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Vierschanzentournee 2020/21: Kamil Stoch triumphiert - Gewinner und Verlierer

Vierschanzentournee-Telegramm 2020/21 : Die Gewinner und Verlierer der Tournee

Die Vierschanzentournee 2020/21 wird natürlich als Corona-Tournee in die Historie eingehen. Doch sie war viel mehr als das: Von Oberstdorf bis Bischofshofen schrieb sie kleine und große Geschichten, war packend von Anfang bis Ende.

GEWINNER UND GLÜCKLICHE:

Karl Geiger

Wer ihn immer nur als braven Schwiegermutterschwarm kannte, wurde nun eines besseren belehrt. Der "Karle" kann auch richtig deftig fluchen: "In den letzten Jahren ist Innsbruck immer unser Genickbruch gewesen. Dass es dieses Jahr wieder so ist: Da kriegt man einfach nur das Kotzen", ranzte er in Innsbruck in die Mikros. Geigers Tournee war eine Telenovela für sich: Heimsieg in Oberstdorf, grandiose Aufholjagd in Garmisch-Partenkirchen, Absturz in Innsbruck, sagenhaftes Comeback und Gesamtplatz zwei in Bischofshofen - Geiger hat zwar nicht die Tournee, aber mächtig an Profil gewonnen. Das war großer Sport!

Kamil Stoch

Er wurde von einem der Größten zu einem der Allergrößten. Wie Stoch den kurzzeitigen Ausschluss der Polen in Oberstdorf nach dem positiven Coronatest seines Teamkollegen Klemens Muranka ohne ein böses Wort hinnahm, dann klaglos ans Werk ging, als er wieder mitwirken durfte, von Tag zu Tag besser wurde und schließlich mit riesigem Vorsprung zum dritten Mal die Tournee gewann - das war unvergleichlich. Stoch ist mit 33 Jahren immer noch der Beste seines Sports, der größte Skispringer der vergangenen zwei Jahrzehnte, ein Vorbild auf und neben der Schanze.

Das Coronakonzept

Es war ein Ritt auf der Rasierklinge, klar. Und der Ausschluss der Polen beruhte auf einem Fehler, ebenso klar. Doch hätten die Veranstalter irgendetwas anders, etwas besser machen können? Vermutlich nicht. Eine Veranstaltung wie die Vierschanzentournee in diesen Pandemiezeiten ohne entsprechende Erfahrungen durchzuziehen, war ein Wagnis. Die Tournee jedoch versank nicht im Chaos - ein Resultat harter Arbeit.

Sven Hannawald

Er bleibt weiter der deutsche Skispringer, der zuletzt die Vierschanzentournee gewonnen hat, obwohl er sich nach einem Nachfolger sehnt. Als Gewinner fühlte er sich daher nicht, der "Hanni" von einst ist wohl der größte Fan der DSV-Adler und wünscht sich wenig mehr als einen Tourneesieg eines Geiger oder Eisenbichler. Als ARD-Experte vermittelte er dies eindringlich, glänzte in seinem Premierenjahr im Ersten zudem mit fachlicher Klasse. Dass die Tournee als TV-Ereignis funktionierte, war auch ihm zu verdanken.

Die Tournee an sich

"C'est le Tour", sagt der Franzose, wenn er über die Frankreich-Rundfahrt der Radprofis redet und dem sportlichen Nationalstolz auch einige menschliche Schwächen verzeiht. "C'est le Tournee", lässt sich nun ebenso über diese Skisprungtage sagen. Nicht alles funktionierte, Corona hat der Tournee das Leben schwer gemacht, vieles an Stimmung gekillt. Jedoch: Eine solche Vierschanzentournee ist besser als keine Vierschanzentournee. Sie hat vielen Menschen Freude bereitet, und das ist schon etwas in diesen mitunter sehr grauen Tagen.

