Vierschanzentournee 2019: Wellinger wird vom strahlenden Olympiasieger zum ratlosen Verlierer

Schlechte Form : Wellinger wird vom strahlenden Olympiasieger zum ratlosen Verlierer

In Pyeongchang trumpfte Andreas Wellinger groß auf. Bei der Vierschanzentournee, die er im Vorjahr noch als Zweiter abschloss, läuft es für den Bayern nun gar nicht mehr. Bundestrainer Schuster hat dennoch Hoffnung.

Vom ausgelassenen Weißbier-Zapfer zum Edelfan: Wenn es bei der Vierschanzentournee um die Podestplätze geht, ist Andreas Wellinger derzeit nur noch prominenter Unterstützer von Deutschlands Tournee-Hoffnung Markus Eisenbichler - und nicht mehr Herausforderer. Für den Olympiasieger, der in Pyeongchang im deutschen Haus vor knapp einem Jahr noch euphorisch feierte und stundenlang Bier ausschenkte, war in Garmisch-Partenkirchen wie schon zuvor in Oberstdorf bereits nach dem ersten Durchgang Schluss.

„Das ist natürlich ein fürchterliches Ergebnis, nach zwei Wettkämpfen mit null Punkten dazustehen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Das Tournee-Vertrauen in den 23-Jährigen hat er aber nicht verloren.

Während er seinen früheren Erfolgsgaranten Severin Freund für die zweite Hälfte des ersten Saisonhighlights in Innsbruck und Bischofshofen nicht nominierte, darf Wellinger weiterspringen. „Er hat einfach heuer sehr schwache Leistungen, er kann aber auch in kurzer Zeit viel bewegen“, begründete der Trainer.

Das hofft natürlich auch Wellinger selbst, der jedoch zusehends ratlos wirkt. „Die Konstanz ist nicht da, und dann ist es deutlich schwieriger, als man es sich vorstellt“, sagte der Ruhpoldinger am Donnerstag in Innsbruck nach seinem schwachen Quali-Sprung auf 110 Meter, der nur für Rang 47 und damit gerade mal so für die Finalkampf-Qualifikation reichte. Konsterniert starrte Wellinger im Auslauf in die Luft, der übliche grinsende Gruß und das Winken in die Kamera entfielen diesmal ersatzlos. „Es bringt nichts, wenn ich den Kopf in den Sand stecke“, sagte Wellinger.

Nach seinem Aus in Oberstdorf hatte er noch gesagt: „Das macht keinen Spaß, aber deswegen geht das Leben trotzdem weiter.“ Nach dem enttäuschenden 32. Platz von Garmisch sagte Wellinger öffentlich dann gar nichts mehr.

Den zweiten Durchgang hatte er mit seinen Kollegen hinter dem Auslauf verfolgt, er gratulierte Eisenbichler zum zweiten Platz und verschwand anschließend wortlos. Die Lockerheit, die den Ruhpoldinger lange Zeit auszeichnete, ist derzeit weg.

Im Training sei Wellinger eigentlich „nah dran“ gewesen, sagte Schuster über die Performance des Bayern zum Start in die Tournee. Er habe die Lücke nach ganz oben jedoch mit Gewalt schließen wollen. „Das geht aber nie beim Springen. Wenn Unsicherheit reinkommt, dann ist es sehr, sehr schwierig.“

Dabei begann die Saison für den Tournee-Zweiten des vergangenen Winters ganz ordentlich. Auf Platz elf zum Auftakt im polnischen Wisla folgten Rang neun und die bisher einzige Podest-Platzierung der Saison als Zweiter in Kuusamo. Danach lief es nur noch vereinzelt gut - und nicht mehr bei zwei Wettkampfsprüngen nacheinander.

Die verbleibenden Tournee-Auftritte in Österreich kann Wellinger nun für die Formsuche nutzen. In der Gesamtwertung hat er ohnehin keine Chancen mehr. Das Hauptaugenmerk liegt nun auf der Nordischen Ski-WM in Seefeld, die am 19. Februar beginnt.

Den ganz großen Coup wird Coach Schuster von Schützling Wellinger bei dieser Tournee nicht mehr erwarten, auch wenn diesem die Bergiselschanze eigentlich liegt. Zwei Wettkampfsprünge und damit ein paar Weltcup-Punkte wären schon mal ein Anfang. Es muss ja nicht gleich wieder eine Weißbier-Party sein.

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(rent/dpa)
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