Ex-Dopingsünder: Wassilijew nun im Favoritenkreis

Ex-Dopingsünder : Wassilijew nun im Favoritenkreis

Oberstdorf (RPO). Als Dimitri Wassilijew sensationell auf Platz drei beim Tournee-Auftaktspringen geflogen war, ertönte aus dem Handy von Ex-Bundestrainer Wolfgang Steiert die russische Nationalhymne. Nach dem ganz speziellen Klingelton meldete sich der Deutschland-Chef von Skisprung-Großsponsor Gazprom.

"Sie haben gesagt, dass Dimitri einen Wunsch frei hat. Laptop, Auto - egal", berichtete Chefcoach Steiert. Spätestens nach dem live im russischen TV von einem zweistelligen Millionenpublikum verfolgten Triumph darf sich der Schwarzwälder als Skisprung-Zar fühlen.

Das Geschenk brachte die Augen des ehemaligen Dopingsünders Wassilijew genauso zum Strahlen wie das Versprechen des Geldgebers, beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen mit dem Mannschaftsbus von Schalke 04 vorfahren zu dürfen. Dazu kommt der Scheck über 10.000 Schweizer Franken für den in Oberstdorf zum "Mann des Tages" gekürten Russen.

"So viel Geld hat er in seinem Leben noch nie verdient", meinte Steiert. Schließlich bekommt der 29-Jährige pro Monat nur etwa 400 Euro von der russischen Sportförderung und wohnt noch bei seinen Eltern in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der 1, 5-Millionen-Stadt Ufa am Uralgebirge, die von den Moderatoren an den Schanzen der Welt in Unkenntnis gern in Ufo umgetauft wird.

Irgendwie passt das auch, denn als Tournee-Mitfavorit gleicht der nur 2,0 Zähler hinter Spitzenreiter Simon Ammann liegende Wassilijew für seine Konkurrenten einem "Unknown Flying Object" (Ufo). Dabei hat Wassilijew eine lange, wechselvolle Karriere hinter sich, die bei der Tournee 2000/2001 mit zwei Podestplätzen begann. Und sehr unrühmlich unterbrochen wurde, als Wassilijew danach der Gebrauch des Dopingmittels Furosemid nachgewiesen wurde.

Nach dem bis dato einzigen Dopingfall in der Geschichte des Skispringens wurde er für zwei Jahre gesperrt. "Damals hat doch im russischen Skisprung-Team noch Sozialismus geherrscht. Dimitri hat daraus gelernt, so etwas wäre heute nie mehr möglich, weil wir so viele Dopingkontrollen machen", sagt Steiert inzwischen. Nachdem der deutsche "Kapitalist" Ende 2004 als russischer Chefcoach verpflichtet wurde, ging es mit Wassilijew wieder aufwärts. 2006 in Turin führte er nach dem ersten Durchgang des olympischen Normalschanzenspringens, wurde am Ende aber nur Zehnter.

Als Belohnung gabs von Präsident Wladimir Putin immerhin eine Wohnung, die der Skispringer als Nebenverdienst vermietet hat. Zu größeren Erfolgen reichte es bislang nur deshalb nicht, weil der Liebhaber der russischen Küche immer zu viele Kilo mit sich herumschleppte. Erst eine Wette mit einem Sponsor half ihm per finanziellem Anreiz beim Abnehmen. Auch für seinen dritten Platz von Oberstdorf wird Wassilijew "hoffentlich mit Geld von der russischen Sportführung zugeschüttet werden" (Steiert).

Wieviel er bekommt, ist unklar, weil Wolfgang Steiert am Abend nach seinem größten Trainer-Triumph die Anrufe aus Moskau nicht annehmen wollte: "Weil die mir die Kosten für das Telefon nicht bezahlen". Vielleicht ändert sich auch das noch, wenn Wassilijew 30 Jahre nach dem letzten russischen Tournee-Einzelsieg durch Juri Iwanow (30. Dezember 1978) einmal ganz oben steht.

Wolfgang Steiert hofft jedenfalls, dass das Ufo aus Ufa noch oft die russische Nationalhymne auf seinem Handy erklingen lässt: "Dimitri ist ein Killer und die Anlagen liegen ihm. Und vielleicht erfüllt sich dann mein größter Wunsch, einmal Putin die Hand zu drücken."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vierschanzentournee 08/09: 1. Springen

(SID)
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