ENTTÄUSCHTE UND ENTTÄUSCHENDE

Markus Eisenbichler

Ein Verlierer, das muss klar gesagt werden, ist der "Eisei" nicht. Und dennoch war das nicht seine Tournee. Als einer der ganz großen Favoriten kam er nach Oberstdorf, verlor seine Leichtigkeit, kämpfte leidenschaftlich, jubelte und fluchte, suchte nach Auswegen - und stürzte schließlich in Bischofshofen völlig ab. Weil er aber auch auf Niederlagen zutiefst menschlich reagierte, blieb er der Publikumsliebling. "I werd ma heid a paar Biere einelatschen und dann werds scho wieder wern", sagte er nach dem letzten Sprung. Muss man nicht ins Hochdeutsche übersetzen, berührt auch so.

Halvor Egner Granerud und Marius Lindvik

Der eine Norweger - Granerud - kam als Entdeckung der Saison und mit fünf Siegen in Serie zur Tournee, verlor dann erst die Form und dann den Stil, als er in Innsbruck gegen Sieger Stock zickte, und landete schließlich als Topfavorit nicht einmal auf dem Gesamtpodest. Der andere - Lindvik - indes war zur Tournee in Topform, landete in Oberstdorf vor Stoch und in Bischofshofen hinter diesem auf Platz zwei, wäre sein härtester Kontrahent gewesen - wenn er nicht die zwei Springen dazwischen wegen einer Zahn-OP verpasst hätte.

Die Österreicher

Stefan Kraft plagte sich mit den Folgen seiner Corona-Infektion, Michael Hayböck verlernte binnen Tagen das Skispringen, und der Gregor Schlierenzauer von 2020/21 springt, als hätte man den Schlierenzauer von 2006/07 als Flohmarkt-Imitat erworben. Mitveranstalter Österreich erlebte erneut eine Tournee zum Vergessen, blieb zum zweiten Mal in Folge ohne Podiumsplatz bei allen Springen, ist seit Oberstdorf 2016 ohne Tagessieg, seit 2014/15 ohne Gesamt-Triumph.

Simon Ammann

Der "Simi" ist einer der liebenswertesten Sportler überhaupt, umso mehr schmerzte es, ihn bei dieser Tournee zu sehen. Platz 32 in Oberstdorf war noch das mit Abstand beste Resultat des viermaligen Olympiasiegers. Ammann wird im Sommer 40, und man wünscht ihm so sehr, dass er einen würdigen Absprung schafft.

Die Prevc-Brüder

Vor nicht vielen Jahren sah es so aus, als läge die ganze Zukunft des Skispringens in den Händen einer slowenischen Familie. Davon sind der große Peter, der mittelgroße Cene und der kleine Domen nun weit entfernt. Die Schanzennation Slowenien trauert.

+++++6. Januar 2020+++++

„König Kamil“ - Stoch triumphiert vor Geiger bei 69. Vierschanzentournee

Skispringer Kamil Stoch hat die 69. Vierschanzentournee mit dem Vorsprung von 48,1 Punkten auf den Oberstdorfer Karl Geiger gewonnen. Der Pole holt damit zum dritten Mal den goldenen Adler.

„Bischofshofen ist heute weiß-rot“ - Polen jubelt über Stochs Sieg

Polen feiert den Sieg von Skispringer Kamil Stoch bei der Vierschanzentournee. Präsident Andrzej Duda gratulierte am Mittwoch per Twitter. „Ein schöner Triumph in großem Stil. Wir danken von ganzem Herzen für diese schönen Momente der Freude in schweren Zeiten“, schrieb das Staatsoberhaupt. Stoch sei der „König der Vierschanzentournee“. Aber der gesamten polnischen Mannschaft gebühre Applaus und Respekt, so Duda weiter.

„Heute ist Bischofshofen weiß-rot“, schrieb Regierungschef Mateusz Morawiecki in Anspielung auf die polnischen Nationalfarben. Die „unglaublichen Emotionen“ beim letzten Wettkampf der Vierschanzentournee seien in einen großen Sieg für die Polen gemündet, schrieb Morawiecki auf Twitter: „Großen Glückwunsch an Kamil Stoch zu seinem dritten Sieg bei der Vierschanzentournee und an Dawid Kubacki für seinen Platz auf dem Podium.“

„Wahnsinn in Bischofshofen“, titelte das Portal der Zeitung „Rzeczpospolita“. Die Online-Ausgabe der Zeitung „Gazeta Wyborcza“ jubelte: „Schöner kann man nicht Skispringen.“ Und das Portal der Boulevardzeitung „Super Express“ schrieb: „Kamil Stoch hat seine Rivalen in Bischofshofen zerstört“.

