Vierschanzentournee 2019: Österreicher werben offensiv um deutschen Skisprung-Trainer Werner Schuster

Vertrag beim DSV läuft aus : Österreicher werben offensiv um deutschen Skisprung-Trainer Schuster

Das könnte ein echtes Problem für den Deutschen Skiverband werden: Die Österreicher machen Bundestrainer Werner Schuster offensiv Avancen. Dessen Vertrag beim DSV läuft Ende der Saison aus. Der Job in seinem Heimatland ist aus mehreren Gründen interessant.

Werner Schuster stand auch in Innsbruck in vorderster Front, winkte am Donnerstag seine DSV-Adler höchstpersönlich von der Bergiselschanze, wie immer in fast elf Jahren Amtszeit. Dieses Bild könnte aber ziemlich bald der Vergangenheit angehören, der Meistermacher der deutschen Skispringer das schwarz-rot-goldene Fähnchen gegen das rot-weiß-rote seiner Heimat austauschen - denn die auch bei der Vierschanzentournee kriselnden Österreicher machen im Werben um den Tiroler Erfolgscoach offenbar erst.

"Werner hat überall Erfolg gehabt, er ist eine Autoritätsperson. Wenn wir so einen nicht haben wollen würden, wäre sicher etwas falsch", sagte Mario Stecher, Sportlicher Leiter nordisch im Österreichischen Skiverband (ÖSV), auf der obligatorischen Pressekonferenz zur Tournee-Halbzeit.

Diese wurde wie im Vorjahr zum Krisen-Fanal, der zweimalige Kombinations-Olympiasieger Stecher und der glücklose Chefcoach Andreas Felder, beide erst seit März 2018 im Amt, mussten nach dem neuerlichen Rückschlag Rede und Antwort stehen: Nur Daniel Huber (10.) liegt vor dem dritten Tournee-Springen am Freitag (14.00 Uhr/ARD und Eurosport) in Innsbruck unter den besten 20 der Gesamtwertung, Weltmeister Stefan Kraft ist nach seinem Totalabsturz von Garmisch (49.) als 25. abgeschlagen.

Folgerichtig wird der Ruf nach dem verlorenen Sohn Schuster lauter, der seit 2008 den Erzrivalen Deutschland von Erfolg zu Erfolg führte, dessen Vertrag zudem zum Saisonende ausläuft.

"Natürlich ist es eine Überlegung, ihn einzubauen", wird Stecher in der Tiroler Tageszeitung zitiert, "sonst würden wir nicht mit offenen Augen durchs Leben laufen". Und offenbar ist der ÖSV bereit, für das Subjekt der Begierde tief in die Tasche zu greifen: "Wenn man jemanden wie Schuster haben kann, wird es nicht am Geld scheitern", sagte Stecher.

Schuster selbst, der sich nach eigener Aussage noch in Gesprächen mit dem deutschen Verband befindet, äußert sich stets vage zu seinen Zukunftsplänen. "Das ist eine sehr komplexe Entscheidung. Ich kann nur sagen, dass ich das sehr gewissenhaft überlege", sagte der 49-Jährige. An sich fühle er sich in Deutschland pudelwohl, allerdings schmerzten die langen Trennungen von seiner Familie.

Ein entscheidender Faktor dürfte sein, welche Rolle Schuster im ÖSV zugedacht wird. Stecher betonte nachdrücklich, dass es nicht um die Position des Cheftrainers ginge, eher ein neuer Posten geschaffen werden könne. Doch zum einen ist es fraglich, ob sich ein Alphatier wie Schuster mit weniger als dem uneingeschränkten Kommando abfinden würde.

Zum anderen kann es derzeit gar keine andere offizielle Stellungnahme als Stechers geben, weil ansonsten der bereits angeschossene Felder endgültig zum Abschuss freigegeben wäre.

Der (Noch-)Coach gab sich angesichts der Schuster-Diskussion kämpferisch: "Ich glaube nicht, dass der ÖSV gleich an einen Trainerwechsel denkt, nur weil es ein wenig humpelt", sagte Felder dem Kurier. Er würde sich "freuen, wenn Schuster zurückkommen würde. Weil er uns nur verstärken könnte".

Sollte Schuster Ende März beim DSV den Abflug machen, stünde der Nachfolger schon parat: Stefan Horngacher, einst Schusters Assistent in Deutschland und seit 2016 ungemein erfolgreicher Cheftrainer in Polen (zwei Tourneesiege und einmal Olympia-Gold mit Kamil Stoch). Dessen Vertrag endet wie der von Landsmann Schuster mit Saisonende - mit einer solchen "großen Lösung" ließe sich der Trennungsschmerz viel leichter bewältigen.

(rent/sid)
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