Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl) verspielten auf ihrer Heimbahn mit einem schwächeren zweiten Lauf ihre Chance auf das Podest und wurden Vierte.

Schon in zwei Wochen steigt die WM auf Lochs Hausbahn am Königssee, alles andere als ein Sieg des sechsmaligen Champions wäre eine große Überraschung. Loch ist im normalen Weltcup-Format in diesem Winter ungeschlagen. Einzig den Sprint von Winterberg, der mit nur einem verkürzten Lauf ausgetragen wird, hat er nicht gewonnen.

Nach äußerst schwankenden Leistungen seit etwa 2016 knüpft Loch in dieser Saison erstmals wieder an die Dominanz der vorangegangenen Jahre an - oder übertrifft diese sogar. "Diese Serie ist unglaublich, ich freue mich brutal für den Felix, dass er so zurückgekommen ist", sagte Trainer und Förderer Georg Hackl, einst selbst dreimaliger Olympiasieger: "Wir haben in den vergangenen Jahren und Monaten viel analysiert, und er hat zu seinen alten Tugenden zurückgefunden. Er liegt flach auf dem Schlitten und startet unglaublich schnell."

Erst am vergangenen Wochenende hatte Loch sich auf der schwierigen Bahn im lettischen Sigulda den EM-Titel zurückgeholt. Vor der WM (29. bis 31. Januar) steigt am kommenden Wochenende noch der Weltcup in Innsbruck-Igls.

Neunter Zweierbob-Sieg: Friedrich in St. Moritz nicht zu schlagen

Francesco Friedrich obenauf, nur Johannes Lochner kann ansatzweise folgen: Knapp drei Wochen vor der WM in Altenberg scheinen die Machtverhältnisse im Zweierbob zementiert. Friedrich (Oberbärenburg) gewann am Sonntag mit Anschieber Alexander Schüller auch den prestigeträchtigen Weltcup auf der Natureisbahn in St. Moritz und feierte damit beim zehnten Rennen im kleinen Schlitten seinen neunten Sieg.

"Wir versuchen uns einfach immer wieder zu steigern, unsere Leistung und auch das Material zu verbessern", sagte Friedrich über mögliche Gründe für seine Überlegenheit: "Vielleicht sind wir akribischer als die anderen, vielleicht liegt es daran."

Nur Lochner (Stuttgart) hat Friedrich in diesem Winter einmal geschlagen, mit Anschieber Candy Bauer und fast einer halben Sekunde Rückstand landete er am Samstag auf Rang zwei - sein neunter Podestrang des Winters. Dritter wurde der Kanadier Justin Kripps mit bereits knapp einer Sekunde Rückstand auf Friedrich. Hans-Peter Hannighofer (Oberhof) überzeugte mit Anschieber Marcel Kornhardt in seinem erst dritten Weltcup als Vierter.

Friedrich lässt der Konkurrenz im Zweierbob, seit Jahren seine Spezialdisziplin, damit weiter keine Chance. Die WM steigt in der ersten Februarhälfte zudem auf seiner Heimbahn in Altenberg. Erst seit dem Jahreswechsel sind auch die nordamerikanischen Schlitten wieder dabei, Co-Olympiasieger Kripps war stets einer der größten Konkurrenten für den Sachsen. Auch der Kanadier kann Friedrich aber zumindest in seiner derzeitigen Form nicht gefährlich werden.

+++++15. Januar 2021+++++

Gassner und Hermann holen Skeleton-Doppelsieg in St. Moritz

Alexander Gassner (Winterberg) und Tina Hermann (Königssee) haben in St. Moritz für die beiden ersten deutschen Siege in diesem Skeleton-Winter gesorgt. Der WM-Dritte Gassner überraschte beim prestigeträchtigen Rennen auf der Natureisbahn mit dem ersten Weltcup-Erfolg seiner Karriere und ließ dabei sogar Dominator Martins Dukurs (Lettland) denkbar knapp hinter sich: Der Rekordweltmeister hatte nach zwei Läufen eine Hundertstelsekunde Rückstand.

"Es war so ein schwieriges Rennen, es hat die ganze Zeit geschneit, es war supereng und superspannend", sagte Gassner mit Tränen in den Augen: "Ich habe versucht, möglichst viel Geschwindigkeit in den unteren Teil der Bahn zu bringen, das hat super funktioniert."