+++++2. Durchgang in Bischofshofen+++++

Der Pole Kamil Stoch hat zum dritten Mal in seiner Karriere die Vierschanzentournee der Skispringer gewonnen. Beim letzten der vier Springen fuhr der 33 Jahre alte Routinier am Mittwoch in Bischofshofen einen weiteren Einzelsieg ein und sicherte sich nach 2016/17 und 2017/18 seinen nächsten Triumph beim Prestigeevent. Hinter Stoch komplettierten der Norweger Marius Lindvik und Deutschlands Karl Geiger vor coronabedingt leeren Rängen das Podest des vierten Einzel-Wettkampfs. Geiger belegte damit auch in der Gesamtwertung Rang zwei.

Auf den ersehnten Gesamtsieg müssen Deutschlands Skispringer um Flug-Weltmeister Geiger auch nach 19 Jahren weiter warten. Der 27 Jahre alte Allgäuer gewann zwar nach zehn Tagen Corona-Quarantäne direkt das Auftaktspringen in seiner Heimat Oberstdorf, ließ dann aber in Garmisch-Partenkirchen und vor allem in Innsbruck zu viele Punkte liegen. Ein Debakel in Bischofshofen erlebte Weltmeister Markus Eisenbichler, der als 35. nicht mal den zweiten Durchgang erreichte.

Hinter Stoch und Geiger schaffte es Titelverteidiger Dawid Kubacki aus Polen auf das Tournee-Podest. Der Norweger Halvor Egner Granerud kam nicht über Gesamtrang vier hinaus. Nach gerade mal einem Ruhetag steht am Freitag in Titisee-Neustadt im Schwarzwald schon die Qualifikation zum nächsten Weltcup auf dem Programm.

Kamil Stoch fliegt ohne Probleme auf 140 Meter und damit zum Sieg. Er gewinnt die Tournee zum drittenmal.

Karl Geiger macht es spannend. Er kommt nicht ganz so weit runter wie Lindvik und landet bei 133,5 Meter. Das ist Platz zwei.  Er wird damit heute Dritter und Zweiter bei der Tournee 2012.

Marius Lindvik ist nach seiner Kiefer-Op wird stark zurückgekehrt in Bischofshofen. Der Norweger steht hoch in der Luft und landet bei 140,5 Metern. Das ist die Führung.

Stekala zeigt einen schönen Sprung auf 133 Meter. Der Pole darf sich freuen, auch wenn Kraft weiter führt und damit im zweiten Durchgang ordentlich aufholt.

Auch Krafts Kumpel Michael Hayböck kann ihn an der Spitze nicht ablösen. Er reiht sich auf Platz drei ein. Daniel Huber fällt ebenfalls zurück.

Peter Prevc reichen 133,5 Meter nicht für die Führung.

Halvor Egner Granerud greift die Postion von Dawid Kubacki in der Gesamtwertung an. Doch seine 134 Meter reichen knapp nicht, um den Polen noch abzufangen. Der Norweger is tbeim heutigen Springen vorerst nur Fünfter und fällt damit weiter zurück.

Stefan Kraft aus Österreich geht hingegen mit 137 Metern in Führung. Daran kann auch der Pole Piotre Zyla mit 136,5 Metern nichts ändern.

Auch Dawid Kubacki kommt mit seinem Sprung heute nicht zurecht. Er landet bei 131,5 Metern und fällt weiter zurück. Dass ist schade für den Polen, aber eine gute Nachricht für Karl Geiger mit Blick auf das Podest in der Gesamtwertung.

Der junge Deutsche Constantin Schmid fällt zurück: 131,5 Meter reichen nicht.

Robert Johansson trägt es bei gutem Wind und einer tollen Flugposition auf 139 Meter und damit an die Spitze. Sein norwegischer Teamkollege Daniel Andre Tande liegt mit 136 Metern knapp hinter ihm.

