Vierschanzentournee: Österreicher jagen Richard Freitag und Andreas Wellinger

Vierschanzentournee: Österreich ruft zur "Battle gegen die Deitschen"

Richard Freitag ist bei der Vierschanzentournee der Gejagte - und die Jäger sind von erlesener Qualität. Vor dem Auftakt versprechen Stefan Kraft, Kamil Stoch und Daniel Andre Tande der deutschen Nummer eins einen harten Kampf.

Beim Angriff auf Richard Freitag überlässt Stefan Kraft nichts dem Zufall. Ein Virus wie im Vorjahr soll Österreichs Skisprung-Weltmeister bei der Vierschanzentournee nicht noch einmal ausknocken. "Dafür habe ich heuer extra einen Flachmann dabei", sagt Kraft. Im Schanzenviertel von Oberstdorf wird mit harten Bandagen gekämpft.

Nach einem herausragenden Saisonstart gehen Freitag, der Führende im Weltcup, und Andreas Wellinger, die Nummer zwei, völlig zurecht als Topfavoriten ins Auftaktspringen auf der Schattenbergschanze am Samstag (16.30 Uhr/ARD und Eurosport). Damit sind sie aber auch zum Ziel der bislang von ihnen getriezten Konkurrenz geworden, die den DSV-Adlern vor vollem Haus im Allgäu in die Suppe spucken möchte. Er freue sich auf "die Battle gegen die Deitschen", sagte Kraft mit diebischem Grinsen.

Der dreimalige Saisonsieger Freitag nimmt die Rolle des Gejagten mit leisem Achselzucken hin. "Der Druck ist nicht so viel größer als sonst. Dafür sind wir aber auch in einer besseren Situation als in den letzten Jahren", sagt der 26-Jährige. Über die Konkurrenten will er dann auch nicht groß reden, ab Samstag lieber Taten sprechen lassen.

Im Schatten der Glühweinbuden trafen Freitag und seine Jäger bei der Teampräsentation am Vorabend der Qualifikation von Oberstdorf erstmals aufeinander. Es blieb - Skispringer sind eben eher zurückhaltendere Typen - bei kleineren verbalen Spitzen. "Das deutsch-österreichische Duell ist das coolste - für uns, für die Fans", sagte Kraft, der in der Qualifikation seine Titelambitionen eindrucksvoll unterstrich.

Schlierenzauer hofft auf Formanstieg bei Tournee

Eigentlich ist es ja ein Duell Kraft gegen Deutschland, denn bislang spielte das Team Austria im Olympiawinter als Ein-Mann-Kapelle auf. Drei dritte Ränge des Tourneesiegers 2014/15 waren das beste ÖSV-Ergebnis der Saison, ohne Top-2-Platzierung reisten die Österreicher zuletzt 2005 zur Tournee. Auch die Rückkehr des enigmatischen Weltcup-Rekordsiegers Gregor Schlierenzauer kann Kraft kaum entlasten.

  • Erstes Springen der Vierschanzentournee : Freitag setzt in der Qualifikation ein dickes Ausrufezeichen

"Mein großes Ziel ist es, während der Tournee in Schwung zu kommen", sagte "Schlieri", zuletzt 46. und 34. in Engelberg, bei Österreichs Medienrunde in Oberstdorf. Er sei nahe dran und mental so frisch wie noch nie. Klang gut, nur verkündet Schlierenzauer dies schon seit rund zwei Jahren regelmäßig.

Andere Nationen treten den Deutschen bei der Tournee hingegen in voller Mannschaftsstärke auf höchstem Niveau entgegen. Die Norweger um den Vorjahresdritten Daniel Andre Tande beispielsweise, der damals in Bischofshofen die Chance auf den Tourneesieg so unglücklich vergab, weil er seine Bindung nicht korrekt befestigt hatte.

"Die Deutschen sind Favoriten, das ist nach dem Saisonbeginn klar", sagt Tande: "Aber das ist mir recht, dadurch haben wir mehr Ruhe." Ein "Battle" nach Kraftscher Lesart wünscht sich auch der kühle Norweger, aber bitte in harmonischem Rahmen: "In der Hitze des Gefechts sind wir Gegner, aber nach den Sprüngen Freunde."

Ganz aus den verbalen Scharmützeln hält sich Kamil Stoch heraus. "Ich denke gar nicht daran, meinen Titel zu verteidigen", sagte Polens Doppel-Olympiasieger. Sollen die anderen doch reden. Entscheidend ist eben auf'r Schanze.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vierschanzentournee 2017/18: Favoriten im Check

(sid)
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