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Wintersport: Die Halbzeitbilanz für Biathlon, Skispringen, Nordische Kombination und Co.

Von Biathlon bis Skispringen : Die deutsche Halbzeitbilanz des Winters

In den wichtigsten Wintersport-Disziplinen ist die Saison grob zur Hälfte absolviert. Was gut lief, was schlecht lief – und wie die Aussichten für den Rest der mit Höhepunkten gespickten Saison sind. Ein Überblick.

Biathlon

  • Das lief gut: Anders als in den vorherigen Wintern brauchten die deutschen Athleten keine Anlaufzeit. Erik Lesser und Denise Herrmann stürmten gleich zum Start auf das Podest. Insgesamt gelangen bislang acht Stockerlplätze, drei in der Staffel und fünf im Einzel. Das sind zwei mehr als im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt. Das Highlight setzte Arnd Peiffer mit seinem Sieg im Massenstart von Hochfilzen.
  • Das lief schlecht: Schlecht für die Deutschen ist die beeindruckende Dominanz der Norweger. Aus eigener Kraft können die DSV-Athleten nur schwer aufs Podest laufen, auf der Strecke ist der Rückstand zu den Besten enorm. Auch im Schießen sind nach der Verpflichtung von Trainer Engelbert Sklorz die Fortschritte nicht so groß wie erhofft. Hauptproblem ist die fehlende Konstanz, vor allem bei Vorzeigeathletin Denise Herrmann.
  • So sind die Aussichten: Punktuell sind die deutschen Biathleten zu Großem fähig, doch derzeit deutet wenig auf einen Medaillenregen bei der WM in Pokljuka Mitte Februar hin. In den Einzelrennen werden die deutschen Skijäger wohl auf Fehler anderer angewiesen sein. In den Staffeln ist Edelmetall möglich, der Titel scheint aber außer Reichweite.

Bob

  • Das lief gut: Francesco Friedrich, Francesco Friedrichs Crew und Francesco Friedrichs Schlitten. Der Rekordweltmeister gewann im Zweier und im Vierer bislang jedes Rennen bis auf eines - in diesem holte Teamkollege Johannes Lochner den Sieg. Auch bei den Frauen stand immer eine Deutsche ganz oben, drei Pilotinnen teilten sich die Siege auf.
  • Das lief schlecht: Schlecht für den Sport ist, dass die anderen Nationen derzeit nicht an die deutschen Bobs herankommen. Und ebenfalls nicht förderlich für die Spannung ist, dass innerhalb des deutschen Teams niemand Friedrich das Wasser reichen kann.
  • So sind die Aussichten: Die nächsten Friedrich-Festspiele sind zu erwarten, denn die WM (1. bis 14. Februar) findet wie schon im vergangenen Winter auf seiner Hausbahn in Altenberg statt - Corona macht's möglich. Im Zweier scheint das Ergebnis festzustehen, einzig im Vierer darf die Konkurrenz ein kleines bisschen hoffen.

Eiskunstlauf

  • Das lief gut: wenig bis gar nichts. Wegen der Coronavirus-Pandemie konnten nur vier der sechs Grand-Prix-Wettbewerbe ausgetragen werden. Die deutschen Meisterschaften fanden immerhin statt, litten aber unter vielen Absagen. Mangels Teilnehmern fiel die Paarlauf-Konkurrenz sogar komplett aus.
  • Das lief schlecht: Das Grand-Prix-Finale, im Dezember als vorolympischer Test in Peking geplant, wurde ebenso abgesagt wie die Europameisterschaften im Januar in Zagreb.
  • So sind die Aussichten: Der Eislauf-Weltverband ISU hofft noch auf eine Austragung der Welttitelkämpfe Ende März in Stockholm. Denn in der schwedischen Hauptstadt soll ein Großteil der Olympiatickets für 2022 vergeben werden. Eine Entscheidung, ob die WM veranstaltet werden kann oder nicht, soll bis zum Ende des Monats fallen.

Nordische Kombination

  • Das lief gut: Mit zwei Siegen durch Vinzenz Geiger und vier verschiedenen Athleten auf dem Podest in fünf Rennen sind die DSV-Kombinierer nach der schwachen Saison 2019/20 wieder auf dem Weg zu alter Stärke. Der Rückstand auf Norwegens Topstar Jarl-Magnus Riiber ist geringer geworden.
  • Das lief schlecht: Auch unter dem neuen Sprungtrainer Heinz Kuttin sind die Leistungen auf der Schanze noch viel zu wechselhaft. Vor allem Doppel-Olympiasieger Johannes Rydzek hat Kuttin noch nicht wieder zurück in die Spur gebracht. Im ersten Frauen-Weltcup der Geschichte blieben die deutschen Starterinnen ein Stück hinter der Weltspitze zurück.
  • So sind die Aussichten: Bei der WM in Oberstdorf (23. Februar bis 7. März) ist die Medaillen-Wahrscheinlichkeit in jedem Rennen hoch. Für Titel müssen aber die Norweger und vor allem Riiber einen schwächeren Tag erwischen.