133 Meter! Der Janpaner Junshiro Kobayashi liegt schön in der Luft und geht in Führung. Doch sein Bruder Ryoyu löst ihn direkt mit 135 Metern ab.

Schade, der Österreicher Philipp Aschenwald wird mit 125 Metern zurückfallen - auch in der Gesamtwertung, wo er vor dem Springen noch in den Top Ten lag.

Der Finne Antti Aalto löst mit 128,5 Metern Freund nun an der Spitze ab.

Der Österreicher Clemens Leitner kam überraschend ins Team und zeigte eine gute Tournee. Doch nun gelingt ihm die Flugphase nicht gut und er landet bei 122 Metern.

Severin Freund gelingt endlich wieder mal ein toller Sprung. Das sollte ihm ein gutes Fluggefühl geben. 131 Meter sind es für den Deutschen. Das ist vorerste die Führung und damit wird er noch einige Plätze gut machen.

Evgeniy Klimov bestätigt seinen guten 1. Durchgang und der Russe steigert  ich sogar auf 127 Meter.

Pius Paschke eröffnet das Finale. Der Deutsche macht zum Abschluss der Tournee einen passbalen Sprung auf  125 Meter.

+++++1. Durchgang in Bischofshofen+++++

Markus Eisenbichler im ersten Durchgang raus - Kamil Stoch nimmt Kurs auf Titel

Skispringer Markus Eisenbichler hat den letzten Wettbewerb bei der Vierschanzentournee komplett verpatzt und nicht einmal den zweiten Durchgang erreicht. Der 29 Jahre alte Bayer sprang am Mittwoch in Bischofshofen 120,5 Meter und verlor damit sein K.o.-Duell mit dem russischen Außenseiter Jewgeni Klimow. In der Tournee-Gesamtwertung verabschiedete sich der Weltmeister mit seinem 35. Rang aus den absoluten Top-Plätzen. Vor dem Finale im Pongau hatte Eisenbichler noch auf Rang fünf gelegen. „Ich muss ein bisschen schmunzeln über mich. Bei der schwierigen Schanze kann es passieren, dass man mal so daneben tritt“, sagte Eisenbichler.

Wesentlich besser lief es bei Teamkollege Karl Geiger, der 138 Meter sprang und damit zur Halbzeit Rang zwei belegt. Der 27 Jahre alte Allgäuer wahrte damit auch seine Chance auf einen Top-Drei-Platz in der Gesamtwertung. Polens Routinier Kamil Stoch (139 Meter) bewies wieder einmal seine Klasse und baute seine Gesamtführung sogar noch aus. Vor dem letzten der acht Sprünge liegt er 32 Punkte vor Geiger. Das sind umgerechnet rund 18 Meter.

Kamil Stoch lässt nichts anbrennen. Der Pole springt auf 139 Meter und baut seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aus. Damit geht er als Führender in Bischofshofen und in der Tourneewertung ins Finale.

Simon Ammann wird sich mit 112 Metern nicht gegen Halvor Egner Granerud behaupten können. Doch der Norweger, der in der Gesamtwertung noch Aussichten auf den Sieg hat, verliert mit 134 Metern Punkte auf Karl Geiger.

Auch Dawid Kubacki lässt mit 133 Metern einige Meter auf Karl Geiger liegen. Aber für sein Duele gegen Teamkollege Kot reicht das.

Markus Eisenbichler trifft den Absprung nicht. So wird das nichts mehr mit dem Angriff auf den Tournee-Sieg für den Deutschen. Es werden gerade mal 120,5 Meter. Das reicht nicht mal, um das Duell gegen Klimov zu gewinnen.

Peter Prevc hat die Tournee bereits einmal gewonnen, sein Kontrahent Gregor Schlierenzauer sogar zweimal. Aktuell kämpfen beide um den Anschluss an die Weltklasse. Heute setzt sich Prevc mit 132,5 Metern locker duch. Der Österreicher kommt nach einem super Trainingssprung nun nur auf 115 Meter.

Ryoyu Kobayashi schafft es auf 130 Meter. Das reicht für das Finale. Stefan Reiner hat keine Chance (116,5 Meter).