Olympiasieger Yun Sungbin (Südkorea/+0,47) hatte als Dritter schon fast eine halbe Sekunde Rückstand. Weltmeister Christopher Grotheer (Oberhof/+0,72) und Junioren-Weltmeister Felix Keisinger (Königssee/+0,97) holten die Plätze sechs und sieben.

Gassners Premierensieg nach fast zehn Jahren im Weltcup kommt überraschend, aber nicht völlig aus dem Nichts. Der 31-Jährige fährt die bislang stärkste Saison seiner Karriere und stand in diesem Winter nun bereits zum dritten Mal auf dem Podest. In der Gesamtwertung ist Gassner Zweiter hinter Dukurs.

Einige Erfahrung mit Siegen auf hohem Niveau hat Weltmeisterin Hermann, in diesem Winter war es nun aber auch für die deutschen Frauen der erste Erfolg. Die 28-Jährige vom Königssee setzte sich mit einem ganz starken zweiten Lauf vor der Österreicherin Janine Flock durch. Die Olympia-Zweite Jacqueline Lölling und Hannah Neise (beide Winterberg) komplettierten das starke deutsche Ergebnis mit den Rängen drei und vier.

+++++11. Januar 2021+++++

Claudia Pechstein nicht im EM-Aufgebot der Eisschnellläufer

Die Eis-Sprinter Nico Ihle und Joel Dufter führen das deutsche Aufgebot für die Eisschnelllauf-Europameisterschaften in Heerenveen am 16./17. Januar an. Der Chemnitzer Ex-Vize-Weltmeister Nico Ihle war am Wochenende in Erfurt in 35, 41 Sekunden über 500 Meter und 1:09,47 Minuten über 1000 Meter ansprechende Zeiten gelaufen. Der Inzeller Dufter, der WM-Achte des Vorjahres, war wie Ihle für die EM gesetzt, verzichtete am Wochenende auf Starts. Komplettiert wird das deutsche EM-Aufgebot im Sprint-Vierkampf durch den Münchner Hendrik Dombek und die Inzellerin Katja Franzen.

Die 48 Jahre alte Claudia Pechstein verzichtet auf einen EM-Start im parallel ausgetragenen Mehrkampf der Allrounder. Am Start stehen für Deutschland die frühere Inlineskate-Weltmeisterin Mareike Thum aus Darmstadt und Leia Behlau aus Inzell. Für den Herren-Vierkampf wurde der 20 Jahre alte Erfurter Konstantin Götze nominiert.

Die Titelkämpfe finden in einer insgesamt fünfwöchigen „Blase“ unter strengen Hygiene-Bedingungen statt. Nach der EM werden zwei Weltcup-Veranstaltungen an den darauffolgenden Wochenenden und die Einzelstrecken-WM vom 11.-14. Februar in der Thialf-Halle ausgetragen. Die Berlinerin Pechstein und der WM-Dritte Patrick Beckert aus Erfurt werden bei den Weltcuprennen ihre ersten internationalen Wettkämpfe in diesem Winter bestreiten. Insgesamt wurden zwölf deutsche Athleten für diese Rennen nominiert. Der Verband hatte es den Sportlern freigestellt, ob sie bei den Rennen unter diesen erschwerten Bedingungen an den Start gehen möchten.

+++++10. Januar 2021+++++

Natalie Geisenberger holt auch bei der EM Silber - Francesco Friedrich bricht Lange-Rekord

Natalie Geisenberger (Berchtesgaden) wird den Status als "ewige" Zweite nach ihrer Rückkehr aus der Babypause einfach nicht los. Auch bei der Europameisterschaft auf der schwierigen Bahn in Sigulda rodelte die 32-Jährige auf den Silberrang, es war ihr achter zweiter Platz im achten Saisonrennen. Nach dem ersten Lauf hatte sie mit fünf Tausendstelsekunden geführt, am Ende standen fünf Hundertstel Rückstand auf die russische Titelverteidigerin Tatjana Iwanowa.

"Tatjana ist immer stark und hier in Sigulda besonders, das ist quasi ihre Heimbahn", sagte Geisenberger, die im Mai erstmals Mutter geworden war, "ich bin glücklich mit Silber. Ich habe noch viel zu tun und viel aufzuholen. Aber wo ich jetzt schon stehe, das macht mich stolz."