Rodeln

  • Das lief gut: Das Tief der vergangenen Jahre bei den Männern scheint durchgestanden - und das liegt an Felix Loch. Nach vier äußerst schwankenden Wintern gewinnt er plötzlich wieder Rennen um Rennen. Das deutlich breitere Feld bei den Frauen wird in dieser Saison wieder durch die einstige Dauersiegerin Natalie Geisenberger verstärkt. Die hat nach ihrer Babypause zwar noch kein Rennen gewonnen, dafür aber jedes einzelne auf Rang zwei beendet.
  • Das lief schlecht: Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann höchstens das Abschneiden der Doppelsitzer. Die fahren bislang nicht wie sonst alles in Grund und Boden, müssen sich immer wieder starker Konkurrenz aus Österreich und Lettland geschlagen geben. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau.
  • So sind die Aussichten: Der Höhepunkt der Saison steigt am Königssee, auf der Heimbahn von Loch, Geisenberger und Co. findet Ende Januar die WM statt - und damit ist nichts anderes zu erwarten als ein (Gold-)Medaillenregen.

Ski Alpin

  • Das lief gut: Linus Straßer ist mit einem Sieg und einem zweiten Platz im Slalom der Durchbruch in die Weltklasse gelungen. Hinzu kamen Top-Ten-Platzierungen für die Abfahrer Romed Baumann und Andreas Sander sowie Riesenslalom-Fahrer Alexander Schmid. Kira Weidle tastet sich in der Abfahrt an die Weltspitze heran.
  • Das lief schlecht: Der Rücktritt von Viktoria Rebensburg vor der Saison. Die Hüftoperation von Abfahrer Thomas Dreßen vor Saisonbeginn. Die Verletzungen von Riesenslalom-Fahrer Stefan Luitz und zahlreichen Nachwuchsfahrerinnen.
  • So sind die Aussichten: Bei der WM in Cortina d'Ampezzo/Italien (ab 8. Februar) gehört derzeit nur Straßer zu den Anwärtern auf eine Medaille, zumal dort erstmals auch der Parallel-Slalom auf dem Programm steht. Mittel- und langfristig sind die Aussichten eher durchwachsen: Zu viel hängt von der nicht einzuschätzenden Entwicklung der jungen FahrerInnen ab, zu viel auch von nicht einkalkulierten Verletzungen (siehe Dreßen).

Skilanglauf

  • Das lief gut: Bei der Tour de Ski zeigte sich das deutsche Team nach mäßigem Saisonauftakt stark verbessert. Katharina Hennig lief in Val di Fiemme auf das Podest und wurde Gesamtachte, auch die Männer um Lucas Bögl und Janosch Brugger kommen in Form. Allerdings fehlten bei der Tour sämtliche Norweger, was die deutschen Ergebnisse relativiert.
  • Das lief schlecht: Den entscheidenden großen Schritt im dritten Jahr unter Bundestrainer Peter Schlickenrieder machte das deutsche Loipenteam nicht. Großes Sorgenkind ist der Sprint, noch vor wenigen Jahren mit Assen wie Denise Herrmann, Sandra Ringwald oder Josef Wenzl eine deutsche Stärke.
  • So sind die Aussichten: An einem Traumtag könnte die Frauenstaffel bei der WM in Oberstdorf um eine Medaille mitlaufen. Ansonsten sind Top-10-Plätze das höchste der Gefühle.

Skispringen

  • Das lief gut: Karl Geiger wurde Skiflug-Weltmeister und glänzte als Zweiter der Vierschanzen-Tournee, Markus Eisenbichler gewann zwei Weltcups - das Topduo der DSV-Adler gehört zum Allerfeinsten. Dahinter etablierte sich Pius Paschke im reifen Alter von 30 Jahre als deutsche Nummer drei, Youngster Martin Hamann entwickelte sich zum Top-15-Springer.
  • Das lief schlecht: Geiger und Eisenbichler waren zu oft Alleinunterhalter. Hochdekorierte Springer der vergangenen Dekade haben längst nicht mehr das alte Niveau (Freund, Freitag) oder sind dramatisch außer Form (Wellinger). Eine ganz frustrierende Saison erleben die Skispringerinnen: Aus Pandemie-Gründen fand nur ein einziger Wettkampf statt.
  • So sind die Aussichten: Bei der WM in Oberstdorf gehören Geiger und Eisenbichler zu den Favoriten. Aufgrund der Schwächen in der zweiten Reihe geht es im Team wohl maximal um Bronze hinter Polen und Norwegen. Die Frauen haben im Team die größten Chancen. Nach den bisherigen Eindrücken sind Katharina Althaus und Co. im Einzel Außenseiter.

Snowboard

  • Das lief gut: Die Raceboarderinnen Ramona Hofmeister und Selina Jörg sind auch in diesem Winter verlässliche Podium-Garantinnen. Auch die "zweite Garde" um Cheyenne Loch erfüllt die Erwartungen. Freestylerin Annika Morgan überzeugte mit einem Finalplatz am Kreischberg.
  • Das lief schlecht: Die Männer um den zweimaligen WM-Dritten Stefan Baumeister warten noch aufs erste Stockerl. Die coronabedingte Absage der WM in China nimmt den AthletInnen wohl den Saisonhöhepunkt.
  • So sind die Aussichten: Aus deutscher Sicht gut, auch der Nachwuchs und verbesserte Trainingsmöglichkeiten geben Anlass zur Hoffnung. Insgesamt aber auch etwas düster: Dass es bislang nicht gelang, einen Ersatzort für die Titelkämpfe zu finden, ist ein Desaster.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Kader der deutschen Biathletinnen

(kron/SID)