Vierschanzentournee: Richard Freitags Tournee-Traum nach Sturz beendet

Vierschanzentournee: Freitags Tournee-Traum nach Sturz beendet - Kritik an Jury

Für Richard Freitag ist der Traum vom Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee nach einem Sturz vorzeitig beendet. Für die Jury gab es Kritik, für Kamil Stoch den dritten Sieg.

Richard Freitag war längst auf dem Weg ins Krankenhaus, als "Flugwunder" Kamil Stoch ausgelassen seinen dritten Sieg in Folge feierte: Nach einem dramatischen Tag am legendären Bergisel in Innsbruck ist der Kampf um den Gesamtsieg der 66. Vierschanzentournee wohl entschieden. Während Stoch der Konkurrenz mit zwei weiteren Traumflügen enteilte und nach dem Rekord von Sven Hannawald greift, platzten die Träume des deutschen Hoffnungsträgers Freitag bei einem fatalen Sturz, der heftige Kritik an der Jury nach sich zog.

"Richard hat sehr starke Schmerzen an der Hüfte. Ich bin froh, dass er nicht über Schmerzen im Knie berichtet hat. Das ist schade für Richard, schade für uns und schade für die Tournee", sagte Bundestrainer Werner Schuster im ZDF. Der starke dritte Rang von Andreas Wellinger, der in der Gesamtwertung sogar auf den zweiten Platz kletterte, geriet beinahe zur Nebensache. "Wir leiden mit Richard, für ihn ist das beschissen", sagte Wellinger.

Freitag kam im ersten Durchgang nach einem Flug auf 130,0 m direkt nach der Landung zu Fall. Anschließend winkte er kurz ins Publikum, ehe er mit schmerzverzerrtem Gesicht in einen Krankenwagen stapfte und zu Untersuchungen in eine nahe Klinik gebracht wurde.

Spätestens da war klar: Freitags Hoffnungen auf den ersten deutschen Tourneesieg seit Hannawald 2001/02 sind geplatzt - dafür kann nun Stoch als zweiter Springer nach dem Hinterzartener vor 16 Jahren beim letzten Springen in Bischofshofen (Samstag, 17.00 Uhr/ARD und Eurosport) den "Grand Slam" erreichen. "Ich rechne mittlerweile damit, dass ich ein zweites Mitglied in diesem elitären Klub begrüßen darf", sagte Hannawald bei Eurosport.

"Es war definitiv zu viel Anlauf"

Pikant: Freitag stürzte fast genau an der Stelle, an der auch Severin Freund vor zwei Jahren im Probedurchgang zu Fall gekommen war. Schuster wiederholte seine Kritik aus dem Jahr 2016 fast wortgleich. "Es war definitiv zu viel Anlauf. Ich habe das gestern schon befürchtet. Bei diesen Bedingungen darf man nie und nimmer so weit springen lassen. Es war definitiv die falsche Wettkampfführung für diese Aufsprung-Präparierung."

Auch Stoch hatte im ersten Durchgang Probleme bei der Landung, gewann am Ende aber mit starken Flügen auf 130,0 und 128,5 m mit 270,1 Punkten klar vor dem Norweger Daniel Andre Tande (255,6) und Wellinger (253,5). Der Bayer ist nun zweiter der Gesamtwertung, allerdings ist der Rückstand auf Stoch mit 64,5 Punkten oder umgerechnet gut 36 Metern enorm. Eisenbichler (Siegsdorf) und Stephan Leyhe (Willingen) belegten am Donnerstag die Ränge acht und neun, Karl Geiger (Oberstdorf) folgte auf dem zwölften Rang.

Start von Freitag in Bischofshofen noch offen

Ob Freitag in Bischofshofen starten kann, war nach der Untersuchung am Abend noch offen. "Für die erste Diagnostik kann ich Entwarnung geben, aber wir müssen abwarten. Wenn er eine Chance hat, wird er es auf jeden Fall probieren", sagte der deutsche Teamarzt Mark Dorfmüller. Sollte Freitag die Qualifikation am Freitag verpassen, hat er keine Chance auf eine Teilnahme am Wettkampf.

Alle DSV-Adler litten allerdings mit Freitag mit. Nach einer kurzen Untersuchung entschied sich die medizinische Abteilung des DSV gegen einen Start Freitags im zweiten Durchgang. "Man muss jetzt schauen, dass man es medizinisch wieder in die Reihe bekommt. Wir können uns jetzt nicht eingraben. Es gibt noch viele Dinge in dieser Saison", sagte Schuster. Vater Holger Freitag sagte Minuten nach dem Sturz: "Hauptsache, er ist gesund geblieben. Das ist jetzt das Wichtigste."

Scharfe Kritik übte auch Horst Hüttel, Sportlicher Leiter beim DSV. "Es ist bitter. Der Vorwurf muss im Raum stehen, dass hier zu weit gesprungen wird. Mit einer Luke weniger wäre das wahrscheinlich nicht passiert", sagte Hüttel im ZDF.

Der verantwortliche Technische Direktor des Wettkampfs habe schon beim Frauen-Weltcup im Dezember in Hinterzarten einen ähnlichen Fehler begangen, so Schuster. Svenja Würth hatte im Schwarzwald bei einem Sturz einen Kreuzbandriss im linken Knie erlitten und wird die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea verpassen. "Der Norweger meint immer, man muss weit über Hillsize springen. Er hat einfach eine andere Auffassung von Skispringen, und das ist schade."

Bei Freitag stand eine genaue Diagnose zunächst aus. "Er wird im Moment untersucht. Es schaut so aus, dass er keine ernsthafte Verletzung hat. Aber auch das ist nicht gesichert. Er kann keinen zweiten Durchgang machen, weil er Schmerzen hat, und dann macht es keinen Sinn", sagte Hüttel.

Hüttel betonte, er habe schon vor dem ersten Durchgang das Gespräch mit der FIS gesucht. "Wir haben gesagt, dass defensiv an die Sache herangegangen werden soll. Das ist leider nicht passiert und macht die Sache tragischer", sagte Hüttel.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Richard Freitag stürzt bei Landung

(old/sid)