Dritte der EM, die im Rodelsport stets auch als Weltcup gewertet wird, wurde die Russin Wiktoria Demtschenko. Vizeweltmeisterin Julia Taubitz (Oberwiesenthal), in dieser Saison schon fünfmal siegreich, verpasste als Vierte knapp das Podest. In der Gesamtwertung führt Geisenberger dank ihrer Konstanz knapp vor Taubitz (680:651 Punkte).

Die Bayerin hatte die vergangene Saison ausgelassen, im Mai kam ihr Sohn zur Welt. In diesem Winter war die Olympiasiegerin dann vom Start weg konkurrenzfähig, der 50. Weltcup-Sieg lässt nun aber bald zwei Jahre auf sich warten: Am 23. Februar 2019 gewann sie im russischen Sotschi zuletzt ein Rennen. Die Voraussetzungen am Sonntag waren allerdings schwierig, auf der Bahn in Sigulda tun sich die deutschen Schlitten traditionell vor allem gegen die Russen schwer.

Knapp drei Wochen vor den Weltmeisterschaften am Königssee (29. bis 31. Januar) sorgte Geisenberger mit EM-Silber dennoch für ein gutes deutsches Teamergebnis: Am Samstag hatte Rekordweltmeister Felix Loch (Berchtesgaden) seine beeindruckende Form bestätigt und sich den EM-Titel nach vier Jahren zurückgeholt. Der Olympia-Dritte Johannes Ludwig (Oberhof) wurde starker Zweiter.

Bei den Doppelsitzern waren Andris und Juris Sics auf ihrer Heimbahn nicht zu schlagen, die Olympiasieger Tobias Wendl und Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) landeten aber mit nur 29 Tausendsteln Rückstand auf Rang zwei. Die Weltmeister Toni Eggert und Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl) waren nach einem Sturz im ersten Lauf abgeschlagen.

+++++10. Januar 2021+++++

Friedrich holt EM-Titel im Vierer und bricht Lange-Rekord

Olympiasieger Francesco Friedrich (Oberbärenburg) hat erstmals den EM-Titel im Viererbob gewonnen und ist damit nun offiziell erfolgreichster Pilot der Weltcup-Geschichte. Der Rekordweltmeister setzte sich am Sonntag in Winterberg mit fast sechs Zehntelsekunden Vorsprung auf den Kanadier Justin Kripps durch. Benjamin Maier aus Österreich wurde Dritter und holte damit EM-Silber: Die Europameisterschaft wird im Bobsport stets auch als Weltcup gewertet, für das EM-Ergebnis werden die Nicht-Europäer aus der Wertung genommen.

Friedrich hatte schon mit seinem Zweierbob-Erfolg am Samstag Andre Langes bisherige Bestmarke von 45 Weltcupsiegen erreicht. Am Sonntag ließ der Sachse den viermaligen Olympiasieger nun hinter sich.

In Winterberg wurde Christoph Hafer (Bad Feilnbach) Sechster, Fünfter der EM-Wertung. Ein wenig enttäuschend verlief der Sonntag indes für Johannes Lochner. Der Bayer, zuletzt viermal in Serie Vierer-Europameister, verpatzte den ersten Lauf und wurde am Ende EM-Vierter.

Bei den Frauen hatte am Samstag Shootingstar Laura Nolte ihren Höhenflug fortgesetzt. Die 22-Jährige gewann den EM-Titel auf ihrer Heimbahn und führte dabei einen deutschen Dreifachsieg an: Kim Kalicki (Wiesbaden) wurde Zweite vor Olympiasiegerin Mariama Jamanka (Oberhof). Die Österreicherin Katrin Beierl fuhr zeitgleich mit Jamanka ebenfalls zu Bronze.

Das Wochenende stellte in zweifacher Hinsicht eine Saisonpremiere dar. Erstmals wurde auch im Vierer gefahren, zudem waren erstmals die Piloten aus Nordamerika am Start. Nach Friedrichs geradezu erdrückender Dominanz im Zweier (acht Siege in neun Saisonrennen) hoffte die Konkurrenz auf einen engeren Wettbewerb im großen Schlitten, doch Friedrich gab sich auch hier keine Blöße.

Kripps, in der Vergangenheit einer der stärksten in der Königsdisziplin, zeigte sich allerdings auf Anhieb konkurrenzfähig und könnte bis zur WM im Februar in Altenberg noch zulegen.

+++++9. Januar 2021+++++

Friedrich holt mit EM-Titel und 45. Weltcup-Sieg nächsten Bob-Rekord